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Kölner Gastro am Boden – doch eine Entwicklung macht Hoffnung

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Von: Stefanie Knupp

Stühle und Tische stehen auf dem Heumarkt
Wann hier wieder jemand Platz nehmen wird? Kölns Gastronomen kämpfen gegen die Corona-Krise. (Symbolbild) © Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa

Eine komplette Branche leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie – auch Köln trifft die Krise hart, doch die Stimmung ist kämpferisch.

Köln – Über 1240 Restaurants, 120 Bars, 770 Kneipen, 660 Imbissbuden – diese gastronomische Vielfalt steht den Kölnern und Köln-Besuchern zur Auswahl. Viele von ihnen könnte es bald nicht mehr geben. Hotels und Gaststätten in Nordrhein-Westfalen haben allein im November 2020 durch die angeordneten Schließungen laut Statistischem Landesamt fast zwei Drittel ihres Umsatzes verloren.

„Wir gehen davon aus, dass in NRW ein Drittel der gastgewerblichen Betriebe verteilt über die ganze Branche die Corona-Pandemie nicht überleben werden”, lautet die bittere Prognose des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nordrhein. Martin Schlüter, Vorstandsmitglied und Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Kölner Gastro geht von einem Viertel der Kölner Gastronomiebetriebe aus.

Coronavirus in Köln: Viele Gastronomen warten noch immer auf die versprochenen Novemberhilfen

Wie schlimm steht es wirklich um die Kölner Gastronomie? Wie ist die Stimmung in Köln? Zumindest die Auszahlung der schon im Oktober angekündigten Novemberhilfen für Gastwirte soll mittlerweile laufen. Das Land NRW gab auf seinem Twitter-Kanal (22. Januar) bekannt, dass jetzt Tempo gemacht werde. Es gebe Fortschritte bei der Auszahlung der Restbeträge. Aber ob das reicht?

Die IG Kölner Gastro hatte sich Anfang Januar in einem Brandbrief in den sozialen Medien an die Politik gewandt. “Nur 10 Prozent unserer Mitglieder haben, laut einer Befragung vom 2. Januar, bereits eine überlebensfähige Abschlagszahlung vom Staat bekommen. Die Beantragung des Kurzarbeitergeldes dauert Monate. Heute war die dritte Miete fällig, ohne jeden Cent Umsatz”, hieß es dort.

Coronavirus in Köln: Einige Restaurants mussten bereits schließen

Mittlerweile scheint in die Auszahlung der staatlichen Hilfen tatsächlich Bewegung gekommen zu sein. Martin Schlüter berichtet auf Anfrage von 24RHEIN, seinerzeit hätten einige Betriebe sofort Geld gesehen, andere hätten dringend auf die finanzielle Hilfe gewartet. Der Dehoga Nordrhein berichtete am Montag (1. Februar) auf seiner Homepage, dass auch die Dezemberhilfen jetzt ausgezahlt werden könnten. Das Bundeswirtschaftsministerium habe die technischen Voraussetzungen geschaffen. Damit könnten die Länder mit der Auszahlung starten.

Die häufigsten Anliegen, mit denen Gastronomen sich an die IG Gastro wenden, seien schon im ersten Lockdown vor allem Fragen zu den staatlichen Hilfen gewesen, erklärt Martin Schlüter. Im Sommer waren die Fragen praktischer Natur, hier ging es vor allem um die Außengastronomie.

IG Kölner Gastro

Der Verein gründete sich Anfang 2020 mit dem Ziel, ein gemeinsames Sprachrohr der Kölner Gastronomen zu werden und ein gutes Verhältnis zu den zuständigen Behörden der Stadt Köln auf Augenhöhe zu organisieren. Dann kam Corona. Der Verein fungierte sodann als Ansprechpartner in theoretischen wie praktischen Fragen. Die IG Kölner Gastro hat aktuell etwa 230 Mitglieder.

In Köln haben bereits Gastronomen aufgeben müssen. Darunter etwa kürzlich das „Zippiri“ im Agnesviertel, das „Café Midsommar“ in Sülz, schon im September 2020 das „Délibon“. Die Steakhaus-Kette Maredo musste fast alle Mitarbeiter entlassen. Die beiden Maredo-Filialen in Köln werden nicht mehr öffnen. Die Krise betrifft große und kleine Betriebe gleichermaßen.

Köln: Gastronomen lassen sich nicht unterkriegen und kämpfen

So düster die Prognosen auch aussehen, Kölns Gastronomen lassen sich nicht unterkriegen. Diesen Eindruck hat Martin Schlüter, der sich als “totalen Optimisten” bezeichnet und mit dem „Reissdorf am Hahnentor“ selbst eine Gastronomie in Köln betreibt. Dennoch ist er überrascht, wie gut die Stimmung noch ist”. Die Gesamtlage der Kölner Gastronomen empfindet er als „kämpferisch”. Seine Kollegen ließen sich immer wieder neue Aktionen einfallen, auch in der Hoffnung, dass nach der Krise eine “Konsumwelle” eintritt. Davon geht Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Dehoga Nordrhein, aus: „Wir sind uns sicher, dass das Fehlen des gastronomischen Angebots zeigt, wie wichtig und lebensrelevant die Gastronomie ist. Die Lust auszugehen wird groß sein, sobald die Läden wieder geöffnet haben.“ Die Schließung der Gastronomie und Ausfall von Veranstaltungen bekommen auch die Brauereien zu spüren. Die Deutschen haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Bier getrunken.

Bis es soweit ist und die Kölner die Restaurants, Bars und Kneipen wieder mit Leben füllen, halten sich viele Gastronomen mit Abhol- und Lieferservices über Wasser. „Relativ viele Restaurants bieten einen Abhol- oder Lieferservice an. Für manche rechnet sich das tatsächlich. Anderen bleibt eine mehr oder wenige schwarze Null. Sie machen es trotzdem, um Präsenz zu zeigen und bei ihren Gästen zu sein. Für wieder andere rechnet sich dieser Service nicht – wegen der angebotenen Speisen oder der Gäste“, erklärt Dehoga-Sprecher Hellwig. Im ersten Lockdown hätten viele Gastronomen gemerkt, wie gut der Service funktioniert, berichtet Schlüter aus der Kölner Gastro-Branche. Ihn hätten viele positive Rückmeldungen erreicht.

Gastronomie in Köln: Haben die Lieferdienste auch nach Corona eine Zukunft?

Das Erfolgsmodell Abhol- und Lieferservice könnte also auch nach der Corona-Krise noch Bestand haben. „Das könnte ich mir vorstellen“, sagte Schlüter. Die Kunden hätten schließlich jetzt gemerkt, dass gute Qualität zu ihnen nach Hause kommt. Auch Hellwig sagt: „Wir glauben, dass das Thema Lieferservice auch nach der Pandemie eine größere Rolle spielen wird und eine Ergänzung zum normalen Angebot werden kann.“ (sk)

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