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Impfarzt Jürgen Zastrow: „Impfstoff ist nicht knapp, die Nachfrage danach ist eingeschlafen“

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Von: Michael Hirz

Dr. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der Kreisstelle Köln der kassenärztlichen Vereinigung
Dr. Jürgen Zastrow © Horst Galuschka/Imago

Dr. Jürgen Zastrow, Impfarzt in Köln, ist davon überzeugt, dass nur ein kleiner Teil der Ungeimpften generell die Immunisierung gegen das Coronavirus ablehnt – und fordert daher massive Kampagnen und Anreize.

Köln – Natürlich darf auch Politik sich irren, schließlich ist Irren menschlich und Politiker sind – auch wenn Querdenker und andere Sonderlinge ihnen das absprechen mögen – eben auch nur Menschen. Doch interessant ist das Urteil von Jürgen Zastrow zur Corona-Situation, die er in einem Punkt komplett anders sieht als die Politik: „Wir haben definitiv kein Angebots-Problem. Wir haben ein Nachfrage-Problem. Nicht der Impfstoff ist knapp, sondern die Nachfrage danach ist eingeschlafen.“ Nun ist Jürgen Zastrow nicht irgendwer. Der promovierte HNO-Facharzt war Chef des Impfzentrums in Köln. Er hat also nicht den abstrakten Blick aus den luftigen Höhen der politischen Kommandozentralen, sondern den eines Arztes, der vor Ort und sehr konkret mit der Seuche ringt.

Corona: Nur einem kleinen Teil der Ungeimpften ist „ohnehin nicht zu helfen“

Im Gespräch macht er deutlich, dass die Impfangebote hoch sind. Man solle, so Jürgen Zastrow, also nicht zu viel Energie in eine Verbesserung der Angebote investieren, sondern man müsse dringend die Nachfrage stimulieren. Noch sei ein knappes Viertel der Bevölkerung nicht geimpft – deutlich zu viel, um die Pandemie wirkungsvoll einzubremsen. Dabei handele es sich bei den Ungeimpften nur zum kleineren Teil, nach seiner Schätzung etwa fünf Prozent, um hartleibige Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker und strenggläubige Homöopathie-Apostel. Denen sei ohnehin nicht zu helfen.

Dr. med Jürgen Zastrow

Jürgen Zastrow ist HNO-Facharzt mit Praxis im Stadtteil Riehl. In Köln steht er als Kreisvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein vor und war Leitender Impfarzt im Impfzentrum in den Messehallen.

Corona: Impf-Bereitschaft – „Brauchen massive Kampagnen und Anreize“

Entsprechend fordert er massive Kampagnen und Anreize, um die Bereitschaft zu stimulieren, sich selbst und andere zu schützen. Nicht ohne einen gewissen Stolz verweist er darauf, dass allein in den Kölner Arztpraxen in der vergangenen Woche 65.000 Personen gegen Corona geimpft worden seien, also fast 10.000 pro Tag: „Damit sind wir eigentlich ganz zufrieden.“ Mit der Anmietung von zusätzlichen Räumen für das Gesundheitsamt am Neumarkt, der Öffnung für impfwillige Fußgänger und Radfahrer an der Lanxess-Arena und den mobilen Impfteams forciert jetzt auch die Stadt das Tempo bei der Seuchenbekämpfung. Rund 6.000 Impfungen pro Tag lautet das ambitionierte Ziel der Stadt-Spitze. Das klingt nach Energie. (mh/IDZRW) 24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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