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Wie viele Bunker es in Köln gibt – und in welchem Zustand sie sind

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Von: Oliver Schmitz

Blick in einen Gang des ehemaligen Bunkers der rheinland-pfälzischen Landesregierung, daneben ein stillgelegter Atombunker unter den Nürnberger Hauptbahnhof.
Bunker sind heute oftmals nur noch Relikte aus anderen Zeiten, hier Einblicke in den ehemaligen Bunker der rheinland-pfälzischen Landesregierung (links) und den stillgelegten Atombunker unter dem Hauptbahnhof Nürnberg. ©  Fredrik Von Erichsen/dpa & imagebroker/Imago

In Köln gibt es auch heute noch Bunker. Können die Schutzanlagen genutzt werden? 24RHEIN hat beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und bei der Stadt nachgefragt.

Köln – Wie gut wäre Deutschland auf den Ernstfall vorbereitet? Ein Thema, das angesichts des Ukraine-Konflikts auch in Nordrhein-Westfalen und Köln einige Menschen umtreibt. Denn auch wenn die reale Gefahr eines Krieges in Deutschland derzeit sehr gering ist, stellen sich viele die Frage nach Schutzmöglichkeiten. Doch wie viele Bunker gibt es in Köln noch, wo stehen sie und wären sie im Notfall nutzbar?

Köln: Wie viele Bunker in der Nähe gibt es noch?

Theoretisch gibt es auch heute noch viele Bunker-Anlagen in Köln – oft sind sie aber gar nicht mehr als solche wiederzuerkennen. Die allermeisten dienen heutzutage als Museum, Veranstaltungsort oder Wohnraum. Die laut der Stadt Köln einzige noch komplett erhaltene Zivilschutzanlage steht im Stadtbezirk Kalk, genauer gesagt direkt an der U-Bahn-Haltestelle Kalk Post (hier halten die Linie 1 und Linie 9 der KVB Kölner Verkehrs-Betriebe). Der Bunker wurde während des Kalten Krieges für den Fall eines Atomkrieges errichtet. Ein Großteil – vor allem der ehemaligen Luftschutzbunker in Köln – entstand aber zur Zeit der Zweiten Weltkrieges.

Atom-Bunker Köln: Vorbereitung für die schlimmsten Szenarien

Der Zivilschutzbunker in Köln Kalk war zu den Zeiten des Kalten Krieges für die schlimmsten Szenarien vorbereitet: Hinter unscheinbaren Türen in der U-Bahn-Station „Kalk Post“ verbergen sich Schutzräume, die im Falle eines atomaren Angriffs oder Attacken mit biologischen oder chemischen Waffen genutzt worden wären. 2400 Menschen sollten unter der Erde zumindest für zwei Wochen ohne Hilfe von außen auskommen können. Mit Luftfiltern, eigener Energie-Versorgung, eigenem Brunnen. Heute ist der Bunker eine Außenstelle des Kölner Festungsmuseums – als Dokumentationsstätte für den Kalten Krieg.

Bunker in Köln: „Eine kurzfristige Inbetriebnahme ist in allen Fällen nicht möglich“.

Jedoch gibt es zumindest offiziell gar keine öffentlichen Schutzräume mehr in Köln. Die „bestehenden öffentlichen Schutzräume“ wurden mittlerweile alle „aus der Zivilschutzbindung entlassen“, sagte eine Stadt-Sprecherin auf 24RHEIN-Anfrage. Die Stadt Köln hat die städtischen Schutzräume bereits in den 1990er Jahren umgewidmet, verkauft oder umgebaut. „Eine kurzfristige Inbetriebnahme ist in allen Fällen nicht möglich“.

Die Stadt verwies aber darauf, dass die Verantwortung in der Sache beim Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) liege: „Laut BKK beschloss der Bund aufgrund einer geänderten Sicherheitslage im Einvernehmen mit den Ländern, die bestehenden öffentlichen Schutzräume im Jahr 2007 aus der Zivilschutzbindung zu entlassen, so auch in Köln“.

Bunker in Köln: Katastrophenschutz sieht Nachholbedarf

24RHEIN hat beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nachgefragt: Wie gut wäre Deutschland, NRW oder auch Köln auf den Notfall vorbereitet? „Aktuelle Geschehnisse zeigen: Bisherige Annahmen haben nur noch beschränkt Gültigkeit“, erklärte eine Sprecherin gegenüber 24RHEIN.

