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Explodierende Energiekosten bedrohen Gesundheitswesen – „Entwicklung ist dramatisch“

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Von: Michael Hirz

Gunnar Schneider vor dem Eingang des Severinsklösterchens in der Südstadt in Köln
Gunnar Schneider ist Geschäftsführer des Severinsklösterchens und des St. Hildegardis Kraneknhaus in Köln. © Michael Hirz

Corona, Personal, Energie-Krise: Droht ein Kollaps im Gesundheitswesen? Gunnar Schneider, Geschäftsführer des Severinsklösterchen in Köln, gibt Auskunft.

Köln – Die Diagnose ist ebenso banal wie besorgniserregend: Für Krankenhäuser gibt es keine Intensivstationen. Dabei kämpfen sie nach zwei zehrenden Pandemiejahren gerade um ihr Überleben – und die Prognose ist in vielen Fällen nicht gut. Personell ausgeblutet, finanziell am Tropf, sind sie jetzt von einem weiteren lebensgefährlichen Virus befallen: der Kostenexplosion. Die Preise für Energie, für Medizinprodukte und Dienstleister wie etwa Wäschereien explodieren. Aber anders als in den meisten anderen Branchen können die Kosten nicht einfach weitergegeben werden, die Preise für die Leistungen sind gedeckelt. Das heißt schlicht, dass erheblicher Mehraufwand nicht finanziert wird. Droht ein Versorgungskollaps im Gesundheitswesen?

Kostenexplosion in Krankenhäusern „dramatisch“

„Dramatisch“ nennt Gunnar Schneider die Entwicklung. Er muss es wissen, denn er ist Geschäftsführer der Krankenhäuser der Augustinerinnen, zu denen das sog. „Severinsklösterchen“ in der Südstadt von Köln gehört. Schon die Pandemie war eine Herausforderung, die die Erlöse bei gleichbleibenden Kosten geschmälert haben, weil ohnehin knappes Personal in Quarantäne musste und Operationen verschoben wurden.

Jetzt sorgen verdreifachte Strom- und teilweise verzehnfachte Gaspreise für die nächste Schockwelle.

Die von Gunnar Schneider verantworteten Häuser der Augustinerinnen (zu denen auch das Hildegardis-Krankenhaus in Köln-Lindenthal gehört) sind zwar ans Fernwärmenetz angeschlossen, sodass die aus dem Ruder laufenden Gaspreise erst mit zeitlicher Verzögerung zu Buche schlagen.

Schneider rechnet bei den Energiepreisen nach 1,7 Millionen Euro im vorigen Jahr mit 4,5 Millionen im kommenden Jahr.

Eine besondere Krux ist natürlich, dass Energiesparen bei Kliniken äußerst begrenzt möglich ist. In den Krankenzimmern die Raumtemperatur zu senken verbietet sich ebenso wie das Ausschalten lebenserhaltender Geräte. Dennoch will Gunnar Schneider versuchen, mit Maßnahmen noch bis zu zehn Prozent einzusparen, aber „das wird man spüren.“ Allerdings soll das im „patientenfernen Bereich“ geschehen, ergänzt er schnell. „Das kann allerdings kein Krankenhaus über längere Zeit durchhalten.“

Personalsituation in Krankenhäusern: „Das Problem schlechthin“

Ein Thema, nach Gunnar Schneider „das Problem schlechthin“, ist die Personalsituation. Während der Bedarf an medizinischer Versorgung durch den demografischen Wandel – immer mehr Alte bei immer weniger Jungen – wächst, fehlen zunehmend Fach- und Arbeitskräfte. Das trifft die Kliniken hart. „Wir haben große Schwierigkeiten, die freien Stellen zu besetzen“, sagt Schneider. Eine andere Verteilung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung sieht er als Schlüssel, mit diesem Mangel durch den Alltag zu kommen, zumal es schon in den letzten Jahren den Trend gab, dass die Verweildauer im Krankenhaus kürzer geworden ist dank des medizinischen Fortschritts.

► Gunnar Schneider ist Geschäftsführer der Augustinerinnen Krankenhäuser gGmbH. Dazu gehören das Sankt Hildegardis Krankenhaus im Kölner Stadtteil Lindenthal und das Krankenhaus der Augustinerinnen, besser bekannt als das „Severinsklösterchen“ in der Südstadt. Beide Hospitäler haben eine mehr als 100-jährige Geschichte und wurden einst von Ordensgemeinschaften gegründet. Im Severinskloster heilten und pflegten ab 1874 Cellitinnen Kranke. In Lindenthal nahm 1902 das Krankenhaus der Alexianer den Betrieb auf.

► 24RHEIN-Gastautor Michael Hirz vom Kölner Presseclub war bis vor kurzem Programm-Geschäftsführer des Politik-Senders Phoenix und hat u. a. den „Internationalen Frühschoppen“ moderiert. Jetzt ist Michael Hirz freier Journalist, Kommunikationsberater und sitzt im Vorstand des Kölner Presseclub. Dieser Beitrag stammt aus dem Presseclub-Newsletter, den Sie hier abonnieren können.

Zauberkraft der Digitalisierung: „Ein Rohrkrepierer“

An die Zauberkraft der Digitalisierung, die alles billiger und besser machen soll und auf die Gesundheitsminister Karl Lauterbach setzt, mag Gunnar Schneider nicht so recht zu glauben: „Die Telematikinfrastruktur, die seit ungefähr 15 Jahren aufgebaut wird, ist ein Rohrkrepierer.“ Über dieses System, eine Art Datenautobahn, die alle Akteure des Gesundheitssystems vernetzen soll, laufe nichts. Offensichtlich nutzt Lauterbach dieses Instrument aus der politischen Illusionskiste, um Beitragszahler wie Leistungserbringer erst einmal zu beruhigen.

Für das Severinsklösterchen (und auch das Hildegardis-Krankenhaus) ist Gunnar Schneider nicht pessimistisch. Die Häuser seien gut und solide aufgestellt. Aber es bleibt die Erkenntnis, dass es ohne finanzielle Hilfe der Politik nicht geht – und Politik heißt in diesem Fall, dass die Staatskasse für einen finanziellen Rettungsschirm sorgen muss. Hoffen wir, dass das rechtzeitig gelingt. (mh/IDZRW)

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