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Massiver Stellenabbau bei Ford: Reker bietet Hilfe an – doch das gefällt nicht jedem

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Von: Johanna Werning

Tausenden Jobs bei Ford in Köln droht das Aus. Oberbürgermeisterin Reker hat an das Management eine besondere Forderung. Für eine Formulierung gibt es Kritik.

Köln – Bereits am Wochenende befürchteten Tausende Ford-Angestellte, dass das Unternehmen Jobs streichen könnte. Am Montag dann die tatsächliche Hiobsbotschaft. Bis zu 3200 Stellen könnten laut Betriebsrat abgebaut werden. Während sich das Unternehmen noch nicht zu dem massiven Stellenabbau äußern will, meldet sich nun Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Ein Logo von Ford steht auf dem Werksgelände in Köln. Im Vordergrund Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.
Kölns Oberbürgermeisterin meldet sich zum drohenden Stellenabbau bei Ford (IDZRNRW). © Oliver Berg/dpa

Massiver Stellenabbau bei Ford droht: Reker bietet Hilfe an – doch das gefällt nicht jedem

„Ich stehe mit dem Kölner Ford-Management in Kontakt und habe die konstruktive Hilfe der Stadt Köln angeboten“, schreibt Reker auf Twitter. „Das Ziel muss lauten, möglichst viele Stellen in Köln zu erhalten. Sollte es zu einem Stellenabbau kommen, erwarte ich von Ford, dass er sozialverträglich abläuft.“ Wie genau das aussehen soll, schreibt die Oberbürgermeisterin nicht.

Und genau das sorgt für Kritik: „Stellenabbau ist nie sozialverträglich. Die Leute verlieren ihren Job und es gibt kaum Ersatz“ und „Einer ihrer vielen unsäglichen Worthülsen – wie sieht denn ihr sozialverträglicher Stellenabbau aus Frau Reker?“

Massiver Stellenabbau bei Ford droht: Bis zu 3200 Jobs betroffen

Der drohende Stellenabbau bei Ford ist massiv: Fast jeder 4. Arbeitnehmer könnte seinen Job verlieren. „Die Kollegen sind wirklich in großer Sorge – verunsichert und wütend“, sagt Dr. Paul Hecker von der IG Metall gegenüber 24RHEIN. „Wir müssen vom Schlimmsten ausgehen.“ Allein bei den Ford-Werken in Köln (Stadtbezirk Köln-Nippes) könnten 3200 der 14000 Jobs wegfallen.

Besonders bitter für die Arbeitnehmer: Das Unternehmen selbst schweigt zu den genauen Plänen, so der Vorwurf der IG Metall weiter. Die konkreten Zahlen seien am Montag bei der Betriebsversammlung vom Betriebsrat genannt worden, nicht vom Unternehmen, so Dr. Hecker weiter.

Großer Stellenabbau bei Ford in Köln droht: Hier sollen Stellen gestrichen werden

► Der Betriebsrat spricht in Köln insgesamt von 3200 gestrichenen Stellen.

► Im Forschungszentrum Köln-Merkenich sollen 2500 von insgesamt 3800 Stellen (65 Prozent) abgebaut werden.

► In der Verwaltung sollen 700 Angestellte (20 Prozent) gehen.

► Auch im Ersatzteil-Zentrum ist die Sorge groß, dass Stellen gestrichen werden.

► Im Forschungszentrum in Aachen soll es ebenfalls Entlassungen geben.

Stellenabbau bei Ford: Tausende Stellen betroffen: „Ein Schock für uns alle“

Die Grünen in Köln bedauern die aktuelle Situation sehr, so Fraktionsvorsitzende Christiane Martin. „Wir hoffen, dass dieser erfolgreich ist, damit Ford als Arbeitgeber in Köln erhalten bleibt, auch wenn allem Anschein nach Teile des Entwicklungsbereichs nicht in Köln bleiben sollen.“ Deutlichere Worte findet die SPD: „Über dreitausend gestrichene Stellen sind ein Schock für uns alle in Köln“, sagt Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion in Köln. „Unsere Solidarität gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fordwerke, die nun sorgenvoll in die Zukunft blicken.“

Die Kölner FDP sieht neben der Stadt auch Bund und EU in der Pflicht. „Der Umfang des geplanten Stellenabbaus macht uns fassungslos. Oberbürgermeisterin und Köln Business sind nun gefordert, Kontakt mit den Entscheidungsträgern bei Ford aufzunehmen, um das Schlimmste zu verhindern. Köln muss Industriestandort bleiben“, sagt Volker Görzel von der FDP.

Hintergrund für den Stellenabbau sei, dass Ford Automodelle mit Elektromotor in Zukunft nicht mehr in Europa, sondern in den USA entwickeln lassen will. FDP-Politiker Görzel vermutet, dass das mit den „steuerlichen Anreizen in den USA für E-Mobilität (‚Inflation Reduction Act 2022‘)“ zusammenhängt. „Denn die US-Regierung fördert massiv steuerlich Arbeitsplätze im Bereich E-Mobilität, die in den USA entstehen. Hier muss auf Bundes- und Europaebene möglichst schnell gegengesteuert werden.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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