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Corona in Köln: „Skandal“ – viele Impfdosen aus Arztpraxen sollen im Müll landen

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Von: Nina Büchs

Eine Person mit Einmalhandschuhen hält mehrere aufgezogene Spritzen in den Händen.
Zehntausend Impfdosen könnten in Köln bald verfallen (Symbolbild). © Marta Fernández Jara/dpa

Weil viele Impftermine in den Kölner Praxen nicht mehr wahrgenommen werden, bleiben zahlreiche Impfdosen übrig – und müssen weggeschmissen werden.

Köln – Arztpraxen in Köln stehen derzeit vor einem großen Problem: Es bleibt zu viel Impfstoff übrig. Während die Praxen den Impfstoff vorab bestellen müssen, erscheinen immer mehr Menschen einfach nicht zu ihrem Impftermin. „In meiner Praxis werden mindestens ein Drittel der Zweitimpftermine nicht wahrgenommen“, erzählt Nora Bertenburg, Impfärztin in Köln, gegenüber 24RHEIN. Doch damit nicht genug: Denn der übrig gebliebene Impfstoff droht nun zu verfallen. Ein Erlass des Bundes regelt, dass die übrigen Impfdosen aus den Arztpraxen nicht einfach an die Stadt zurückgegeben werden können.

Coronavirus in Köln: Impfdosen drohen zu verfallen – Erlass schränkt Rückgabe an Stadt ein

Während Impfstoff in anderen Ländern noch dringend benötigt wird, könnten die übrigen Impfdosen in den Kölner Arztpraxen nun einfach verfallen. Denn das Impfzentrum Köln darf nur den Impfstoff annehmen und verimpfen, der entweder direkt durch das Ministerium mittels eines qualitätsgesicherten Transport angeliefert oder für betriebsärztliche Impfungen direkt an das Impfzentrum geliefert wird. Aber auch Apotheken können Impfstoff an die Stadt zurückgeben – nur eben Arztpraxen nicht.

Denn dort kann die vorgeschriebene Kühlkette nicht ordnungsgemäß eingehalten werden, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf die Stadt Köln. Zudem sei nicht geklärt, wer die Haftung für die Unversehrtheit der Impfstoffe in den Arztpraxen übernimmt. Denn wird die Kühlung unterbrochen, könnten die Impfstoffe ihre Wirkung verlieren. Wie Impfärztin Nora Bertenburg erzählt, haben manche Praxen zum Beispiel kein Alarmsystem im Kühlschrank. Sollte es zum Beispiel zu einem Stromausfall kommen, wird die Praxis dann nicht per Alarm informiert, dass die Kühlkette unterbrochen wird.

Allgemeinverfügung: Annahme von Astrazeneca ist nicht möglich

Das Gesundheitsministerium bestätigte gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger, dass Astrazeneca-Impfdosen nicht angenommen werden können, da diese „momentan kaum in den Impfzentren zur Anwendung“ kommen. Die Abgabe anderer Impfstoffe sei jedoch theoretisch möglich. Die Entscheidung liege bei den Kommunen abzuwägen, „inwiefern sichergestellt werden kann, dass der ihnen angebotene Impfstoff die erforderlichen qualitativen Voraussetzungen erfüllt“, so eine Sprecherin des Ministeriums. Dies sei in einer Allgemeinverfügung des Bundes vom 14. Juli geregelt. Der Stadt Köln sei jedoch untersagt worden, übrige Spritzen aus den Praxen zurückzunehmen und zu verimpfen.

Köln: Arztpraxen können Impfstoffe nicht zurückgeben, da Kühlkette oft nicht eingehalten werden kann

Dass der Impfstoff von den Arztpraxen nicht abgegeben werden kann und damit einfach verfallen könnte, hält Impfärztin Nora Bertenburg jedoch für einen „Skandal“. „Man könnte ja überlegen, den Impfstoff anderen Ländern zur Verfügung zu stellen oder Impftourismus zuzulassen, um wertvollen Impfstoff nicht einfach wegschmeißen zu müssen“, so Bertenburg. Insbesondere Astrazeneca-Impfdosen blieben laut ihr häufig übrig, auch bei Erstimpfungen.

Ein Grund sei, dass sich inzwischen eine gewisse „Impf-Müdigkeit“ eingestellt habe. Und dass, obwohl die Delta-Variante sich auch in Köln weiter ausbreitet. Doch hinzu komme auch, dass viele Menschen inzwischen woanders schon früher eine Impfung bekommen hätten, da es nun deutlich mehr Angebote gebe und man auch im Impfzentrum einfach ohne Termin vorbeikommen könne. Zudem erhalten Impfwillige dort bei der Impfung vielleicht auch einen anderen Impfstoff als Astrazeneca, der als eher unbeliebt gilt.

Coronavirus: Kölner Ärzte steigen aus Impfkampagne aus – Bestellung nicht kalkulierbar

„Inzwischen steigen nun viele meiner Kollegen aus der Impfkampagne aus“, erzählt Bertenburg gegenüber 24RHEIN. Denn es sei nicht mehr kalkulierbar, wie viel Impfstoff tatsächlich benötigt wird. Statt auf Impfdosen sitzen zu bleiben, wird dann also einfach gar nicht mehr geimpft. Und die übrigen Impfdosen landen einfach im Müll. (nb)

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