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Köln: Ärztin bedroht, weil der Impfstoff nicht passte

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Von: Johanna Werning

Eine Mitarbeiterin im Gesundheitswesen zieht eine Spritze auf.

Corona-Impfstoff ist auch in Köln knapp. (Symbolbild) © Ole Spata/dpa

Täglich steigt die Zahl der Geimpften. Doch Corona-Impfstoff ist weiterhin Mangelware. Darum sind auch die Termine rar. Das wirkt sich auf das Miteinander aus.

Köln – Über fünf Millionen Impfungen im Geschäftsgebiet der Kassenärztlichen Vereinigung wurden bereits durchgeführt. Das macht Hoffnung für Kölnerinnen und Kölner. Dennoch beklagen viele, dass sie trotz Impfberechtigung keinen Termin in Köln buchen können. Das hat jedoch einen Grund: „Wir können nur so viel impfen, wie an Impfstoff da ist“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Bundespressekonferenz am 21. Mai. Der Impfstoff ist weiterhin knapp – auch in der Domstadt. Das ändere sich auch nicht nach der Freigabe der Impfstoffe am 7. Juni.

Corona-Impfung in Köln: Wenig Impfstoff – rauer Ton

Impfzentren und impfende Arztpraxen sind schon jetzt am Limit ihrer Kapazität. In der Kalenderwoche 21 wurden laut Bundesgesundheitsministerium 535.200 Impfdosen von Biontech, Moderna und Astrazeneca an Impfzentren und Praxen in NRW ausgeliefert. Zu wenig, um alle Impfberechtigen impfen zu können.

Das ist auch in Köln spürbar. Die Impftermine sind rar. Viele Impfberechtigte, die keinen Termin bekommen, lassen ihren Ärger am medizinischen Personal aus. Teilweise herrsche eine „extrem aggressive Stimmung“, so der Hausärzteverband Nordrhein. Bundesgesundheitsminister Spahn appelliert an die Impfberechtigten, sich weiterhin in Geduld zu üben und Verständnis entgegenzubringen. „Nicht jeder kann sofort geimpft werden.“ Den Zorn über fehlende Impfkapazitäten solle man nicht an den Impfzentren oder den Praxen auslassen.

Corona-Impfung: 5292 Arztpraxen im Einsatz – täglich werden es mehr

Dass die Termine begrenzt sind, stellt die impfenden Arztpraxen vor großen Herausforderungen. Aktuell impfen 5292 Praxen im Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). Rund 60 Prozent der Corona-Impfungen führen derzeit Arztpraxen durch, erklärt ein Sprecher der KVNO auf Nachfrage von 24RHEIN. Die Telefone laufen heiß.

Täglich melden sich immer mehr Arztpraxen im KVNO-Geschäftsbereich, um Menschen gegen das Coronavirus zu impfen. „Bei uns steigen die Zahlen“. Dabei laufe der normale Alltag in den Praxen natürlich weiter. „Impfärztinnen und Impfärzte impfen nicht nur. Das findet häufig zusätzlich statt.“ Mittwochnachmittags oder an freien Tagen, so der Sprecher der KVNO weiter. Das sei eine enorme Belastung. Zusätzlich „herrsche teilweise ein erschreckender Ton.“

Corona in Köln: Impfärztin bedroht – nur weil der Impfstoff nicht passte

Dass nicht alle Impfungen friedlich ablaufen, bestätigt auch die Kölner Impfärztin Nora Bertenburg im Gespräch mit 24RHEIN. Die Medizinerin impft im Impfzentrum, bei mobilen Impfaktionen und in der Praxis. Hier macht sich der Impfstoffmangel ebenfalls bemerkbar. „Es gibt immer und überall Impfstoffmangel.“

Die Medizinerin erlebe teilweise schlimme Anfeindungen – gerade wenn Impfberechtigte nicht den Impfstoff bekommen haben, den sie wollten. Mehrfach sei sie bereits beschimpft und beleidigt worden. Besonders eine Situation ist der Ärztin noch präsent. Eine Impfberechtigte, die selbst im medizinischen Bereich tätig gewesen sei, habe dabei besonders schockierend reagiert. „Sie hat gesagt, dass ich doch mal bei ihr in der Notaufnahme landen solle, wenn sie Dienst habe.“

Impfungen gegen Corona in Köln: „Viele waren glücklich und dankbar“

Dabei entscheidet nicht etwa die Impfärztin oder der Impfarzt über den Impfstoff. Welches Vakzin verimpft wird, hängt vom Erlass ab und kann nur im Einzelfall nach festgelegten Regelungen geändert werden. Dennoch fühlte sich die Impfberechtigte benachteiligt und zeigte wenig Verständnis.

Dennoch seien solche Vorfälle eher die Ausnahme. Generell sei es so, „dass die Menschen Angst haben, vor Covid sowie vor Nebenwirkungen, und deshalb so reagieren, nicht etwa aus Bosheit“ erklärt die Ärztin weiter. Der größte Anteil an Impfungen verlaufe jedoch grundsätzlich friedlich. „Viele waren einfach sehr, sehr glücklich und dankbar. Das macht vieles wieder wett“, erzählt die Impfärztin aus Köln weiter.

Wie es nach der Freigabe der Impfstoffe weitergehe, sei aktuell noch nicht absehbar. Viele verschiedene Aspekte spielen eine Rolle. Einerseits wird das Impfen einfacher, anderseits schwieriger. „Nur, weil die Priorisierung wegfällt, heißt das nicht, dass jeder sofort geimpft werden kann“, erklärt Bertenburg.

Corona in Köln: Endpriorisierung ändere nicht an dem Kontingent an Impfdosen

Das bestätigt auch die KVNO. „Es ist einfach nicht möglich jeden sofort zu impfen. Dafür ist zu wenig Impfstoff vorhanden“, so ein Sprecher auf Nachfrage von 24RHEIN. „Man muss sich weiterhin gedulden, auch nach Ende der Priorisierung.“ Eine Endpriorisierung ändere nichts an dem Kontingent an Impfdosen. Darum appelliert die KVNO genau wie Jens Spahn, gegenüber den Impfärztinnen und Impfärzten Verständnis aufzubringen. (jw)

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