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Fliegerbomben in Köln: Warum es so viele gibt – und wie nach ihnen gesucht wird

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Von: Benjamin Stroka

Eine britische Fünf-Zentner-Bombe liegt auf einem Lastwagen des Kampfmittelräumdienstes.
Allein 2021 wurden 40 Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg in Köln entdeckt (Archivbild). © David Young/dpa

Über 100 Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg wurden allein in den letzten vier Jahren in Köln gefunden. Wie die Suche abläuft und warum so viele Blindgänger in Köln liegen.

Köln – In Köln wurde eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Ein Satz, der 2021 fast wöchentlich zu lesen oder zu hören war. 40 Blindgänger wurden alleine im vergangenen Jahr in der Domstadt entdeckt. Auch 76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind Fliegerbomben immer noch ein Thema in Köln.

Fliegerbomben in Köln: Wie viele Bomben wurden gefunden?

„Mal liegen sie nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche, mal bis zu acht Meter tief. Einige verfügen immer noch über intakte Zünder und eine Sprengkraft, die beträchtliche Schäden im Veedel anrichten könnten, andere sind längst nicht mehr zündfähig“, erklärt ein Sprecher der Stadt. 19 Fliegerbomben lösten 2021 eine Evakuierung aus, 2019 waren es sogar 25. Dazu kommen immer wieder auch andere Kampfmittel, die gefunden werden, beispielsweise Munition, Granaten oder Stabbrandbomben.

Aber warum liegen eigentlich so viele Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in Köln? Und wie viele werden noch im Boden unter der Stadt vermutet?

Fliegerbomben in Köln: Viele Blindgänger nach schweren Angriffen im Zweiten Weltkrieg

Köln wurde im Zweiten Weltkrieg von alliierten Bombern so stark getroffen, wie kaum eine andere Stadt in Deutschland. Insgesamt 262 Mal wurde die Domstadt während der Kriegsjahre bombardiert. Häufig flogen mehrere hundert, zum Teil sogar über 1000 Bomber gleichzeitig Angriffe über Köln und warfen tausende Tonnen Fliegerbomben ab.

Die Luftaufnahme aus dem Jahr 1945 zeigt die im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombenangriffe zerstörte Innenstadt von Köln.
Die Luftaufnahme aus dem Jahr 1945 zeigt die im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombenangriffe zerstörte Innenstadt von Köln. © dpa/dpaweb

Mehr als 60 Prozent der Stadt waren nach Kriegsende vollkommen zerstört. Besonders schwer traf es die Altstadt um den Kölner Dom, die zu mehr als 90 Prozent zerstört wurde. Laut aktuellen Angaben der Stadt sollen rund 20 Prozent, also jede fünfte Bombe, nicht detoniert sein. Diese Bomben werden als Blindgänger bezeichnet.

Sie werden seit Jahrzehnten immer wieder bei Sondierungsmaßnahmen oder häufig auch zufällig, zum Beispiel bei Bauarbeiten, entdeckt. Denn: „Wer in Köln bauen möchte, muss sein Grundstück auf die Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg untersuchen lassen“, erklärt Baumanns von der Stadt Köln. Allein 2021 gingen 1833 solcher Anträge auf Luftbildauswertung bei der Stadt ein. Zum Vergleich: 2020 waren es 1239.

Fliegerbomben in Köln: Blindgänger werden Stadt noch jahrelang beschäftigen

Diese Untersuchungen, zunächst über Luftbilder, und wenn nötig, dann vor Ort, werden regelmäßig vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt durchgeführt. Sie überprüfen Baugrundstücke auf Kampfmittel und besonders auf Blindgänger. Wird eine solche Fliegerbombe gefunden, entscheidet der Zustand des Blindgängers über das weitere Vorgehen. „Einige verfügen immer noch über intakte Zünder und eine Sprengkraft, die beträchtliche Schäden im Veedel anrichten könnten, andere sind längst nicht mehr zündfähig“, erläutert Baumanns.

Die Bomben ohne funktionsfähige Zünder können vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ganz einfach abtransportiert werden. In Köln war das 2021 bei 21 der 40 Bombenfunde der Fall. Ist der Zünder der Fliegerbombe noch intakt, dann wird sie entweder vor Ort entschärft oder in einem geschützten Rahmen gesprengt. In diesen Fällen muss der Bereich um den Fundort der Bombe, häufig in einem Radius von 250 oder 500 Metern, evakuiert werden. Das geschah 2021 in Köln insgesamt 19 Mal.

Wie viele Blindgänger immer noch im Boden unter Köln versteckt liegen, kann niemand genau sagen – nicht mal seriös schätzen. Es könnten hunderte, tausende oder sogar zehntausende sein. Sicher ist nur: „Kampfmittelfunde werden die Stadt Köln und die Bevölkerung auch in diesem und in den kommenden Jahren beschäftigen“, betont Baumanns.

Fliegerbomben in Köln: Wo 2022 Blindgänger entdeckt wurde

Köln: Wo 2021 Fliegerbomben in Köln entdeckt wurden – Überblick

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