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Köln: Wolf in Ehrenfeld fotografiert – hat er Schafe in der Rheinaue gerissen?

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Das Bild einer Überwachungskamera der Rheinenergie im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld hält den Besuch eines Wolfs fest.
Der Wolf wurde von einer Überwachungskamera der Rheinenergie in Neuehrenfeld gefilmt. © picture alliance/dpa/Rheinenergie

In Köln wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Wolf bei einem nächtlichen Spaziergang durch Ehrenfeld beobachtet. Nun wurden auch vier Schafe gerissen.

Köln – Mitten in Köln ist in der Nacht zum Mittwoch ein Wolf durch die Straßen geirrt. „Das ist extrem selten, dass so etwas passiert – aber es passiert“, sagte am Freitag ein Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). „Der Wolf – der läuft einfach, und er kann einmal an einer Straße die falsche Abzweigung nehmen.“

Foto vom Wolf in Köln: Er lief über den Melatengürtel in Ehrenfeld

Der Wolf wurde in der Nacht zum Mittwoch zunächst von einer Bürgerin mit ihrem Handy im innenstadtnahen Szeneviertel Ehrenfeld gefilmt. Er trabte dort eine Straße entlang, den Melatengürtel. Die Sichtung war an der Ecke Fröbelstraße an einem Autohaus. Von dort bewegte er sich immer weiter stadtauswärts und wurde dabei noch mehrmals gesichtet oder gefilmt. Er habe es also allein geschafft, wieder aus der Stadt hinauszufinden, sagte der Sprecher.

Nach der Sichtung in Ehrenfeld wurde der Wolf als nächstes von Überwachungskameras auf dem nahe gelegenen Firmengelände der RheinEnergie in Neu-Ehrenfeld erfasst. Er lief dort auf Parkplätzen hin und her und suchte offenbar einen Ausweg. Diese Aufnahmen wurden nach LANUV-Angaben von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) eindeutig als Wolf bestätigt. Über Geschlecht, Alter und Identität des Tieres seien hingegen keine Aussagen möglich.

In Köln: Wolf von Ehrenfeld nach Bilderstöckchen und Weidenpesch gelaufen

Etwa zwei Stunden später war der Wolf stadtauswärts ins Viertel Bilderstöckchen weitergewandert. Dort wurde er dabei gesichtet, wie er schnell vor einem Auto weglief. Eine halbe Stunde später beobachtete ein Autofahrer den Wolf, als er eine Straße im Viertel Weidenpesch überquerte und sich alsdann in einen Grüngürtel zurückzog.

Am Donnerstagmorgen, also einen Tag später, wurden in der nördlichen Kölner Rheinaue vier tote Schafe gefunden, die in der Nacht von einem großen Hund oder einem Wolf getötet worden waren. Ein Wolfsberater hat die Schafe dokumentiert und Proben für eine genetische Untersuchung genommen. Wenn sich der Wolfsverdacht bestätigt, kann der Halter der Schafe eine Entschädigung beantragen.

Möglicherweise habe sich der Wolf tagsüber versteckt, sei dann in der nächsten Nacht weitergewandert und habe auf seinem Weg die Schafe gerissen, sagte der LANUV-Sprecher. Das sei eine logische Erklärung, aber ob es wirklich so gewesen sei, müsse die genetische Untersuchung noch klären.

Wolf in Köln gesichtet: Vier Schafe in Kölner Rheinaue gerissen

Nach LANUV-Angaben verlassen Wölfe bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs das elterliche Rudel und wandern dann weit umher, zum Teil mehrere hundert Kilometer weit. Dabei bewegten sie sich in für sie unbekanntem Gelände. Wissenschaftliche Studien mit Wölfen, die mit einem Sender ausgestattet worden waren, hätten ergeben, dass solche Jungwölfe etwa über Grüngürtel in dicht besiedelte innerstädtische Gebiete gelangen könnten. Sie versuchten dann aber immer, die Stadt schnell wieder zu verlassen.

Dass sich Wölfe dauerhaft in Städten ansiedeln, sei nicht zu erwarten, sagte der LANUV-Sprecher. „Dafür sind sie zu wild. Es sind keine Kulturfolger wie Füchse oder Wildschweine.“ 2020 gab es NRW-weit nach Angaben des Landesumweltamtes 81 Wolfsnachweise. Durchwandernde Wölfe wurden demnach nicht mehr nur aus dem Osten, sondern erstmals auch aus dem Süden registriert.

Wölfe machen in NRW immer wieder Schlagzeilen, weil sie beispielsweise Weidetiere reißen. So wurden elf Schafe in Hennef Ende April wohl von einem Wolf getötet. Am Niederrhein geht seit mehreren Jahren die Wölfin „Gloria“ auf die Jagd. Sogar ihr Abschuss wurde bereits beantragt, aber Anfang Mai entschied das Verwaltungsgericht in Düsseldorf, dass die Wölfin weiterleben darf. (dpa)

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. Mai um 13:25 Uhr inhaltlich ergänzt und aktualisiert:

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