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Erzbistum Köln: Journalisten brechen Gespräch zu Missbrauchsskandal ab – aus gutem Grund

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Von: Mick Oberbusch

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki
Kardinal Rainer Maria Woelki muss sich aktuell in einem neuen Skandal erklären. © Oliver Berg/picture alliance

Ein Hintergrundgespräch zum neuesten Missbrauchsskandal des Erzbistum Köln ist bereits vor dem Start abgebrochen worden, weil sich Journalisten weigerten, eine Vertraulichkeitsvereinbarung zu unterschreiben.

Köln – Es ist der nächste schwere Schlag für das Ansehen des Erzbistums in Köln: Weil Kardinal Rainer Maria Woelki ein von ihm 2018 selbst in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten zurückhält, müssen der Kardinal und das Erzbistum im Schatten des Kölner Doms heftige Vorwürfe über sich ergehen lassen. Das Gutachten sollte den Umgang des Erzbistums mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester untersuchen. Dazu wollte Woelki am Dienstagabend in einem Hintergrundgespräch Stellung beziehen – doch dies wurde bereits vor dem Start abgebrochen.

Skandal im Erzbistum Köln: Vorwürfe an Kardinal Rainer Maria Woelki werden lauter

Über die Gründe gibt Joachim Frank, Chefreporter des „Kölner Stadt-Anzeiger“, Auskunft. Für das Hintergrundgespräch wurde eine Verschwiegenheitserklärung vorgelegt. „Darin wurde u.a. „vollständiges Stillschweigen“ über alle Informationen/Inhalte des Gutachtens der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) verlangt“, zumindest, soweit es um die in dem Gutachten geschilderten Tathergänge sexuellen Missbrauchs ginge. Demnach hätten die Journalisten auch nach Einsicht kein neues Licht ins Dunkel bringen dürfen.

Daraufhin habe sich die aus acht Pressevertretern bestehende Runde geweigert, die Erklärung zu unterzeichnen. „Nun soll es - so der derzeitige Stand - nächste Woche einen neuen Anlauf für eine Unterrichtung geben. Die Frage der Verschwiegenheitsverpflichtung soll nach Aussage der Pressevertreter des Erzbistums noch einmal geprüft werden“, erklärt Frank, der das Erzbistum zudem für seine Pressearbeit generell kritisiert. „Wie Kardinal Woelki und Generalvikar Hofmann seit Monaten „Pressearbeit“ verstanden haben und machen ließen, ist - nicht nur nach meinem Eindruck - in vielerlei Hinsicht kaum mehr unterbietbar“.

Dass das Gutachten nicht vollständig veröffentlicht werden soll, begründete das Erzbistum mit erheblichen methodischen Mängeln und der Tatsache, dass es „nicht gerichtsfest“ sei. Die Münchner Kanzlei weist diese Vorwürfe zurück. Nun soll der Kölner Strafrechtsexperte Prof. Dr. Björn Gercke ein neues Gutachten erstellen, das im März veröffentlicht werden soll. Gegenüber dem „Domradio“ äußerte sich Gercke jüngst zu dem Gutachten, das unter bestimmten Voraussetzungen (Vertraulichkeitsvereinbarung) ja bereits einsehbar ist.

Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass da eine „softere Variante“ aus Köln kommt

Prof. Dr. Björn Gercke

Rechtsanwalt soll für Erzbistum Köln ein neues Gutachten anfertigen

„Dass das Gutachten aus München - zumindest unter bestimmten Auflagen - einsehbar ist, war mir persönlich ein besonderes Anliegen, was ich auch an den Kardinal und den Generalvikar herangetragen habe. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass da irgendwas unter Verschluss gehalten wird und jetzt quasi eine „softere Variante“ aus Köln kommt“, erklärt der Rechtsanwalt. Die Krise des Kölner Erzbistums dürfte dennoch vorerst kein Ende nehmen. (mo)

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