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„Staat muss nicht nur Flagge, sondern auch Kante zeigen“ – Kölner Polizeipräsident mit klarer Forderung

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Von: Peter Pauls

Kölns Polizeipräsident Falk Schnabel, daneben ein Bild von Böllern und einem Polizisten.
„Fassungslos und wütend“ sei er gewesen, als er die Bilder aus der Silvesternacht sah, sagt der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel. (Montage IDZRNRW) © dpa/Kölner Presseclub

Nach den Silvester-Attacken auf Polizisten und Rettungskräfte formuliert der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel eine klare Forderung an Politik und Behörden.

Köln – Es geschieht mit verstörender Regelmäßigkeit, dass Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste unruhig ins neue Jahr gehen. Sie müssen nicht nur mit besonders viel Arbeit rechnen, sondern auch mit Beschimpfungen. Zudem werden Rettungskräfte wie etwa in Duisburg tätlich angegriffen und mit Raketen beschossen oder Böllern beworfen. Der Gipfel sind planmäßig angelegte Hinterhalte, in die man Beamte und Helfer lockt.

„Fassungslos und wütend“ sei er gewesen, als er die Bilder aus der Silvesternacht sah, sagt der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel in unserem Jahresauftaktgespräch im Excelsior Hotel Ernst. Den Saal hätten wir zweimal füllen können, so stark war das Interesse am Thema. Kein Wunder. Wer möchte schon seine Gesundheit riskieren, nur weil er mit anderen ins neue Jahr feiert? Und wer will, dass der Staat und seine Vertreter und damit letztlich man selbst blindwütig angegriffen werden?

Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel: Angriffe werden nachdrücklicher verfolgt

Andererseits liest man Statistiken, wonach die Gewaltkriminalität gesunken sei. Auf diese vermeintliche Diskrepanz sprach ich den Polizeichef von Köln an. Die Verrohung auf der einen und die Statistik auf der anderen Seite helfe den Opfern nicht, erklärte Falk Schnabel. Bilder aus jenen Nächten veränderten das Sicherheitsgefühl. Nicht nur bei Bürgern, sondern auch bei denen, die in solchen Nächten für das Zusammenleben stehen.

„Ich werde angegriffen, bespuckt, beleidigt. Was passiert da eigentlich? Werde ich eigentlich noch beschützt?“ fragten viele. Früher hätten ältere Kollegen gesagt, das gehöre zum Beruf dazu. Inzwischen habe ein Umdenken eingesetzt. Die Zahl der Verfahren nehme zu und sie werden nachdrücklicher verfolgt. „Der Staat muss nicht nur Flagge, sondern auch Kante zeigen,“ sagt Schnabel. „Er muss mit Strafverfolgung schnell und streng reagieren.“

Wie könnte klare Kante aussehen? Einen Anfang gab es in Bonn. Dort bekamen brutale Böller-Bubis, die sich an Silvester zu Angriffen verabredet hatten, wenige Tage später Besuch von der Polizei, der nicht nur bei der Nachbarschaft Eindruck hinterließ.

24RHEIN-Gastautor Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub, den Sie hier abonnieren können

Falk Schnabels Karriere ist wie aus dem Bilderbuch: Oberstaatsanwalt, Ministerialrat, Leitender Ministerialrat, Leitender Oberstaatsanwalt, Leiter der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, Polizeipräsident Münster. Und kurz darauf – Polizeipräsident in Köln. Ein gewaltiger Schritt, denn in der größten Stadt unseres Landes NRW ist praktisch immer etwas los, immer eine Situation zu meistern, wie etwas das unrühmliche Aufeinandertreffen von gewaltbereiten „Anhängern“ beim Gastspiel des 1. FC Köln in Nizza. Eine Zahl greife ich noch heraus. 83 Prozent derjenigen, die Polizeibeamte angreifen, sind Männer. (pp/IDZRNRW)

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