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Ralf Friedrichs: „1. FC Köln kann sich in Regionen von Gladbach etablieren“

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Von: Simon Ommer

FC Stammtisch Brauhaus Zum Prinzen Koeln Deutschland Datum 21 03 2016 Ralf Friedrichs
Klappe, und Action! Seit 2009 moderiert Ralf Friedrichs den „FC-Stammtisch Talk“. © IMAGO/Eduard Bopp

Ralf Friedrichs hat 2009 den FC-Stammtisch ins Leben gerufen. Mit 24RHEIN spricht er über die aktuelle Saison des 1. FC Köln und gibt eine Prognose zur Zukunft ab.

Köln – Seit 2007 ist Ralf Friedrichs als Autor diverser Bücher rund um den Fußball tätig. Dabei verfolgt ihn vor allem eine Leidenschaft: der 1. FC Köln. Er ist der Initiator des „FC-Stammtisch Talk“, den er 2009 gegründet hat. Die Sendung „ist die erste professionelle Talk-Veranstaltung vor der Kamera, die eine regelmäßige Bundesliga-Diskussionsrunde auf Vereinsebene (1. FC Köln) zum Thema hat“, schreibt Friedrichs auf seiner Homepage. Kürzlich veröffentlichte er zusammen mit Thomas Reinscheid die Biografie „Maurice Banach – sie nannten ihn Mucki“. Im Interview mit 24RHEIN spricht er über Steffen Baumgart, die Arbeit auf dem Transfermarkt sowie die aktuelle Situation im Klub. 

Herr Friedrichs, der 1. FC Köln hat einen guten Saisonstart hingelegt. Wie groß ist Ihre Hoffnung auf eine ruhige Saison ohne Abstiegssorgen? 

Die Hoffnung ist tatsächlich ziemlich groß. Bisher wurde sehr überzeugende Arbeit geleistet. Es hat mich überrascht, wie schnell die Mannschaft den komplett neuen Ansatz von Steffen Baumgart angenommen hat. Das verfolge ich mit großer Freude. Der Weg ist der richtige – aktiver, offensiver Fußball mit sehr viel Mut. 

Im Vergleich zu den letzten Jahren präsentiert sich die Mannschaft wieder mit Leidenschaft, Kampf und Emotionen. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe hierfür? 

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass eine Einzelperson nicht alleine alles verändern kann. Aber in diesem Fall muss ich dennoch eine kleine Ausnahme machen. Ich glaube, dass Baumgart mit seiner Philosophie komplett zum Klub passt. Er kann dem Verein etwas geben, was lange gefehlt hat. Köln ist ein extrem emotionaler Standort und dann kommt ein emotionaler Trainer hinzu und gibt dieser Mannschaft eine komplett neue Denkweise auf den Weg, die passt. Im Prinzip trifft emotionsgeladener Fußball auf ein emotionsgeladenes Umfeld – und wenn das funktioniert, läuft das fast wie von selbst. 

Zumal sich der Kern der Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat. Wer sind Ihrer Meinung nach die Schlüsselspieler der Mannschaft? 

Ellyes Skhiri und Jonas Hector sind für den Verein sicherlich nicht zu ersetzen. Bei der Niederlage in Hoffenheim fehlten beide, das konnte nicht kompensiert werden. Ich sehe es aber auch so, dass viele Spieler, die zuvor schon fast abgeschrieben waren, auf einmal wieder performen. Deswegen fällt es mir generell schwer, einen Schlüsselspieler zu bestimmen. Die ganze Mannschaft hat sich durch die neue Denkweise positiv verändert. Und das hat der Trainer geschafft, er ist in den Köpfen der Spieler angekommen. 

Wie bewerten Sie die Arbeit der sportlichen Leitung auf dem Transfermarkt im Sommer?

Unheimlich gut gefällt mir Dejan Ljubicic, das war sicherlich ein sehr guter Griff. Ich war nicht immer der allergrößte Fan von Horst Heldt, aber das war eine starke Leistung. Ansonsten ist ja nicht all zu viel passiert. Es sind einige Spieler zurückgekommen – für mich ist Louis Schaub da auf jeden Fall eine kleine Überraschung, denn er macht das bisher sehr gut, wenn er eingewechselt wird. Was ich übrigens sehr clever finde, denn er kann mit seinen technischen Fähigkeiten einen müden Gegner ausspielen. 

Wo landet die Mannschaft am Ende der aktuellen Saison? 

