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Flugzeug stürzte auf dem Weg nach Köln in die Ostsee: Cessna wird nicht geborgen

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Von: Mick Oberbusch

Die Cessna 551, mit der der Kölner Peter Griesemann am 4. September 2022 über der Ostsee abstürzte, wird nicht gebogen.

Köln – Der tragische Flugzeugabsturz von Peter Griesemann über der Ostsee am 4. September 2022 beschäftigt nicht nur weiterhin Bürgerinnen und Bürger in Köln, sondern auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Diese veröffentlichte vor Kurzem einen Zwischenbericht zu der Tragödie, die neue Details enthüllt. Doch nun ist auch klar: Weitere Erkenntnisse durch die Bergung der Maschine aus der Ostsee werden nicht hinzukommen. „Wir haben entschieden, das Luftfahrzeug nicht zu bergen, weil keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind“, sagte ein BFU-Sprecher am 30. November.

Flugzeugabsturz über der Ostsee
Datum4. September 2022, Absturz um 19:45 Uhr deutscher Zeit
MaschineCessna 551 mit der Kennung „OE-FGR“
Menschen an Bord4

Tragischer Flugzeugabsturz über der Ostsee: Druckverlust in der Kabine

Cessna eingeklinkt, Radarbild Absturz Griesemann über der Ostsee (Montage).
Die Cessna 551 (hier ein Symbolbild) von Peter Griesemann stürzte am 4. September 2022 über der Ostsee ab – wird jedoch nicht geborgen (IDZRW-Montage). © Kevin Hackert/Imago & Helmut Fohringer/dpa

Der am 29. November 2022 veröffentlichte Zwischenbericht legt nahe, dass Druckverlust in der Kabine zur Handlungsunfähigkeit des Piloten Peter Griesemann geführt habe. Das Flugzeug sei in nordöstliche Richtung weitergeflogen, bis es vor der Küste Lettlands in die Ostsee stürzte, so die BFU. Westlich der lettischen Hafenstadt Ventspils fiel es ins Meer. Rettungskräfte hatten Überreste der Unglücksmaschine etwa 200 Meter vom ursprünglichen Suchort in einer Tiefe von etwa 60 Metern gefunden. Hoffnung auf Überlebende gab es nicht mehr.

Flugzeugabsturz Ostsee: Peter Griesemann sprach von Problemen mit Druckausgleich

Die BFU schrieb weiter, der Pilot habe gegen Mittag über Funk an die Flugsicherung in Madrid Probleme mit der Klimaanlage und dem Druckausgleich gemeldet und um Genehmigung gebeten, die Höhe schnell zu verlassen. Während dieses Funkspruchs seien deutliche Hintergrundgeräusche zu hören gewesen, dann habe der Pilot nicht mehr geantwortet. Fotoaufnahmen zeigen das Flugzeug sowie den handlungsunfähigen Piloten und seine an ihrem Platz im Cockpit hängende, unbenutzte Sauerstoffmaske.

Die letzten Minuten in der Cessna 551

 14:57:00 Uhr (deutscher Zeit): Das Flugzeug startet auf der Piste 20 des Flughafen Jerez in Spanien zu einem privaten Flug zum Flughafen Köln/Bonn.

 15:30:00 Uhr: Die Maschine erreicht die geplante Reiseflughöhe.

► 15:30:26 Uhr: Der Pilot meldet sich bei der spanischen Flugsicherung und wünscht einen schönen guten Nachmittag, noch ist alles in Ordnung.

15:42:14 Uhr: Der Pilot meldet sich beim Lotsen und berichtet von einem Problem mit der Klimaanlage; fordert sofortigen Sinkflug an. Auf Rückfrage antwortet der Pilot: „Wir haben ein Problem mit der Klimaanlage, eh, Druckverlust“. Währenddessen sind deutliche Hintergrundgeräusche zu vernehmen.

► 15:42:46 Uhr: Der Lotse erbittet vom Piloten noch einmal eine Bestätigung seiner Sinkflug-Anfrage. Darauf antwortet der Pilot allerdings nicht mehr. Auch weitere Anfunk-Versuche in der Folge verlaufen erfolglos.

► 16:06:55 Uhr: Die spanische Flugsicherheit funkt den Sektor des französischen Flugsicherheitskontrollbezirks in Bordeaux an und informiert darüber, dass man den Funkkontakt zur Cessna verloren habe.

► 16:16:23 Uhr: Die Cessna 551 dringt in den französischen Luftraum ein. Jagdflugzeuge werden alarmiert und fliegen der Maschine hinterher. Um 16:22:00 erreicht eines der alarmierten Flugzeuge die in konstanter Höhe in nordöstliche Richtung fliegende Maschine von Griesemann. Diesen entdecken die beobachtenden Piloten „handlungsunfähig“ auf seinem Sitz, neben ihm baumelt eine unbenutzte Sauerstoffmaske.

► 17:43:00 Uhr: An der luxemburgisch deutschen Grenze kurvt das Flugzeug nach Norden und dreht anschließend nach Nordosten, in Richtung Zielflughafen Köln/Bonn. Südlich Euskirchen, dreht das Flugzeug und fliegt in nordöstliche Richtung weiter.

► 18:50:00 Uhr: Das Flugzeug verlässt den deutschen Luftraum und wird nachfolgend von dänischen und schwedischen Alarmrotten sowie schließlich von Piloten einer in Estland stationierten Alarmrotte der NATO begleitet. Sämtliche Anfunk-Versuche schlagen bereits seit Stunden fehl.

► 19:30:00 Uhr: Die Cessna 551 geht in einen Sinkflug über.

► 19:45:00 Uhr: Nach einem spiralförmigen Sinkflug stürzt die Maschine in die Ostsee.

Cessna stürzte über der Ostsee ab – Pilot Peter Griesemann mit über 1700 Stunden Flugerfahrung

Peter Griesemann: Pilot der abgestürzten Cessna und ehemaliger Funken-Präsident

► Er war von 2014 bis 2018 Präsident der Blauen Funken.

► Von 2000 bis 2014 war er Senatspräsident des Traditionskorps.

► Zuletzt wurde er zum Ehrenpräsidenten der Karnevalsgesellschaft ernannt.

►  Außerdem setzte sich Griesemann für den Ausbau des Funken-Turms in Köln ein und war Vorstandsmitglied des Festkomitees.

Die Cesna flog immer weiter über Köln in Richtung Ostsee, die deutsche Luftwaffe begleitete sie. Am Abend begann der unkontrollierte Sinkflug. Eine Black Box mit Stimmbandaufzeichnung und Flugschreiber ist für das Modell nicht vorgeschrieben. Der Pilot hatte eine Flugerfahrung von etwa 1700 Stunden, einer der Fluggäste war vor Jahren im Besitz einer Lizenz für Berufspiloten, wie die BFU schrieb. Zu seiner Trauerfeier im Dom Mitte September 2022 kamen hunderte Menschen. (mo mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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