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Muezzinruf in Köln gestartet: Was ruft der Muezzin?

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Von: Johanna Werning

Ab Freitag ist in Köln der Muezzinruf zu hören. Jetzt ist auch klar, wann genau der Gebetsruf in Ehrenfeld stattfindet. 24RHEIN erklärt, was gerufen wird.

Köln – Am Freitag, 14. Oktober 2022, war es erstmalig so weit: Neben Glockenleuten ertönte in Köln erstmals auch der sogenannte Muezzinruf, der muslimische Gebetsruf zum Freitagsgebet. „Seit kurzem liegt eine Vereinbarung der Stadt Köln mit der Zentralmoschee Köln zum Freitagsgebet vor“, teilte zuvor das Moscheeforum der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld mit.

Muezzinruf: Wann und wie oft ist der Gebetsruf in Köln zu hören?

Im Licht in der untergehenden Sonne ist ein Minarett der Zentralmoschee der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) und der Kölner Dom zu sehen.
Ab Freitag könnten in Köln auch Muezzinrufe zu hören sein (Symbolbild) © Rolf Vennenbernd/dpa

Muezzinruf in Köln: Gebetsruf am Freitagmittag (14. Oktober) erstmals zu hören

Am Freitagmittag, um 13:24 Uhr, war der Muezzinruf in Köln erstmals zu hören. Rezitiert wird der Gebetsruf von Mustafa Kader, Religionsbeauftragter der Zentralmoschee Köln. Jeden Freitag wird gegen Mittag dann live über zwei Lautsprecher zum gemeinsamen Gebet gerufen. Insgesamt fünf Minuten lang.

Grundsätzlich ist der Muezzinruf in Köln jeden Freitag zwischen 12:20 und 13:45 Uhr zu hören. Die genaue Uhrzeit ändert sich jedoch immer, da sich die Gebetszeiten am Sonnenstand orientieren. „Am längsten Tag des Jahres erfolgt der Ruf zum Freitagsgebet an der Zentralmoschee Köln gegen 13:45 Uhr, am kürzesten gegen 12:20 Uhr“, erklärt das Moscheeforum.

Zentralmoschee Köln: Was wird gerufen?

Der Muezzinruf findet nach der Freitagspredigt und vor dem Freitagsgebet selbst statt. „Das Freitagsgebet ist im Islam das wichtigste Gebet der Woche und in seiner religiösen Bedeutung vergleichbar mit dem christlichen Sonntagsgottesdienst oder dem jüdischen Schabbat“, heißt es weiter. „Das Freitagsgebet wird gemeinschaftlich in einer Moschee verrichtet.“ Aber was genau wird beim Muezzinruf eigentlich gerufen? Der islamische Gebetsruf „Adhān“ erfolgt in arabischer Sprache und heißt übersetzt:

Muezzinruf Köln: Das ist zu hören

Gott (Allah) ist groß (4x)

Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott (2x)

Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist (2x)

Kommt zum Gebet (2x)

Kommt zum Heil (2x)

Gott ist groß (2x)

Es gibt keine Gottheit außer Gott (1x)

Quelle: Moscheeforum

Muezzinruf Köln: Hier ist der Gebetsruf in Köln zu hören

Wo?Lautstärke in DezibelLautstärke-Vergleich
Direkt an der Zentralmoschee96Presslufthammer in zehn Meter Entfernung/ LKW auf einer Autobahn
Venloer Straße (Höhe Aldi)30 und 42 DezibelFlüstern oder leise Musik
Pellenzstraße, Ecke Leostraé38 DezibelLeise Musik
Sportplätze und Minigolfanlage hinter der Zentralmoschee38 bis 48 DezibelNormales Gespräch
Fuchsstraße, Ecke Struppstraße35 bis 40 DezibelLeise Musik/Normales Gespräch
Wasserspielplatz am Inneren GrüngürtelNicht mehr zu hören

Muezzinruf in Köln: „War ein langer Weg“

Murat Şahinarslan, Direktor des Moscheeforums, verfolgte den Muezzinruf am Freitag live mit. „Es war ein langer Weg, weil wir als erste und einzige Gemeinschaft diesem Antrag technisch auch nachgekommen sind“, sagt Şahinarslan. „Es gibt über 200 Moscheen in Deutschland, die seit 30 Jahren zum Gebet aufrufen. Für Köln ist es ein Debüt“, so der Direktor. Es sei umso erfreulicher, dass die Moschee in Ehrenfeld als repräsentative Moschee diesen Rahmen für die Gemeinde, die Beesucher sowie die Musliminnen und Muslime in Köln auch geben könne.

Muezzinruf in Köln ist Teil eines Projektes – doch es gibt Kritik

Im Oktober 2021 hat die Stadt Köln sich für ein zweijähriges Modellprojekt ausgesprochen. Aufgrund der Religionsfreiheit, die im Grundgesetz verankert ist, sollen Moschees zum Freitagsgebet rufen können – unter bestimmten Voraussetzungen. Einen Monat später stellte die Zentralmoschee in Ehrenfeld einen entsprechenden Antrag. „Köln ist die Stadt der (religiösen) Freiheit & Vielfalt“, so Oberbürgermeisterin Henriette Reker in der Vergangenheit. „Den Muezzinruf zu erlauben, ist für mich ein Zeichen des Respekts.“

Doch das sehen nicht alle so. Das Projekt ist durchaus umstritten. Auch NRW-Innenminister Hendrik Wüst kritisiert das Vorhaben. Er befürchtet, „dass damit möglicherweise mehr Streit in die Gesellschaft getragen als der Integration gedient wird“. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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