1. 24RHEIN
  2. Köln
  3. Ehrenfeld

Köln-Ehrenfeld: 450 neue Wohnungen auf ehemaligem Siemens-Gelände geplant

Erstellt:

Von: Martin Henning

Außenansicht des Siemens-Areals an der Fritz-Geuer-Straße in Köln-Ehrenfeld.
Das Bürogebäude des Siemens-Areals in Köln-Ehrenfeld wird abgerissen. © Google Maps

In Köln-Ehrenfeld entsteht auf dem ehemaligen Siemens-Gelände ein neues Wohn- und Arbeitsquartier. Was erwartet die Menschen dort? 24RHEIN hat alle Infos.

Köln – Ziemlich genau 50 Jahre prägte die wuchtige Siemens-Firmenzentrale das Stadtbild in Ehrenfeld. Doch jetzt ist Schluss. Das Unternehmen ist auf die Schäl Sick von Köln gezogen – nach Mülheim. Der Glas- und Betonbau in Ehrenfeld wird abgerissen, an der gleichen Stelle entsteht ein neues Wohn- und Arbeitsviertel. 24RHEIN hat alle Informationen zum Bauprojekt.

Köln: Siemens-Gelände Ehrenfeld – Mischung aus Arbeits- und Wohnort

Auf dem 19.000 Quadratmeter großen Areal entstehen unter der Führung des Projektentwicklers Swiss Life Asset Managers insgesamt 450 Wohnungen. 30 Prozent davon sind öffentlich gefördert, haben also niedrigere Mieten. Das neue Ehrenfelder Quartier soll „gemischt genutzt“ werden, also auch als Arbeits- und Gewerbeort. Welches Gewerbe ins Areal zieht, verriet ein Sprecher auf 24RHEIN-Anfrage nicht.

Neben den Wohn- und Gewerbeflächen werden außerdem gebaut:

Siemens-Haus Köln-Ehrenfeld: Neues Areal wird weitgehend autofrei

Laut Stadt ist das Siemens-Gelände zu 95 Prozent oberflächenversiegelt. Außerdem gilt es als stark hitzebelastet. Um zumindest etwas Natur ins Areal zurückzubringen, sollen alle Dachflächen begrünt werden. Neue Wege für den Fuß- und Radverkehr sollen das Quartier auflockern. In einem der Durchgänge entstehen neue, öffentlich zugängliche Grünflächen.

Beim Umbau des Areals könnten Bäume gefällt werden, auch solche, die der sogenannten Baumschutzsatzung unterliegen. Für sie sollen an anderer Stelle Ersatzbäume gepflanzt werden.

Das Quartier wird oberirdisch weitgehend autofrei sein. Nur die Müllentsorgung, die Feuerwehr und städtische Fahrzeuge sollen durch die Straßen fahren. Anwohnerinnen und Anwohnern wird aber eine Quartiersgarage zur Verfügung gestellt.

Köln: Siemens Ehrenfeld Umzug – Streit um Erhalt des Gebäudes

Anwohner sehen den Neubau kritisch. Sie haben die „Bürgerinitiative Franz-Geuer-Straße“ gegründet und fordern, dass das Siemens-Gebäude erhalten wird.

Die Initiative argumentiert, dass das Gebäude aus den 70er-Jahren noch sehr gut erhalten und ein Abriss damit unnötig sei. Sie rechnet vor: Es müssten 160.000 Kubikmeter abgerissen und 50.000 Kubikmeter Schutt entsorgt werden. Für die Entsorgung müssten LKW über insgesamt 100.000 km unterwegs sein. Und dann sei da noch der Energieverbrauch.

Die Initiative schlägt vor, das Gebäude umzunutzen – zum Beispiel für Studentenapartments, als Schule, Kindergarten, Veranstaltungssaal oder günstige Büros für Start-ups. Auch in der Diskussion: der Bau einer Anlage aus recyclebaren Rohstoffen wie Holz und Lehm, um die „erste ökologische Bausiedlung Ehrenfelds“ zu schaffen. Ähnliches wird gerade bei den Ehrenfelder Bauprojekten „The Two“ und „The Wid“ umgesetzt, bei denen eine Holz-Hybrid-Bauweise zum Einsatz kommt.

Siemens-Areal Köln-Ehrenfeld: Baubeginn und Fertigstellung

Siemens-Gelände Ehrenfeld: Anwohner fürchten hohe Gebäude

Die Initiative hat aber noch ein anderes, ganz praktisches Problem mit dem Abriss des Siemens-Gebäudes: Die neu zu bauenden Gebäude sollen nämlich bis zu acht Stockwerke und 25 Meter hoch sein – deutlich höher als zuvor. Die Anwohner fürchten, in Zukunft deutlich weniger Tageslicht und Luftaustausch abzubekommen. Ihre Hoffnung, das Siemens-Gebäude könne erhalten bleiben, wird enttäuscht werden.

Ein Neubau sei deutlich umweltfreundlicher, behauptet der Projektentwickler Swiss Life Asset Managers. Der Energieverbrauch und der CO₂-Ausstoß seien im neuen Quartier viermal niedriger als im Siemens-Gebäude. Selbst, wenn man das Bestandsgebäude energetisch sanieren und teilabbrechen würde, verbrauche das neue Quartier weniger Ressourcen, sagt Swiss Life Asset Managers. Die ökologische Last des Neubaus sei in zwei bis vier Jahren kompensiert, so der Projektentwickler.

Auf Nachfrage von 24RHEIN erklärt der Swiss-Life-Sprecher außerdem: „Die achtgeschossigen Gebäude grenzen nicht an die bestehenden Wohngebäude an, sie sind zur inneren Kanalstraße hin orientiert. Daher sehen wir kein Risiko einer ‚Verschattung oder klimatischen Verschlechterung‘.“

Auch die Stadt ist wegen des enormen Wohnungsmangels in Köln für einen Neubau.

Köln: Siemens Ehrenfeld Versteigerung – Alles muss(te) raus

Bevor das imposante Siemens-Gebäude abgerissen wird, konnten sich Interessentinnen und Interessenten noch ein Stück Geschichte sichern. Siemens versteigerte sein Büro-Inventar. Stühle, höhenverstellbare Arbeitsplätze, Pflanzen, Kombidämpfer und ein „Self Cooking Center“ – alles kam unter den Hammer.

Bis auf eine Ausnahme (eine Tischplatte) wurde auch alles verkauft, teilte das beauftragte Versteigerungsunternehmen „Restlos” mit. Der größte Kunde sei mit sechs Sattelzügen in Köln-Ehrenfeld vorgefahren. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Deutschland & NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde am 21.04.2022 mit einem Statement von Swiss Life Asset Managers ergänzt.

Auch interessant