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Die Corona-Lage in Köln: Inzidenz erstmals unter 400 – woran liegt es?

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Von: Johanna Werning

Zuschauer mit und ohne Masken verfolgen das FC-Spiel auf der Tribüne.
Die Inzidenz in Köln steigt seit Wochen stark an. (Symbolbild) © Marius Becker/dpa

In Köln ist die Corona-Inzidenz weiterhin hoch. Welche Faktoren haben der 11.11. oder das volle RheinEnergie-Stadion Auswirkungen darauf?

Köln – Ganz Deutschland schaut auf die Inzidenz in Köln. Erst der umstrittene Sessionsauftakt am 11.11. und nun ein volles RheinEnergie-Stadion zum Derbyspiel gegen Borussia Mönchengladbach – trotz Coronavirus. 50.000 Fans kamen am Samstag (27. November) beim Spiel des 1. FC Köln zusammen. Für viele ein echter Aufreger, immerhin ist die Corona-Lage in Köln angespannt wie nie.

Aktuell liegt die Inzidenz am Mittwoch, 8. Dezember, bei 391,1  (Quelle: RKI). Damit ist die Inzidenz zuletzt gesunken – höher als der landesweite Durchschnitt (am Mittwoch bei 290,2) ist der Wert dennoch. Aber woran liegt die hohe Inzidenz in Köln? Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Infektionsgeschehen, dem Kölner Karneval und dem vollen RheinEnergie-Stadion?

Corona Köln: Hohe Inzidenz, dennoch FC-Spiel mit 50.000 Fans

Allein beim Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach kamen am Samstag 50.000 Fans im Stadion zusammen. Der FC stellte vorab einen Antrag dafür, der auch genehmigt wurde. Dicht an dicht jubelten die Fans ihren Teams am Samstagnachmittag im RheinEnergie-Stadion zu – trotz Pandemie. Für viele Virologinnen und Virologen unverständlich. Sie fordern sogenannte Geisterspiele. In Baden-Württemberg oder Sachsen steht die Maßnahme bereits fest, doch in Köln und anderen Städten in NRW sind Zuschauer weiterhin erlaubt.

Auch Gesundheitsexperte und SPD-Politiker Karl Lauterbach fordert strengere Regeln und weniger soziale Kontakte. Die „Lage kann so nicht bleiben“, schrieb Lauterbach auf Twitter. Der Höhepunkt der vierten Welle werde noch vor Mitte Dezember erreicht, so der Politiker, der sich auf Modelle bezieht. „Bis dahin wären die Krankenhäuser massiv überlastet, viele Menschen tot.“ Um dagegen zu wirken, müssten weitere Verschärfungen her. „Daher sollten Clubs, Bars, Diskos, etc. ganz schließen.“ Und auch Fußballstadien wie das RheinEnergie-Stadion in Müngersdorf (Stadtbezirk Köln-Lindenthal) wären davon offenbar nicht ausgeschlossen.

Corona Köln: Sind volle Fußballstadien gefährlich?

Aber warum wird der Ruf nach den Geisterspielen immer lauter? Immerhin gelten bereits besondere Corona-Regeln – auch im RheinEnergie-Stadion gilt eine 2G-Regel. Doch vielen geht das nicht weit genug. Auch Virologe Dr. Martin Stürmer warnte beim ZDF-Sportstudio vor möglichen Ansteckungen trotz geimpft-genesen-Konzept. Er spricht sich Mitte November für eine 2G+-Regel, Zuschauerbegrenzungen und eine grundsätzliche Maskenpflicht beim Fußballspiel aus. „Wir wissen aus der Vergangenheit, dass 2G nicht immer sicher ist“, so der Virologe. „Die Menschen sind sehr eng beieinander – sie jubel, sie schreien, da ist schon viel Kontakt und Möglichkeit, sich anzustecken.“

Besonders kritisch: Erst Tage beziehungsweise Wochen nach einem Spiel zeigt sich, welche Folgen volle Fußballstadien haben könnten. Denn wer infiziert beim Spiel aufgetaucht ist und mögliche weitere Personen angesteckt hat, taucht unter Umständen noch gar nicht in den Corona-Zahlen auf.

Die gemeldeten Coronafälle werden beim Inzidenzwert nämlich nicht nur jeweils auf 100.000 Einwohnende berechnet. Der Inzidenzwert ergibt sich auch aus den letzten sieben Tagen. Die Inzidenz am Montag, 29. November, bezieht sich also auf die gemeldeten Coronazahlen vom 22. November bis zum 29. November. Und auch in der Hospitalisierungsrate tauchen die womöglich infizierten Fußballfans erst in zwei bis drei Wochen auf.

Corona Köln: Was beeinflusst das Infektionsgeschehen?

Zu behaupten, dass allein ein volles RheinEnergie-Stadion das Infektionsgeschehen in Köln beeinflusst, ist trotzdem falsch. Grundsätzlich gilt: Man muss die Corona-Zahlen in Relation sehen. Bestes Beispiel dafür ist die Karnevalssession. Bereits am 11.11. lag die Inzidenz bei 212,5 (Stand: 11. November, Quelle: RKI). In der Woche vor dem Kölner Karneval ist der Wert um 70 Punkte angestiegen.

Auch die Stadt Köln teilt mit, dass der Sessionsauftakt das Infektionsgeschehen nicht beeinflusst hat: „Wir konnten keinen sprunghaften und statistisch signifikanten Anstieg der Inzidenz in den Tagen und Wochen seit dem 11.11. feststellen, sondern eher eine gleichmäßige Fortsetzung des schon zuvor vorhandenen kontinuierlichen Anstiegs“, sagt Dr. Harald Rau, Beigeordneter für Gesundheit, Soziales und Wohnen der Stadt Köln.

Dennoch sei gerade jetzt weitere Vorsicht geboten – auch im Fußballstadion: „Jedes noch so gute Sicherheitskonzept wird uns keine absolute Sicherheit bringen“, erklärt Oberbürgermeisterin Henriette Reker in Bezug auf den 11.11. Darum ist es durchaus möglich, dass auch der 1. FC Köln schon bald ohne Zuschauer spielen muss.

Corona in Köln: Die Entwicklung der Inzidenz im Überblick

Corona-Lage in Köln
Mittwoch, 8. Dezember391,1
Dienstag, 7. Dezember403,6
Montag, 6. Dezember415,2
Sonntag, 5. Dezember435,1
Samstag, 4. Dezember459,0
Freitag, 3. Dezember454,1
Donnerstag, 2. Dezember433,0
Mittwoch, 1. Dezember397,7
Dienstag, 30. November:355,2
Montag, 29. November:313,3
Samstag, 27. November:293,8
Freitag, 26. November:295,1
Donnerstag, 25, November:288,0
Mittwoch, 24. November:289,4
Dienstag, 23. November:331,3
Montag, 22. November:300,9
Sonntag, 21. November:278,9
Samstag, 20. November:277,7
Freitag, 19. November:265,2
Donnerstag, 18. November:252,1
Mittwoch, 17. November:240,8
Dienstag, 16. November:243,7
Montag, 15. November:245,7
Sonntag, 14. November:220,2
Samstag, 13. November:213,9
Freitag, 12. November:213,3
Donnerstag, 11. November:212,5
Mittwoch, 10. November:205,0
Dienstag, 9. November:192,0
Montag, 8. November:185,6
Sonntag, 7. November:174,4
Freitag, 5. November:148,4
Donnerstag, 4. November:134,0

(jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Update-Hinweis: Der Text wurde zuletzt am 8. Dezember aktualisiert. Neuerung: Der aktuelle Inzidenzwert wurde angepasst.

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