Ich tippe, dass der FC zwischen Platz zehn und 14 landen wird, höher wird es wohl nicht gehen. Gegen Hoffenheim hat man gesehen, wie es aussieht, wenn man mal einen Tag nicht abruft, was man kann und sich vornimmt. Mit dem Resultat wäre ich aber auch hochzufrieden, das halte ich für realistisch.

Im Jahr 2009 haben Sie den FC-Stammtisch Talk ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu bewegt, was war Ihre Intention?

Vor zwölf Jahren sah die Berichterstattung natürlich noch ganz anders aus. Fanaktivitäten im Internet gab es damals einfach noch nicht, auch wenn das heute unvorstellbar klingt. Ich will jetzt nicht angeben, aber wir waren schon so ein bisschen der Vorreiter – und das nicht nur in Köln. Ich habe das mal recherchiert, es gab so gut wie keinen Talk aus der Fanszene, der frei im Internet übertragen und von jedem verfolgt werden konnte. Die Intention war, den FC-Fans eine Stimme und eine Plattform zu geben, über die man sich über und mit dem Verein austauschen kann. Wir haben beispielsweise ehemalige Spieler, Offizielle vom Verein oder Journalisten eingeladen, um alle Beteiligten zu vereinen.

1 FC Köln Stammtisch im Brauhaus zum Prinzen mit Ralf Friedrichs, Lukas Podolski und Ulrike Kriegler
Ralf Friedrichs mit Prominenten Gästen: Lukas Podolski und Ulrike Kriegler waren im Talk dabei. © Herbert Bucco/Imago

1. FC Köln: „Bis 2017 war nahezu alles gut“

Blicken wir mal ein wenig zurück: Was lief in den vergangenen Monaten und Jahren gut im Verein, was lief schlecht?

Die Frage beantwortet sich fast von selbst, wenn man die letzten Jahre betrachtet. Bis 2017 war nahezu alles gut, der Verein befand sich im Aufwärtstrend, der in der Europa League gipfelte. Danach wurde es allerdings schwierig. 

Was meinen Sie konkret? 

Man ist mit dem Thema Europa hinterher nicht richtig umgegangen. Und dann folgte ein Fehler auf den anderen. Die Fehlerkette führte schließlich zum Abstieg. Danach ist man nie so richtig in Gang bekommen. Klar ist die Mannschaft direkt wieder aufgestiegen. Dafür wurden aber Unmengen an Geld investiert. Armin Veh hat ohne Zweifel einige gute Entscheidungen getroffen, es ist aber auch einiges falsch gelaufen, einige Personen wurden mit viel zu langen Verträgen ausgestattet. Ein großes Versagen gibt es natürlich auch um die Personalie Florian Wirtz, wo für mich auch Veh die Hauptverantwortung trägt. Mit ihm hätte der Verein verlängern müssen. 

Und wie sieht es aktuell aus?

Momentan befindet sich der Verein in einer Phase, die gar nicht so schlecht ist. Es sind keine hauptamtlichen Entscheidungsträger mehr da, weil Thomas Kessler und Lukas Berg das ja nur kommissarisch machen. Da kommt aktuell schon alleine deshalb Ruhe in den Verein. Darüber hinaus kommt dann auch noch Baumgart an, der in meinen Augen den Verein auf einer kleineren Ebene prägen könnte, wie es ein Jürgen Klopp in Dortmund gemacht hat. Den Vergleich allerdings bitte mit allergrößter Vorsicht genießen. So weit möchte ich bei Baumgart natürlich noch nicht gehen, denn er ist kein Messias – auch wenn wir das in Köln gerne mal aus Trainern machen. Aber die Chance, dass er den Verein in sorgenfreie Regionen führt, ist definitiv gegeben. 

 Wagen Sie doch einmal eine kleine Prognose, auch wenn das natürlich nicht so leicht ist: Wo führt der Weg des Vereins in den nächsten Jahren hin? 

Köln ist die viertgrößte Stadt Deutschlands mit einem der tollsten Stadien des Landes: Im Standort Köln sollte mehr möglich sein als nur der Klassenerhalt. Auf der anderen Seite ist das aber auch gefährlich. Denn immer dann, wenn man das Gefühl hatte, der Verein steht an der Schwelle sich zu verbessern, ist genau das Gegenteil eingetreten. Deswegen bin ich bezüglich der langfristigen Chancen des Vereins noch ein wenig vorsichtig. Wenn man es aber jetzt schafft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, ist einiges möglich. Es ist zudem wichtig, in den entscheidenden Punkten klug zu handeln – die richtigen Spieler zu holen und die richtigen Entscheidungsträger im Verein zu haben. Dann kann sich der FC durchaus in Regionen von Borussia Mönchengladbach oder Eintracht Frankfurt etablieren.

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