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Klärschlammverbrennungsanlage geplant – doch Bürgern im Kölner Norden „stinkts“

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Von: Nina Büchs

Ein Klärbecken des Hauptklärwerks Mühlhausen bei Stuttgart, aufgenommen am Freitag (03.08.2007) vor der modernen Verbrennungsanlage für Klärschlamm.
In Köln-Merkenich soll 2024 eine Klärschlammverbrennungsanlage gebaut werden. Anwohner wollen das nicht hinnehmen. (Symbolbild aus Stuttgart) © Norbert Försterling/dpa

In Merkenich soll 2028 eine Klärschlammverbrennungsanlage entstehen – die „Initiative Kölner Norden“ will dies verhindern. Das Projekt im Überblick.

Köln – Die Bürger im Kölner Norden haben genug – denn der Stadtteil Merkenich soll 2028 eine Klärschlammverbrennungsanlage bekommen. In der „Initiative Kölner Norden“ haben sich einige von ihnen zusammengeschlossen, um sich gemeinsam gegen die geplante Anlage einzusetzen. Sie befürchten, dass es dadurch zu einer „enormen Geruchsbelastung“ kommen könnte. Zudem wären die Menschen gefährlichen Giftstoffen wie zum Beispiel Schwermetallen ausgesetzt – so ihre Sorge.

Am Samstag, 29. Januar 2022, will die Initiative deshalb durch Köln ziehen und ihrem Unmut gegen das geplante Projekt Luft machen. 24RHEIN zeigt, was es mit der Klärschlammverbrennungsanlage auf sich hat und wie nun weiter geht.

Merkenich (Stadtteil im Kölner Norden)
StadtbezirkChorweiler
Postleitzahl50769
Einwohner5.865
Eingemeindung1. April 1922

Köln: Klärschlammverbrennungsanlage in Merkenich – das ist geplant

Köln: Klärschlammverwertung in Merkenich – neue Arbeitsplätze, ökologische Vorteile ?

Am 6. Mai 2021 hat der Rat der Stadt Köln dem Bau und dem Betrieb der Klärschlammverbrennungsanlage in Merkenich zugestimmt. 2028 soll die Anlage dann in Betrieb gehen, nach einer etwa vierjährigen Bauzeit. Die Stadtentwässerungsbetriebe nannten in diesem Zusammenhang Vorteile wie die Entstehung neuer Arbeitsplätze. Zudem könne die Abwärme der Anlage „ganzjährig im vorhandenen Kölner Fernwärmenetz verwendet werden und darüber ca. 1.700 Haushalte mit Wärme versorgen.“ 

Aktuell wird der Klärschlamm mit Braunkohle in den Kohleveredlungskraftwerken der RWE Power AG in Hürth und Frechen entsorgt, so die Stadtentwässerungsbetriebe Köln. Doch dauerhaft sei die Mitverbrennung der kommunalen Klärschlämme in den rheinischen Kohlekraftwerken nicht möglich.

Was ist Klärschlamm und was enthält er?

Klärschlamm bezeichnet Rückstände, die bei der Abwasserreinigung anfallen. Darunter fallen zum Beispiel menschliche Ausscheidungen. Laut dem Umweltbundesamt enthält Klärschlamm neben wertvollen Nähr- und Humusstoffen jedoch auch gesundheitsgefährdende Chemikalien, Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, Cadizum, Kupfer und Arzneimittelrückstände.

Köln: Bürger wollen Klärschlammverwertung verhindern – Sorge vor Gestank und Gesundheitsgefährdung

Die Bürgerinnen und Bürger, die in Merkenich wohnen, sind vom Bau der Klärschlammverbrennungsanlage alles andere als begeistert. Wie die Initiative Kölner Norden berichtet, soll die Anlage direkt neben einem Naturschutzgebiet, einem Kinderspielplatz und Fußballplatz und nur 150 Meter von einem Mehrfamilienhaus entfernt, errichtet werden. Zudem befindet sich ein dichtes Wohngebiet um das Kraftwerk herum. Ausgerechnet dort sollen laut der Initiative „156.000 Tonnen Klärschlamm aus dem gesamten Rheinland getrocknet und verbrannt werden“.

