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Nach Köln-Nizza-Duell: Wer zahlt die Polizeikosten – und wie hoch sind sie?

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Von: Mick Oberbusch

Polizeieinsatz beim Spiel Köln vs. Nizza am 3. November
Wer sollte die Polizeikosten beim Fußball, wie hier beim Duell zwischen Köln und Nizza am 3. November, übernehmen? Zu dieser Frage gibt es viele verschiedene Meinungen. © Thomas Banneyer/dpa

Über 1000 Polizeibeamte, Wasserwerfer und Reiterstaffeln wurden beim Spiel des 1. FC Köln gegen OGC Nizza am 3. November eingesetzt. Wer bezahlt das?

Köln – In der Spitze rund 1000 Polizistinnen und Polizisten, etliche Wasserwerfer, Polizei-Konvois und Spezialkräfte sowie Reiterstaffeln: Beim Conference League-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und OGC Nizza am 3. November 2022 hat die Polizei Köln die ganz schweren Geschütze aufgefahren. Der Einsatz am Donnerstagabend war wahrscheinlich einer der größten, den es je zu einem Fußballspiel im RheinEnergie-Stadion gegeben hat.

Dies fiel auch Kölnerinnen und Kölnern auf, die mit dem Fußball eigentlich nichts am Hut haben. Auch sie mussten länger als üblich auf ihre Bahn warten, auf gesperrte Straßen achten und schauen, dass sie sich nicht an den Plätzen aufhielten, wo die Fans aus Nizza zugegen waren. Zudem überall zu sehen: Einsatzkräfte der Polizei. „Unsere Steuergelder bei der Arbeit. Ich hoffe sehr, dass alles ruhig bleibt“, schrieb beispielsweise eine Facebook-Nutzerin unter oben gezeigtem Post von 24RHEIN.

Kosten für Polizeieinsätze beim Fußball – wie teuer war das Duell zwischen dem 1. FC Köln und Nizza?

Der Großeinsatz der Polizei zum Spiel in der Conference League wirft somit nicht nur bei Fußballfans, sondern auch bei Kölner Bürgerinnen und Bürgern die Frage auf, was so ein Großeinsatz eigentlich kostet – und wer ihn bezahlt. 24RHEIN hat am Tag nach dem Spiel bei der Polizei Köln nachgefragt – da die Berechnung für den Einsatz am 3. November 2022 noch laufe, könne man dazu allerdings noch nichts sagen.

Um sich der mutmaßlichen Summe anzunähern, könnte sich jedoch ein Blick in die Vergangenheit und nach Bremen lohnen. Denn als der dort ansässige SV Werder im Jahr 2015 in der Bundesliga gegen den Erzrivalen Hamburger SV antrat, waren wie nun in Köln ebenfalls rund 1000 Beamte im Einsatz – was im Endeffekt für Kosten von rund 430.000 Euro sorgte.

Polizeikosten im Fußball – wie ist dies in anderen Ländern mit Top-Ligen geregelt?

In Frankreich (Ligue 1) beteiligen sich die Vereine bereits seit vielen Jahren an den Kosten für Polizeieinsätze in und an den Stadien. Laut französischem Innenministerium wird allerdings nur ein Bruchteil der Gesamtkosten von den Vereinen verlangt, um die Existenz vor allem kleinerer Clubs nicht zu gefährden.

► In England (Premier League) haben die Clubs Sicherheitsfirmen engagiert, die für Recht und Ordnung am Spieltag sorgen. Für Fußball-bedingte Einsätze in der Öffentlichkeit, beispielsweise an Bahnhöfen oder auf dem Weg zum Stadion, zahlt der Staat.

Debatte um Polizeikosten im Fußball – Bremen holt sich Geld zurück, andere Länder noch nicht

Und bei diesem Betrag handelte es sich nicht einmal um die Gesamtkosten, lediglich um Teilkosten für all das, was über den „normalen“ Polizeieinsatz bei so einem Spiel hinausgeht. Die Summe wurde bekannt, weil das Bundesland Bremen diesen Betrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Rechnung stellte – was eine Debatte darüber auslöste, wer bei solchen sogenannten Hochrisikospielen denn die Kosten tragen müsse. Denn abseits des kleinsten der 16 Bundesländer, welches in dieser Angelegenheit vor dem Bundesverwaltungsgericht recht bekam, ist es in allen anderen 15 Ländersache, die Rechnung zu übernehmen.

Debatte um Polizeikosten im Fußball – der Fall Bremen

► Im Jahr 2015 stellte das Bundesland Bremen der DFL einen Gebührenbescheid über 425.718,11 Euro in Rechnung. Der Betrag stellte einen Teil der Kosten des Polizeieinsatzes rund um die Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV dar, das aufgrund der Rivalität beider Teams als „Hochrisikospiel“ gilt.

Die DFL legte im April 2016 Beschwerde dagegen ein und scheiterte damit vor dem Bundesverwaltungsgericht, das entschied, dass Veranstalter (DFL) und auch der Verein (SV Werder Bremen) für einen solchen Mehraufwand seitens der Polizei belangt werden können.

Seitdem stellt das Bundesland der DFL auf Grundlage des Bremischen Gebühren- und Beitragsgesetzes immer wieder Gebührenbescheide aus. Die Rechnungshöfe forderten andere Bundesländer auf, sich nach dem „Bremer Modell“ ebenfalls Geld zurückzuholen. Bislang ging jedoch kein anderes Bundesland darauf ein, weshalb eine Erstattung von Polizeikosten seitens Veranstalter (in diesem Fall DFL) ausschließlich in Bremen nötig ist.

Polizeikosten für Fußballspiele auf Veranstalter und Vereine abwälzen? In NRW nicht geplant

Das „Übernehmen der Rechnung“ gelte auch in NRW, wo kein Antrag geplant ist, die Kosten auf DFL oder gar die Bundesliga-Clubs abzuwälzen, wie ein Polizeisprecher gegenüber 24RHEIN erklärt. Schließlich sei es, so heißt es auch aus dem Bundesland Bayern, Aufgabe des Staates, für Sicherheit bei solchen Großveranstaltungen mit Konfliktpotential zu sorgen. Bisher ging somit nur Bremen den Weg, sich die zusätzlichen Kosten für solche Events erstatten zu lassen.

Polizeikosten für Hochrisikospiele im Fußball – wer soll das bezahlen?

Anfang Oktober 2021 kam noch einmal Bewegung in die Sache, weil die Rechnungshöfe andere Bundesländer aufforderten, nach dem Vorbild Bremens Rechnungen für solche Polizei-Großeinsätze an die Liga und ihre Vereine zu stellen. Die meisten Bundesländer folgten dieser Empfehlung allerdings nicht. Weshalb das Thema „Polizeikosten bei Fußballspielen“ wohl noch länger eines mit Konfliktpotential bleiben wird. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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