1. 24RHEIN
  2. Köln

Wirrwarr um E-Scooter-Zahlen im Rhein – Müllsammler widersprechen Verleihern

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Henning

Zwei E-Scooter, die bei der ersten Aktion in Köln aus dem Rhein geborgen wurden.
Zwei E-Scooter, die bei der ersten Aktion in Köln aus dem Rhein geborgen wurden. © Federico Gambarini/dpa

Die erste Bergungsaktion der E-Scooter-Verleiher in Köln lief mäßig. Sie gehen von nur 100 Rollern im Rhein aus. Die Müllsammler der KRAKE widersprechen.

Köln – Das haben sich vermutlich auch die E-Scooter-Verleiher in Köln anders vorgestellt: Bei der ersten Bergungsaktion am Montag und Dienstag fischten sie gerade einmal elf E-Scooter aus dem Rhein. Rund um den Rheinauhafen sind die Sucharbeiten damit abgeschlossen. Wann es an anderen Stellen weitergeht, ist bislang unklar.

Die Plattform Shared Mobility (PSM), ein Zusammenschluss aller Scooter-Verleiher, hatte die Bergungsaktion durchgeführt. Und ist sich nach den ersten Ergebnissen sicher, dass nicht 500 E-Scooter im Rhein liegen – so wie bislang vermutet. „Wir gehen nach heutigem Erkenntnisstand von circa 100 E-Scootern aus“, sagte PSM-Sprecher Sebastian Schlebusch noch am Donnerstag im 24RHEIN-Gespräch.

E-Scooter im Rhein: Kölner KRAKE widerspricht den Anbietern

Eine Zahl, der die ehrenamtlichen Müllsammler der KRAKE (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) widersprechen. Die KRAKE ist regelmäßig am Rhein unterwegs, um die Umwelt vom vielen Abfall zu befreien. Dabei gehen den Sammelnden als „Beifang“ auch immer wieder E-Scooter ins Netz. Alleine dieses Jahr waren es schon etwa 50 Exemplare.

„Natürlich spielen das die E-Scooter-Anbieter jetzt herunter, weil sie nur elf Roller bei ihrer sehr aufwändigen und teuren Aktion gefunden haben“, sagt KRAKE-Chef Christian Stock im Gespräch mit 24RHEIN. „Aber die Zahl 500 ist realistisch. Wir haben letztes Jahr auf der Höhe Hohenzollernbrücke 39 E-Scooter aus dem Rhein geholt – auf einer Strecke von 200 Metern. Rechnet man das auf die restlichen zwei Kilometer bis zum Schokoladenmuseum hoch, kommt man locker auf 400. Dabei sind die Roller, die von der Brücke geworfen werden und in der Fahrrinne des Rheins landen – und alles, was auf der rechten Rheinseite liegt – noch gar nicht mit einberechnet.“

Die Verleiher könnten noch von uns profitieren und lernen, wie wir es gemeinsam besser machen.

Christian Stock, Chef der KRAKE

Bergung der E-Scooter in Köln zum „falschen Zeitpunkt“

Der KRAKE-Chef will seine Kritik bewusst nicht als „Bashing“ verstanden wissen. Die Anbieter hätten viel Kosten und Aufwand betrieben und man sei in gutem Kontakt, so Stock. In der Fahrrinne des Rheins könne man die E-Scooter tatsächlich nur mit Spezialgerät bergen. „Aber wir finden – und das haben wir auch den Betreibern gesagt – es ist gerade der falsche Zeitpunkt.“

Denn: Der Rheinpegel sei derzeit noch relativ hoch. „Im Schlamm des Rheinauhafens kann man sich als Taucher nur tastend fortbewegen. Man ist von externen Augen abhängig. Bei niedrigem Rheinpegel sieht man die Roller von oben. Wenn jemand dann oben auf der Mauer steht, kann er den Menschen im Wasser navigieren.“ Man biete den Betreibern nach wie vor die Kooperation an, so der KRAKE-Sprecher. „Die Verleiher könnten noch von uns profitieren und lernen, wie wir es gemeinsam besser machen.“

Was ist die KRAKE?

Die KRAKE (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) wurde 2016 vom Schauspieler Christian Stock gegründet, um möglichst viele Kölnerinnen und Kölner für das Müllsammeln zu gewinnen. 2017 gründete er die gleichnamige Facebook-Gruppe mit einer Handvoll Helfenden. Am 15. September richtete die KRAKE ihren ersten „Rhine CleanUp Day“ aus, 300 Teilnehmende sammelten über eine Tonne Müll im Stadtgebiet. Am 1. September 2019 verliehen Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Laudator Frank Schätzing der KRAKE den Kölner Ehrenamtspreis. Seit Juni 2020 ist die KRAKE ein eingetragener Verein.

Doch es gehe nicht nur um die Bergung, sagt Stock. „Das, was allem voran steht, ist eine Bannmeile. Innerhalb von 200 Metern am Gewässer dürfen die E-Scooter nicht abgestellt werden. Das ist technisch ohne weiteres umsetzbar. Aber wenn man durch die Stadt läuft, sieht man, dass es viele Betreiber noch nicht durchgeführt haben.“

„Rhine Clean Up Day 2021“ in Köln: KRAKE sammelt tonnenweise Müll

Während der nächste Termin für die Scooter-Bergung noch unklar ist, sammelt die KRAKE weiter fleißig den Müll aus der Umwelt. Am kommenden Samstag (11. September) veranstaltet sie ihren jährlichen „Rhine Clean Up Day“. An zwei Orten in Köln wird angepackt:

Für beide Orte wird um Anmeldung auf der Facebookseite der KRAKE gebeten. Im letzten Jahr bargen 700 Helfende fast drei Tonnen Müll. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant