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Kölns Oberbürgermeisterin Reker befürwortet „No-Covid-Strategie“ – Kritik von Landesregierung

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Von: Lydia Schauff

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, mit Maske.
Die NRW-Bürgermeister sind in der Corona-Krise optimistisch (Symbolbild). © Oliver Berg/dpa

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker fordert einen härteren Kurs in der Corona-Politik. Von der Landesregierung hingegen gibt es Kritik an dem Vorstoß.

Update vom 17. Februar, 20:06 Uhr: Rekers Pläne stießen bei der Landesregierung auf Kritik. Um die Infektionszahlen dauerhaft zu senken, müssten möglichst alle Beteiligten an einem Strang ziehen, sagte ein Sprecher der NRW-Landesregierung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag). Umso wichtiger sei es, bei klaren Orientierungsgrößen zu bleiben. Daher seien im November 2020 im Infektionsschutzgesetz des Landes NRW bei der Sieben-Tage-Inzidenz die Marken von 50 und von 35 festgelegt worden. „Diskussionen über ständig neue, noch tiefere Inzidenzwerte schwächen die Akzeptanz und gerade jetzt ist Verlässlichkeit wichtig“, unterstrich der Sprecher. Wissenschaftler haben die No-Covid-Strategie im Kampf gegen die Corona-Pandemie entwickelt und setzen dabei auch auf coronafreie „grüne Zonen“ (dpa/mo)

Kölns Oberbürgermeisterin Reker befürwortet „No-Covid-Strategie“ – harte Maßnahmen seien „zielführend“

Update vom 17. Februar, 14:50 Uhr: „Von einem Lockdown in den Nächsten zu gehen, führt nur zu Frust und Ermüdung bei den Bürgerinnen und Bürgern und ist schon jetzt auch wirtschaftlich kaum durchzuhalten“, sagt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Sie teile die Auffassung der Expertengruppe, die die sogenannte „No-Covid“-Strategie entwickelt hat. Reker strebt für Köln einen Inzidenzwert von 10 an. Man solle „daran arbeiten, die Inzidenz Richtung 10 zu drücken und sie dann – das ist das Wichtigste – dort zu halten“, teilte die parteilose Politikerin am Mittwoch mit.

Das mittelfristige Ziel müsse es sein, „Wellenbewegungen zu vermeiden und die Inzidenz nachhaltig niedrig zu halten“. Der Krisenstab der Stadt Köln befasst sich in den kommenden Tagen mit den Überlegungen zur „No-Covid“-Strategie. Welche Maßnahmen Köln ergreifen könnte und wie die weitere Kölner Covid-Strategie lautet, ist am Montag Thema im Hauptausschuss.

Die Zahl der Neuinfektionen müsse so weit gesenkt werden, dass die Gesellschaft gut damit umgehen könne. Experten gehen davon aus, dass ab einer Inzidenz von zehn der Fall sein könnte. Ziel müsse es daher laut Reker sein, die Inzidenz in Richtung zehn zu drücken und dort zu halten. Aktuell besteht die Möglichkeit, erste Schritte in Richtung Öffnung ab einer Inzidenz von 35 zu gehen. Doch Kölns Oberbürgermeisterin lässt auch erahnen, welche Folgen steigende Infektionszahlen haben könnten. Dann halte sie „kurze, aber harte Maßnahmen für zielführend, um einen Anstieg im Keim zu ersticken“.

Zudem betonte Reker, dass Testungen sowie das Tracing intensiviert werden müssen, um ein aussagekräftigeres Bild des tatsächlichen Infektionsgeschehens zu erhalten. „Hier haben wir meines Erachtens noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft – dabei denke ich unter anderem an die Corona-Warn-App“, so Reker.

Reker fordert bessere Verfügbarkeit von Impfdosen – Covid-Strategie wird Freitag und Montag besprochen

Als wichtigen Schritt im Kampf gegen Corona sieht die Bürgermeisterin das Impfen. „Ich habe die klare Erwartung an Land und Bund, dass hier zu einer Verbesserung kommt und die Verfügbarkeit von Impfdosen kurzfristig erhöht wird. Wenn wir den Menschen harte Einschränkungen in ihre Grundrechte verordnen, müssen wir gleichzeitig unser staatliches Handeln darauf ausrichten, alles dafür zu tun, diese Einschränkungen wieder zurückzunehmen“. Der Krisenstab wird sich am Freitag und am kommenden Montag wieder zum Thema Corona in Köln beraten. Am Montag soll über konkrete Vorstellungen zu einer Kölner Covid-Strategie zunächst der Hauptausschuss informiert werden. (nb)

Kölns Bürgermeisterin Reker fordert Corona-Lockerungen erst bei Inzidenz unter 10 – „bisher zu zögerlich“

Erstmeldung vom 17. Februar

Köln – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, fordert einen Strategiewechsel beim Umgang mit dem Coronavirus hin zu einer „No-Covid-Strategie“. Das bedeutet: Erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter Zehn sollte es Lockerungen geben. Auch nach zwei Monaten Lockdown sei die Zahl der Neuinfektionen nach wie vor hoch und der Inzidenzwert liege, auch in Köln, mitunter mehrere Tage lang auf hohem Niveau, begründet Henriette Reker ihren Vorstoß. Reker äußerte sich bereits mehrfach zu einer „No-Covid“-Strategie, berichtet merkur.de*.

„In dieser Phase der Pandemie halte ich einen kurzen konsequenteren Lockdown für zielführend, wenn es darum geht, dass wir die coronabedingten Einschränkungen damit möglichst schnell und nachhaltig lockern können“, sagte die parteilose Politikerin. Es habe dem Land geschadet, dass Bund, Länder und Kommunen bisher oftmals zu zögerlich waren.

Coronavirus in Köln: Oberbürgermeisterin plädiert für Transparenz und Flexibilität

Wie schnell die Mutationen des Coronavirus voranschreiten, hat Reker erst kürzlich hautnah erfahren. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat sich mit einer Mutation des Coronavirus infiziert. Da Reker zuvor auf einem Termin mit Reul gewesen ist, musste sie vorsorglich in Quarantäne.

Trotz eines negativen Coronatests ist die Oberbürgermeisterin von Köln aber weiter in Isolation. Sie plädierte dafür, den Kommunen einen größeren Spielraum bei den Beschränkungen einzuräumen, um flexibel und kurzfristig auf Veränderungen reagieren zu können. Die Stadt habe gute Erfahrungen damit gemacht, kurzfristig auf Veränderungen zu reagieren und „nicht erst auf Vorgaben von Bund oder Land zu warten“. In Köln wurde der Lockdown – mit Ausnahmen – bis zum 7. März verlängert.

Konträr zur Haltung von Kölns Oberbürgermeisterin ist das, was das Land plant. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hat angekündigt, dass die Kitas in NRW wieder öffnen sollen. Das soll ebenfalls ab 22. Februar auch für Schulen gelten. Eine Inzidenz von 10 wie sie Reker mit einer „No-Covid“-Strategie anregt, scheint aktuell noch in weiter Ferne zu liegen, berichtet wa.de*.

Coronavirus in Köln: Oberbürgermeisterin Henriette Reker sieht Lockerungen als Belohnung

Um die Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, befürwortet Reker ein Belohnungssystem: „Wenn eine niedrige Inzidenz automatisch Lockerungen bedeutet und eine steigende Inzidenz ebenso automatisch zu harten Einschränkungen führt, ist das transparent.“ Zudem wäre damit klar, dass es lohnenswert sei, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten, so die Kölner Oberbürgermeisterin. (dpa) *merkur.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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