Lockdown bedroht Wirte

Köln: Wirtin mit verzweifeltem Appell – „Kommt essen, sonst muss ich dicht machen“

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Seit Wochen dürfen Restaurants Speisen nur noch zum Mitnehmen anbieten – das bedroht die Existenz der Wirte. (Symbolbild)
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Der Imbiss „Perdo Salat“ in Köln-Ehrenfeld steht wegen Corona kurz vor dem Aus. In einer verzweifelten Zettelbotschaft bittet die Ladeninhaberin nun um Hilfe.

Köln – Es sind schwierige Zeiten für die Gastronomie: Seit Wochen dürfen Restaurants und Bars nicht öffnen, nur der Verkauf von Speisen und Getränken zum Mitnehmen ist erlaubt. Das bringt auch viele Gastronomen in Köln an ihre wirtschaftlichen Grenzen. In Ehrenfeld versucht Muzhda Aziz Papir nun auf sich aufmerksam zu machen – die 46-Jährige brachte im Schaufenster ihres Imbiss „Perdo Salat“ einen Zettel an. Die Gastronomin ist verzweifelt, sie wusste sich nicht anders zu helfen. Darum bittet sie nun ihre Nachbarn um Hilfe. „Liebe Nachbarn, kommt essen. Sonst muss ich den Laden bald dicht machen. Corona raubt mir meine Existenz“, ist dort zu lesen.

Köln: Salat-Bar fürchtet um Existenz – Bislang ist nur eine einzelne staatliche Hilfe angekommen

Die Idee, einen Zettel aufzuhängen, entstand aus der Not heraus, so Niga Ghafoury, Tochter der Ladeninhaberin. Die 20-Jährige hilft selbst gelegentlich im Laden in Köln aus. Weil ihre Mutter nicht gut Deutsch spricht, hat sie 24RHEIN die Situation geschildert: „Seit Beginn der Pandemie lief es in unserem Laden immer schlechter. Wir haben bislang nur eine einzelne Hilfe vom Staat bekommen. Trotzdem müssen wir nun weiterhin unsere Kosten, wie Miete, Strom und Wasser zahlen – obwohl die Einnahmen ausbleiben.“

Die Betreiberin eines kleinen Lokals in Köln bittet um Hilfe: „Corona raubt mir meine Existenz“ ist im Fenster zu lesen.

Zwar bietet der Laden einen Abholservice an, da jedoch viele Menschen im Homeoffice arbeiten, fällt ein großer Teil der Umsätze weg, so Ghafoury. Den Laden gibt es in Ehrenfeld nun schon seit zwei Jahren. Zuvor hatte die Familie eine andere Gastronomie in einer Kauflandfiliale betrieben. Vor Beginn der Pandemie beschäftigten die Familie außerdem Mitarbeiter – doch das Geld für die Gehälter fehlt jetzt. Nun steht Niga Ghafoury mit ihrer Mutter alleine hinter der Theke.

Coronavirus in Köln: Gastronomin in Existenznot – das hat die Botschaft an der Ladentür gebracht

Doch hat der Zettel an der Tür nun tatsächlich etwas gebracht? „Wir haben festgestellt, dass seitdem immer mehr Leute, die an unserem Laden vorbeikommen, auch interessiert vor unserer Tür stehen blieben. Doch es ist weiterhin schwer für uns, unsere Fixkosten zu decken. Unsere größte Rettung sind immer noch unsere Stammkunden. Sie leiden mit uns und auch wenn sie nur einen Salat kaufen, lassen sie immer noch viel Trinkgeld da“, so Niga Ghafoury.

Coronavirus: Sorgen um das Geschäft – verlängerter Lockdown könnte Situation noch schlimmer machen

Durch den verlängerten Lockdown, steigen die Sorgen weiter an, so die 20-Jährige. „Es zieht sich alles weiter in die Länge. Wir wissen auch nicht, ob es dann am 7. März endlich wieder Lockerungen gibt. Alles ist sehr ungewiss.“ Sollte es stattdessen weiter keine Lockerungen geben und auch die staatlichen Hilfen weiter ausbleiben, müsse das Geschäft aufgegeben werden. Dann ergeht es dem Imbiss „Perdo Salat“ wie vielen anderen Gastronomen und Wirten in Köln, die unter der Pandemie leiden. Unter anderem musste wegen Corona die Steakhouse-Kette Maredo schließen und auch die Kölner Brauer haben nun mit wirtschaftlichen Sorgen zu kämpfen. Um die Existenzen der Gastronomien zu schützen, forderte der Dehoga NRW von der Politik nun Perspektiven und legte selbst einen Plan vor.

Die finanziellen Sorgen der Ladeninhaberin wirken sich auch auf das Familienleben aus. „Ich sehe, wie meine Mutter erschöpft nach Hause kommt, doch die ganze Mühe, tagsüber im Laden zu stehen, war umsonst. Das ist sehr hart mit anzusehen“. (nb)

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