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2G+: „Schnauze gestrichen voll“ – Kölner Gastro-Verband platzt der Kragen

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Von: Oliver Schmitz

Ein Schild am Eingang einer Kneipe weist auf die „2G plus -Regel“ hin.
In der Gastronomie in Köln und NRW müssen Geimpfte und Genesene bald auch ein negatives Testergebnis vorzeigen. © Oliver Berg/dpa

Auf die Gastronomie kommt mit 2G+ erneut eine Corona-Verschärfung zu. Das macht die IG Gastro in Köln mächtig sauer. Sie übt scharfe, aber auch verzweifelte Kritik.

Köln – Das Coronavirus macht den Menschen in Nordrhein-Westfalen und Köln weiter das Leben schwer. Angesichts der neuen Omikron-Variante wurden auf der letzten Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) neue Corona-Verschärfungen beschlossen. Davon ist in allererster Linie die Gastronomie betroffen. Für diese soll zeitnah die „2G+“-Regel gelten. Somit erhalten dann in Cafés, Bars und Restaurants nur noch Geimpfte und Genesene Zugang, die zusätzlich negativ getestet wurden oder geboostert sind.

Diese neue Gastronomie-Maßnahme in Köln sorgt aber nicht überall für positive Reaktionen – ganz im Gegenteil. In der größten Stadt NRWs sind die Gastronomen wütend. Der lokale Verband „IG Kölner Gastro“ hat nun seinem Ärger über 2G+ deutlich Luft gemacht. Sowohl die Politik generell als auch Karl Lauterbach konkret bekommen ordentlich ihr Fett weg. Bei der Kritik wird nicht nur die verzweifelte Lage der Gastronomie deutlich, sondern sie wirft auch einige Fragen auf.

2G+ für Gastronomie in NRW: Kölner Verband mit Brand-Rede an Politik – „weiterer Sargnagel“

Die neue 2G+-Regel für die Gastronomie hat für die IG Gastro in Köln wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. „Es ist dann jetzt einfach mal der Punkt erreicht [...] an dem wir die Schnauze gestrichen voll haben“, beginnt der Gastro-Verband seinen Facebook-Post anlässlich der neuen Corona-Verschärfung. Ziele der Kritik sind die politischen Entscheidungsträger im Bund, Land und auch in der Domstadt.

Nun käme man bereits ins dritte Jahr „voller Entbehrungen, Verzweiflung und Einschränkungen, ohne dass irgendetwas vernünftig geregelt wäre in dieser Stadt und in diesem Land“. Für die Gastronomie sei die 2G+-Maßnahme „ein weiterer Sargnagel in unserem wirtschaftlichen Überlebenskampf.“

Corona-Kritik von Gastro-Verband aus Köln: Karl Lauterbach benutzt „respektlose Polemik“

Vor allem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht der lokale Verband anschließend hart an. Mit einer Formulierung wie „Problembereich“ würde ein deutlich falsches Bild über die Corona-Gefahr der Gastronomie vermitteln. Deshalb bezeichnet man dies sogar als „respektlose Polemik“. Laut den Kölner Gastronomen würde sich Lauterbach auf „irgendwelche Zahlen berufen, die es aber unseres Wissens überhaupt nicht gibt“. Deshalb entsteht für sie der Eindruck, dass es aktuell gar keine belegbare Datenlage gibt.

Die IG Kölner Gastro hat sich im Zuge dessen selbst auf die Recherche begeben und dabei wird schnell klar: Die vom RKI veröffentlichten Zahlen geben ein ganz anderes Bild ab. Demnach konnten in den letzten beiden Wochen des Jahres 2021 nur 200 Corona-Neuinfektionen auf die Gastronomie zurückgeführt werden. Im Durchschnitt also 14 pro Tag. Angesichts von bis zu 50.000 Neuinfektionen pro Tag in ganz Deutschland, zeigt die IG Kölner Gastro für die aktuelle Maßnahme absolut kein Verständnis: „Wir sind alles, aber sehr sicher kein Problembereich“

2G+ für Gastronomie in NRW: Kölner Gastro-Verband mit scharfer Kritik

Doch nach dem Rechenbeispiel und der deutlichen Kritik an Lauterbach ist die IG Kölner Gastro mit ihrer Wut noch nicht am Ende. Es folgen mehrere Aufzählungen von Aufgaben und Problemen, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind. So seien Gastronomen nun unter anderem „Ordnungsbehörde“ oder „Sündenböcke“. Die soll klar aufzeigen, welche Bürden die Gastronomie bereits zu tragen hat. Man übt auch indirekte Kritik an anderen Lebens-Bereichen: „Hätte jeder Bereich so verantwortlich gehandelt wie die Gastronomie in Köln und in Deutschland, dann wären wir mit dieser Pandemie-Scheisse schon mindestens 5 Schritte weiter.“

Und bei all den Sorgen und Nöten wurde den Gastronomen offenbar das letzte Notmittel genommen. „Uns ist von der neuen Bundesregierung auch die Grundlage genommen worden, unsere Betriebe freiwillig zu schließen, wenn keine oder zu wenige Gäste kommen“, erklärte der Kölner Verband. Denn mit dem Jahreswechsel bekäme man die Corona-bezogenen Kosten nur noch teilweise erstattet. Somit würden die Inhaber von Cafés, Bars und Restaurants auf ihren Kosten sitzen blieben, wenn man mangels Gästen schließen müsste. „Wie asozial ist das?“, schreibt die IG Kölner Gastro mehr als sauer.

Damit sei nun ein Punkt erreicht, „wo es so nicht weitergehen darf“. Deshalb appellieren die Gastronomen zum Abschluss sowohl an die Bundes- als auch NRW-Landesregierung. Die Brand-Rede endet mit „verbitterte“ Grüßen und zeigt deutlich, dass die Politik in der Gastronomie wohl zunehmend an Rückhalt verliert. (os) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Unabhängig informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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