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Kölner Bauprojekt landet auf deutschlandweiter Negativliste – „Abrisstragödie“

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Von: Martin Henning

Außenansicht des Siemens-Areals an der Franz-Geuer-Straße in Köln-Ehrenfeld.
So sah das Bürogebäude des Siemens-Areals vor dem Abriss aus. Jetzt ist kaum noch etwas übrig geblieben. © Google Maps

Die alte Siemens-Zentrale in Köln-Ehrenfeld wird abgerissen. Sie weicht einem Wohn- und Arbeitsquartier. Es gibt heftige Kritik von Umweltschützern.

Köln – Früher Firmenzentrale, bald neues Viertel: Das wuchtige Siemens-Gebäude in Ehrenfeld wird nach rund 50 Jahren abgerissen. Der riesige Betonklotz soll bis Februar 2023 komplett verschwunden sein. An der gleichen Stelle entsteht ein neues Stadtquartier mit 450 Wohnungen.

Kurz, bevor das Gebäude komplett abgerissen ist, dürfen sich die Bauherren noch über eine Auszeichnung „freuen“: Das Bauprojekt in Köln hat es auf die „Negativliste Gebäudeabrisse“ der Deutschen Umwelthilfe geschafft.

Was ist die „Negativliste Gebäudeabrisse“?

Die Liste stellt nach der Eigendefinition der Umwelthilfe Bauvorhaben vor, bei denen Gebäude abgerissen werden, ohne dass vorab die Auswirkungen auf das Klima geprüft worden sind. Eigentümer und Investoren könnten ohne Transparenz oder ökologische Prüfung entscheiden, ob ein Gebäude saniert oder abgerissen werde, kritisiert die Umwelthilfe. Die Liste zeige, „wie durch Gesetzeslücken, Fehlentscheidungen und falsche wirtschaftliche Anreize bezahlbarer Wohnraum verloren geht und Ressourcen und Energie unnötig verbraucht werden“.

Siemens-Gelände Köln-Ehrenfeld: Umwelthilfe kritisiert Intransparenz

Als „Abrisstragödie“ bezeichnet die Umwelthilfe die Bauvorhaben, die auf der Negativliste gelandet sind. Neben dem Siemens-Gelände in Ehrenfeld sind das:

Warum wird das Projekt im Stadtbezirk Ehrenfeld negativ bewertet? Der Projektentwickler Swiss Life Asset Managers behauptet, der Abriss des Siemens-Gebäudes mit anschließendem Neubau sei deutlich umweltfreundlicher als ein Umbau. Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß seien im neuen Quartier viermal niedriger. Die Umwelthilfe bezweifelt das. Sie sagt, das Gutachten und die Datengrundlage zum Bauvorhaben hätten „nie transparent zur Verfügung“ gestanden.

Bürgerinitiative kämpfte gegen Neubau auf dem Siemens-Gelände

„Wie in anderen Bundesländern hat auch das Land NRW zudem keinerlei Pflichten oder Kriterien zur unabhängigen Umweltprüfung in der Landesbauordnung verankert“, so die Umwelthilfe. Der Hintergrund: Seit der Änderung der Landesbauordnung in NRW sind Gebäudeabrisse genehmigungsfrei. Die zuständige Denkmalschutzbehörde hätte ein Veto einlegen können, wenn das Siemens-Gebäude als Baudenkmal eingestuft worden wäre. Das ist aber nicht der Fall.

Die Umwelthilfe vermutet, dass der CO₂-Ausstoß und der Ressourcenverbrauch beim Bau des neuen Stadtquartiers deutlich höher liegt als von den Projektentwicklern kommuniziert. Außerdem hätten zahlreiche Bäume auf dem Gelände für den Neubau gefällt werden müssen.

Auch die Anwohner kritisieren den Neubau stark. Sie haben sich zur „Bürgerinitiative Franz-Geuer-Straße“ zusammengeschlossen. Die Initiative hatte vorgeschlagen, das Siemens-Gebäude zu erhalten und umzubauen: für Studentenapartments, eine Schule, einen Kindergarten, einen Veranstaltungssaal und günstige Büros für Start-ups. Mehr als 1000 Personen hatten eine entsprechende Petition unterschrieben – erfolglos.

Siemens-Areal Köln-Ehrenfeld: Baubeginn und Fertigstellung

Ende der Abbrucharbeiten:Februar 2023
Baubeginn:Ende 2024
Fertigstellung:Ende 2028

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