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Köln: Taxifahrer fuhr Verbrecher in den Puff, dann rief er die Polizei

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Von: Martin Henning

L. Tahiri vor dem Kölner Pascha, wo die Polizei den gesuchten Räuber festnehmen konnte.
L. Tahiri vor dem Kölner Pascha, wo die Polizei den gesuchten Räuber festnehmen konnte. © Martin Henning

Dank L. Tahiri konnte ein gesuchter Verbrecher in Köln festgenommen werden. Im Gespräch mit 24RHEIN erinnert sich der Ex-Taxifahrer an den verrückten Tag.

Köln – Wie fühlt es sich an, wenn man in seinem eigenen Auto direkt neben einem gesuchten Verbrecher sitzt? Was für die meisten Menschen der absolute Horror ist, hat L. Tahiri aus Köln selbst erlebt. Elf Jahre ist sein verrücktestes Erlebnis bereits her. Doch Tahiri erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen.

Elf Jahre lang sprach Tahiri nicht in der Öffentlichkeit über das, was ihm passierte. Damals berichtete eine Lokalzeitung in einer kurzen Meldung über das Ereignis – ohne Tahiris Namen zu nennen. Er wollte sich nicht in der Zeitung stehen sehen.

Und obwohl das Erlebnis elf Jahre zurückliegt – die Kölner Polizei hat den Fall nach einem Systemwechsel nicht einmal mehr in den Akten – bleibt Tahiri vorsichtig. Im Gespräch mit 24RHEIN bittet er darum, dass man seinen Vornamen nicht nennt. „Ich habe die Befürchtung, dass mich der Mann nochmal finden könnte“, sagt er.

Kölner Taxifahrer hat plötzlich Verbrecher auf dem Beifahrersitz

Ein Frühlingsmorgen im Jahr 2010. Es dämmert, Tahiri hat gerade seine Tagschicht begonnen und die erste Fahrt hinter sich, da blinkt sein Taxidisplay auf. Warnung: Ein Mann hat einen Kiosk in der Nähe der Neusser Straße in Nippes überfallen und ist auf der Flucht. Der Unbekannte sei etwa 1,65 m groß, dunkelhäutig und trage eine graue Kapuzenjacke. Kurze Zeit später erhält Tahiri einen Auftrag in Nippes, ohne den Namen des Fahrgastes.

Als er in Nippes ankommt und der Kunde in sein Taxi einsteigt, traut Tahiri seinen Augen kaum. Sein Kunde ist etwa 1,65 m groß, dunkelhäutig und trägt eine graue Kapuzenjacke. „Als er ins Auto einstieg, fielen plötzlich ganz viele Zigarettenschachteln aus seiner Tasche auf den Boden.“

Schnell merkt Tahiri: Das ist der Mann, der gesucht wird. Doch anstatt in Panik zu verfallen, bleibt der Taxifahrer cool. Auch, weil er merkt, dass sein Gast keine Waffe bei sich trägt. Er und der junge Mann kommen ins Gespräch. „Er hat gefragt, was ich für ein Landsmann bin, wo ich in Köln wohne und ob ich ein gutes Bordell kenne.“ Die ganze Fahrt über habe der Mann extrem nervös gewirkt, erinnert sich Tahiri. „So, als hätte er Alkohol oder Drogen intus.“

L. Tahiris Taxiausweis. Er arbeitete bis 2016 als Taxifahrer.
L. Tahiris Taxiausweis. Er arbeitete bis 2016 als Taxifahrer. © Martin Henning

Kölner Polizei schnappt Verbrecher im Bordell Pascha

Und der Stresslevel des Kunden steigt. „Ich habe ihn aus Spaß gefragt: Hast du eine Tankstelle überfallen? Bei so vielen Zigaretten, die du hast. Er antwortete dann nur ganz erschrocken: ‚Nein, wie kommst du darauf? Mein Bruder hat einen Kiosk.‘“

Der Kunde möchte zu einem Bordell in der Eintrachtstraße gefahren werden. Doch das hat um diese Uhrzeit schon zu. „Ich habe ihm dann empfohlen, zum Kölner Pascha zu fahren. Das wollte er eigentlich nicht.“ Womöglich, weil der Mann weiß, dass es dort nicht viele Fluchtmöglichkeiten gibt und das Bordell ganz nah am Tatort ist. Tahiri kann den Mann überreden, Lust siegt über Vernunft. Seine Taxifahrt – etwa 15 Euro – bezahlt der Mann mit Münzen. Geistesgegenwärtig bittet Tahiri seinen Fahrgast, das Geld in die Mittelkonsole zu legen. Die Fingerabdrücke könnten später noch wichtig werden.

Nachdem der Mann ins Pascha geht und außer Sichtweite ist, ruft Tahiri sofort die Polizei. „Die waren dann ganz schnell mit zwei Wagen da.“ Die Beamten können den gesuchten Mann im Bordell festnehmen. Tahiri fährt für die Beweissicherung zur Polizeiwache nach Kalk. Dort werden Fingerabdrücke des Verdächtigen an der Taxitür und den Münzen gesichert. Von den Beamten gibt´s ein Extralob dafür, wie Tahiri die ganze Sache gemeistert hat.

Kölner Taxifahrer: „Das war das Verrückteste, was ich je erlebt habe“

Zwei, drei Monate hört Tahiri nichts. Dann plötzlich ein Anruf. „Ich sollte sofort ans Gericht in der Luxemburger Straße kommen und als Zeuge aussagen.“ Der Taxifahrer wickelt noch eben einen Auftrag am Köln-Bonner Flughafen ab und rast dann zum Gericht. Eine schriftliche Vorladung für den Termin hat er übrigens nie erhalten.

Im Zeugenstand muss Tahiri nur eine Frage beantworten: War der Mann betrunken, als er in seinem Wagen saß? Der Taxifahrer vermutet, dass das der Fall war. Er sieht noch, wie der Mann in Handschellen aus dem Gericht geführt wird. Welche Haftstrafe der Räuber bekommen hat, weiß Tahiri nicht. Er hat nie wieder vom Gericht, der Polizei oder dem Mann gehört.

Insgesamt zehn Jahre, bis 2016, hat Tahiri als Taxifahrer in Köln gearbeitet. „Die Stadt hat viel Nachtleben, ich hatte mit vielen Besoffenen zu tun“, sagt der 42-Jährige. Langweilig wurde ihm in seinem Job nie. Aber die Geschichte mit dem Verbrecher auf dem Beifahrersitz, „das war das Verrückteste, was ich je erlebt habe.(mah)

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