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Köln: Kaninchen beschädigen Gräber – jetzt werden sie gejagt

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Von: Mick Oberbusch

Kaninchen
Wildkaninchen sorgen aktuell auf dem Westfriedhof für Ärger bei der Stadt und den Angehörigen der Toten (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/dpa

Auf dem Westfriedhof in Köln haben die Betreiber mit einer Wildkaninchen-Plage zu kämpfen. Die Stadt reagiert – und geht entschlossen gegen die Tiere vor.

Köln – Die letzte Ruhe von etlichen Kölnerinnen und Kölnern auf dem Westfriedhof wird aktuell leider massiv gestört. Der Grund: Auf dem städtischen Friedhof nördlich der Venloer Straße im Kölner Stadtteil Vogelsang (Stadtbezirk Ehrenfeld) treibt derzeit eine Horde Wildkaninchen ihr Unwesen. Die Tiere unterhöhlen Grabsteine, was die Standsicherheit dieser gefährdet und im schlimmsten Fall sogar für ein Umkippen der Steine auf das Grab sorgen könnte.

Zudem beschädigen die Tiere Beet-Einfassungen, verbeißen sich an Grab-Bepflanzung und sorgen so auch für finanzielle Schäden bei den Angehörigen. Ein für die Stadt Köln nicht unbekanntes Problem, kommt es in dieser Jahreszeit doch immer wieder zu Ausbreitungen von Wildkaninchen auf dem Friedhofsgebiet. Dennoch geht man aktuell mit Entschlossenheit gegen diese Plage vor.

Köln: Kaninchen vermehren sich auf Friedhof – und gefährden Gräber

wissenschaftl. NameOryctolagus cuniculus
LebensraumGanz Europa, außer im mittleren und nördlichen Skandinavien und Island
GrößeLöffel 6-8 cm, Kopf-Rumpf-Länge 35-45 cm, Schwanz 4-7 cm
Gewicht1,3-2,2 Kg
NahrungPflanzen, Gräser, Kräutern und Blättern ernähren, gelegentlich Rinde und Zweige
Farbegraubraunes Fell, braune bis rostrote Färbung im Nackenbereich

„Die Geländebedingungen sowohl auf dem Friedhof als auch in den umliegenden Parkanlagen stellen aufgrund der Vielzahl an Wiesenflächen im Wechsel mit dichten Gehölzstreifen für Wildkaninchen eine nahezu ideale Umgebung dar und fördern daher eine hohe Vermehrungsrate“, erklärt die Stadt auf 24RHEIN-Nachfrage. Mit einer Fläche von 523.000 Quadratmetern gehört der Westfriedhof zu den größten Begräbnisstätten im Stadtgebiet. Unter anderem Karate Jacky, für den es vor einigen Monaten ein emotionales Begräbnis gab, findet dort seine letzte Ruhe.

Der Kölner Westfriedhof ...

... Liegt nördlich der Venloer Straße im Kölner Stadtteil Vogelsang (Stadtbezirk Ehrenfeld).

... wurde am 1. Oktober 1917 eröffnet.

... gehört zu den fünf größten Begräbnisstätten im Stadtgebiet.

... hat eine Fläche von 523.000 m² mit 45.580 Grabstätten.

... beherbergt etliche Abschnitte mit Roma-Gräbern und muslimischen Begräbnissen.

Doch wie funktioniert die Reduktion des aktuellen Wildkaninchen-Bestandes auf dem Westfriedhof? Wer sich nun einen Jäger mit Gewehr vorstellt, der über die Grabesstätte schlendert, liegt falsch. „Neben der Bejagung mittels Greifvögeln durch einen Falkner kommen auch Frettchen zum Einsatz – beide Methoden sind deutlich erfolgreicher als Jäger*innen mit Gewehr und werden von daher vorrangig genutzt. Schusswaffen werden nur im Einzelfall zum Einsatz gebracht.“, so die Stadt. Grundsätzlich werde jedoch auf das „natürliche Gleichgewicht“ gesetzt, in vielen Fällen regele sich die Population der Wildkaninchen auf dem Friedhof durch natürliche Fressfeinde (Füchse, wildlebende Katzen, Greifvögel) von selbst.

Köln: Kaninchen auf dem Westfriedhof Köln – Schäden an Gräbern sorgen für Ärger

Stadt ändert Öffnungszeiten des Westfriedhofes

Der Westfriedhof hat in der Regel von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Von Samstag, 27. November, und bis Dienstag, 22. Februar 2022, öffnet der Friedhof an Samstagen allerdings erst um 10 Uhr seine Pforten, die durch die spätere Öffnung gewonnenen zwei Stunden am Wochenende werden zur Wildkaninchen-Jagd genutzt.

Haben die Kaninchen an einem Grab dann erstmal Schaden angerichtet, ist der Ärger nicht nur bei der Stadt, sondern auch bei den Angehörigen der Verstorbenen auf dem Friedhof groß. „Die Menschen reagieren sehr sensibel und sind oftmals tief berührt, wenn ein gepflegtes Grab kahl gefressen wurde und unansehnlich wird oder wenn erkennbar wird, dass Kaninchen an dem betroffenen Grab unter der Erde „gewühlt“ haben“, erklärt die Stadt. Bleibt zu hoffen, dass sie das Problem in den Griff bekommt – damit die Kölnerinnen und Kölner auf dem Westfriedhof wieder friedlich ruhen können. (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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