Demnach müsse sich der Bund „nicht nur militärisch, sondern auch im Zivilschutz neu aufstellen“. Deshalb sollten laut Katastrophenschutz die aktuellen Vorkehrungen und Maßnahmen im Zivilschutz in Deutschland überprüft und die BBK oder das Technisches Hilfswerk (THW) „deutlich gestärkt werden.“

Köln: Sind Bunker im Ernstfall noch nutzbar?

Falls es Hart auf Hart kommt, wären die meisten Bunker wohl keine große Hilfe mehr. Denn laut dem BBK haben Bund und Länder bereits 2007 das frühere Schutzraumkonzept aufgeben. Dadurch gebe es derzeit in ganz Deutschland keine funktionstüchtigen öffentlichen Schutzräume mehr. Denn alle noch als Schutzräume existenten Bunker werden vom Bund „praktisch nicht mehr gewartet und somit nicht mehr funktionsfähig gehalten“. Rein theoretisch sind zurzeit aber noch rund 620 öffentliche Schutzräume in ganz Deutschland für den Schutz der Bevölkerung vorgesehen, wie der Katastrophenschutz auf Nachfrage erklärt.

Doch ein echtes Problem dürfte das zeitnah wohl nicht werden. Denn laut mehreren Experten ist die Ausweitung des Ukraine-Kriegs auf Deutschland äußerst unwahrscheinlich, egal ob mit konventionellen oder gar Atom-Waffen. „Ich glaube nicht, dass ein Atomkrieg eine wahrscheinliche Folge dieser Krise ist“, sagte beispielsweise Sipri-Direktor Dan Smith der Deutschen Presse-Agentur nach den Androhungen von Atomwaffen durch Russlands Präsident Putin. Auch der Nuklearwaffenexperte Hans Kristensen sagt: „Das ist verbales Säbelrasseln“.

Was ist das Schutzraumkonzept?

Das sogenannte Schutzraumkonzept regelte in Deutschland die Art und Menge der öffentlichen Schutzräume, wie zum Beispiel Bunker. Da sich nach dem Ende des Kalten Krieges die Sicherheitslage in Deutschland nach und nach gerändert hatte, wurde dieses jedoch im Jahr 2007 beendet. Denn laut dem Bund bieten öffentliche Schutzräume vor aktuellen Gefahren wie Klimawandel, Naturkatastrophen und Terrorismus „keinen hinreichenden Schutz“ mehr.

Bunker in Köln: Diese alten Schutzanlagen gibt es noch – Überblick nach Stadtteilen

Bunker Köln: Welche Alternativen gibt es?

Sollte es doch zu einem Luftangriff in Deutschland kommen, müsste man auch in Köln auf sogenannte „Mehrzweckanlagen“ ausweichen, erklärt die Sprecherin des Katastrophenschutzes. Dazu würde auch der ehemalige Bunker in Kalk oder die U-Bahn am Rudolfplatz dazuzählen, denn aufgrund ihrer unterirdischen Lage sind U-Bahnstationen dafür gut geeignet. Aber auch weitere unterirdische Bauten wie Tiefgaragen oder tief gelegene Bahnhöfe würden laut BBK dafür genutzt. Sie wurden während des Kalten Krieges erbaut und stehen vor allem in den „alten“ Bundesländern wie auch NRW.

Ansonsten gibt es nach Angaben des Katastrophenschutzes in einigen Schulen noch Schutzräume oder auch die ehemaligen Hilfskrankenhäuser. Letztere wurden für besondere Notlagen gebaut und sollen unter anderem vor Kriegs-Angriffen, Naturkatastrophen, Epidemien, Terrorangriffe oder Reaktorunfälle schützen. In Köln selbst gibt es eins zwar nicht, dafür aber beispielsweise in Bonn oder Aldenhoven (Kreis Düren).

Zusätzlich zu den öffentlichen Schutzräumen gibt es laut BBK in Deutschland noch insgesamt rund 9000 private Hausschutzräume. Diese wurden bis 1996 auch vom Staat finanziell gefördert. Jedoch ist unklar, wo sich diese überall befinden. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wurde am4. März inhaltlich aktualisiert: Neuerung: Informationen der Stadt Köln ergänzt.

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