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Pulverfass Köln: Jede zweite Woche werden Fliegerbomben gefunden

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Von: Benjamin Stroka

Sprengbomben, Brandbomben, Wasserbomben: In Kölns Boden tauchen beim Bauen immer wieder gefährliche Funde auf, die entschärft werden müssen. Fast jeder 20. Kölner war 2022 von Evakuierungen betroffen.

Köln – Wenn in Köln gebaut wird, dann gehören sie in vielen Fällen immer noch dazu: Bombenentschärfungen. Allein 2022 wurden 30 Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg auf Baustellen oder bei Sondierungen in Köln entdeckt. „Darunter waren 18 Sprengbomben, elf Brandbomben und eine Wasserbombe“, erklärt ein Sprecher der Stadt in einer Bilanz zu den Bombenfunden in Köln im vergangenen Jahr.

Bombenfunde in Köln: Weniger als 2021, aber mehr als 2018

250 KG Fliegerbombe aus dem 2 Weltkrieg.
30 Mal wurde 2022 in Köln eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. 15 Mal kam es zu einer Entschärfung (Symbolbild). © Rene Traut/Imago

Somit wurden 2022 durchschnittlich öfter als alle zwei Wochen Blindgänger in Köln gefunden. Im Vergleich der vergangenen fünf Jahre reiht sich 2022 damit genau im Mittelfeld ein. 2021 waren es 40 Fliegerbomben, 2019 32, 2018 18 und 2020 17. Zu einer Evakuierung kam es glücklicherweise nicht bei allen Bombenfunden. Nur 15 der 30 Blindgänger hatten noch einen intakten Zünder und mussten daher vom Kampfmittelräumdienst entschärft, oder in einem Fall sogar gesprengt werden.

Bombenfunde in Köln: 2022 gab es 15 Bombenentschärfungen

In diesen 15 Fällen kam es vor der Bombenentschärfung dann auch zur Evakuierung. Davon waren fast 40.000 Menschen in Köln betroffen – oder durchschnittlich rund 2600 Einwohner pro Entschärfungseinsatz. Die größte Evakuierung fand am 31. März 2022 in Köln-Bayenthal statt. Nach einem Bombenfund an der Bonner Straße waren damals 7400 Menschen von der Evakuierung betroffen. Der Einsatz dort sorgte stellenweise auch für ein großes Verkehrs-Chaos in der Südstadt.

Viel Aufsehen erregte außerdem ein Bombenfund am 24. Mai 2022 auf dem Betriebshof der KVB an der Scheidtweiler Straße in Braunsfeld. Im Rahmen einer geplanten Sondierung war eine Sprengbombe auf dem KVB-Gelände gefunden worden. Diese hatte einen Langzeitzünder, der von den Experten des Kampfmittelräumdienstes nicht entschärft werden konnte. Der Blindgänger musste daher kontrolliert gesprengt werden.

Bei diesen Bombenfunden in Köln gab es 2022 eine Evakuierung

Bombenfunde in Köln werden auch für 2023 erwartet

Auch 2023 werden voraussichtlich wieder mehrere Bombenfunde in Köln für Ausnahmesituationen in den jeweiligen Stadtteilen sorgen. Denn wie viele Fliegerbomben noch unerkannt im Boden unter der Stadt liegen, lässt sich unmöglich sagen. Es könnten hunderte, tausende oder sogar zehntausende sein. Denn: Köln wurde im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten so stark bombardiert, wie kaum eine andere deutsche Stadt.

Die Domstadt war während der Kriegsjahre insgesamt 262 Mal Ziel von Bombardements. In vielen Fällen flogen mehrere hundert, zum Teil sogar über 1000 Bomber gleichzeitig Angriffe über Köln und warfen tausende Tonnen Fliegerbomben ab. Sicher ist daher nur: „Auch in Zukunft muss die Bevölkerung mit weiteren Funden rechnen, weil zahlreiche geplante Bauflächen zum Schutz der Allgemeinheit überprüft werden“, blickt ein Sprecher der Stadt voraus. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Köln & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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