Das ist die Initiative Kölner Norden

Gegründet wurde die Initiative Kölner Norden im Sommer 2021, die Mitglieder stammen aus dem Stadtbezirk Chorweiler. Ziel der Initiative ist es, die Lebensqualität im Kölner Norden nachhaltig zu verbessern. Ein besonderes Anliegen ist dabei, den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage zu verhindern. Unterstützt wird die Initiative durch zahlreiche Bürgervereine aus dem Stadtbezirk Chorweiler und dem Stadtbezirk Nippes.

Was aber heißt das für die Menschen, die dort wohnen? Nach Angaben der Initiative gäbe es dadurch unter anderem mehr Lärm, mehr Verkehr, und eine erhöhte Geruchsbelastung – denn durch das verdampfende Klärwasser gelangen auch Partikel in die Luft. „In Pirmasens wurde die Klärschlammtrocknungsanlage wegen des üblen Gestanks zeitweise stillgelegt – hier wurde nun der Grenzwert für die Geruchsbelästigung einfach um das Sechsfache angehoben, um die Anlage wieder in Betrieb nehmen zu können“, teilt die Kölner Initiative auf ihrer Website mit.

In puncto Verkehrsbelästigung teilen die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe jedoch mit, dass der Klärschlamm von Köln-Stammheim mittels einer Druckleitung durch einen vorhandenen Düker zur Anlage nach Merkenich transportiert werden könne. Der Klärschlamm aus Bonn könne zudem auch per Schiff nach Köln gelangen – damit ergäbe sich eine „massive Entlastung des Straßenverkehrs“.

Zu der Geruchswahrnehmung heißt es seitens der Stadtentwässerungsbetriebe, dass dies durch den „Einsatz von geeigneter Anlagentechnik zuverlässig vermieden“ werde. Geruchsintensive Abluft solle „im Kessel mitverbrannt und damit neutralisiert werden.“

Köln-Merkenich: Demo gegen Klärschlammverbrennungsanlage am 29. Januar 2022

Die Initiative Kölner Norden will am Samstag, 29. Januar, einen Demozug veranstalten und gegen die geplante Anlage demonstrieren. Der Demonstrationszug sei vom Nippeser Tälchen aus über die Neusser Straße in Richtung Ebertplatz in der Kölner Innenstadt geplant, heißt es. Veranstalter des Demozugs ist die Initiative Kölner Norden, unterstützt wird sie durch die Bürgervereine des Kölner Nordens. Die Details im Überblick:

Köln: CDU lehnt Verbrennungsanlage ab – Bürgern sind weitere Belastungen „nicht zuzumuten“

Im April 2021 machte sich übrigens auch die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler gegen den Bau der Klärschlammanlage stark. „Insbesondere der Stadtteil Merkenich, aber auch ein Großteil des Stadtbezirks Chorweiler ist von Anlagen der Großchemie umfasst. Hinzu kommen drei sich unmittelbar in der Nachbarschaft befindende, im Dauerbetrieb laufende Müllverbrennungsanlagen“, hieß es in einem Antrag an die Bezirksvertretung. Hinzukomme eine mangelhaft vorhandene Verkehrsplanung. Den Bürgern in Merkenich sei es schlichtweg „nicht zuzumuten, weitere Belastungen auf sich zu nehmen“.

Köln: Klärschlammverbrennungsanlage soll 2028 in Merkenich in Betrieb gehen – so geht es weiter

Die Stadtentwässerungsbetriebe haben zum Bau der Anlage einen aktuellen Stand auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Demnach sollen im Frühjahr 2022 direkte Bürgerdialoge vor Ort stattfinden, Mitte 2023 soll das Genehmigungsverfahren starten. Die Bauarbeiten der Klärschlammverbrennungsanlage sollen dann Ende 2024 beginnen. Mit der Fertigstellung der Anlage ist 2028 zu rechnen. (nb mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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