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Forderung: Taxi-Rabatt für Frauen, um Heimweg in Köln sicherer zu machen

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Von: Johanna Werning

Eine Frau radelt am frühen Morgen über die Hohenzollernbrücke in Köln.
Viele Frauen fühlen sich auf ihrem Heimweg in Köln nicht sicher (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Viele Frauen fühlen sich auf ihrem Heimweg in Köln nicht sicher, vor allem nachts. Das soll sich ändern. München macht es mit dem „Frauen-Nacht-Taxi“ vor.

Köln – Nachts kann sich der eigentlich kurze Heimweg wie eine Ewigkeit anfühlen, vor allem wenn man sich nicht sicher fühlt. Auch in Köln haben wohl die meisten Frauen schon einmal in ihrer Tasche nach einem Gegenstand gewühlt, der im Ernstfall helfen könnte. „Wie in den meisten Großstädten gibt es in Köln ein Problem mit dem Sicherheitsgefühl von Frauen. Insbesondere im Dunkeln fühlen sich viele Frauen im öffentlichen Raum nicht sicher“, sagt Christina Dumstorff, Sprecherin für Gleichstellung der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln, gegenüber 24RHEIN.

Heimweg in Köln für Frauen nicht sicher genug: „Es bedarf weitere Konzepte“

Die angekündigte Einschränkung der nächtlichen Beleuchtung droht dieses noch weiter zu verstärken.“ Immerhin wird seit einigen Wochen die Straßenbeleuchtung in Köln um 50 Prozent reduziert. Das macht viele dunkle Ecken in Köln – wie zum Beispiel den Grüngürtel, den Volksgarten oder Trampelwege zu KVB-Haltestellen noch unheimlicher. „Daher braucht es unserer Meinung nach weitere Konzepte, um Frauen einen sicheren Heimweg zu gewährleisten“, so die FDP-Sprecherin für Gleichstellung in Köln.

Zwar gibt es erste Konzepte in Köln, die bereits laufen, wirklich ausgebaut sei das Angebot für Kölnerinnen aber noch nicht, betont Dumstorff weiter. Das gelte zum Beispiel für das Pilotprojekt der KVB: „ISI ist als Art ‚Fahrgemeinschaft‘ konzipiert. Eine Beförderung nur von Einzelpersonen ist nicht möglich. Aus diesem Grund bedarf es unserer Meinung nach noch weiterer Angebote, um eine sichere Beförderung in der Nacht zu gewährleisten.“

Sicherer Heimweg für Frauen in Köln: Welche Angebote gibt es bereits?

ISI ist eine Art Fahrgemeinschaft der KVB: Nutzerinnen und Nutzer können dabei tags- und nachtsüber eine Mitfahrt in dem Elektroauto buchen. Das Angebot gilt allerdings nicht in allen Kölner Stadtteilen.

► „Edelgard schützt“: Eine Kampagne von der „Kölner Initiative gegen sexualisierte Gewalt“. Dabei arbeiten Restaurants, Bars, Kneipen und Geschäfte in ganz Köln zusammen und dienen bei akuter Bedrohung oder in unsicheren Situationen als sicherer Raum. Mitmachende Läden haben ein entsprechendes Logo am Fenster hängen.

► Das Heimwegtelefon: Das Heimwegtelefon ist eine Telefonhotline in Deutschland. Der Service kann genutzt werden, wenn man sich auf dem Heimweg unwohl fühlt. Pro Nacht rufen zwischen 20 und 30 Personen an. Die Telefonnummer lautet 030 12074182. Der Anruf kostet die Telefongebühren, die der Mobilfunkanbieter für einen Anruf ins deutsche Festnetz verlangt.

► Verschiedene Apps: Außerdem gibt es verschiedene Apps, mit denen sich Frauen auf dem Heimweg sicherer führen sollen. Darunter „WayGuard“ (läuft nur noch 2022), bei dem man online nach einem Wegbegleiter suchen kann oder „Vivatar“ und „ KommGutHeim“, bei denen der Standort mit Freunden geteilt wird.

„Frauen-Nacht-Taxis“: München zahlt für sicheren Heimweg für Frauen

Dabei machen andere Städte wie München es bereits vor: Die Stadt bietet Gutscheine für sogenannte Frauen-Nacht-Taxis an. Zwar wird nicht die gesamte Fahrt bezahlt, die Stadt bezuschusst mit dem Pilotprojekt jedoch die nächtliche Heimfahrt für Frauen mit 5 Euro pro Fahrt. Jede Frau ab 16 Jahren kann sich die entsprechenden Taxifahrt-Gutscheine in Bürgerbüros, in Sozialbürgerhäusern, bei der Gleichstellungsstelle und bei der Stadtinformation abholen. Die Bons können dann zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens eingelöst werden.

„Taxi-Gutscheine für Frauen sehen wir als Chance, um eine sichere und verlässliche ‚On Demand‘-Alternative für den Heimweg zu schaffen und diese für Frauen finanziell auch attraktiver zu gestalten“, sagt die Sprecherin für Gleichstellung der FDP-Fraktion in Köln weiter.

Taxi-Rabatt für Frauen in Münche: Auch in Köln denkbar?

Darum habe die Partei Anfang September eine entsprechende Anfrage gestellt. Dabei soll zum einen geschaut werden, wie das KVB-Projekt ISI aktuell genutzt und wie es ausgebaut werden könnte. In der FDP-Anfrage wird aber auch gefragt, ob Köln bereits im Austausch zum sogenannten „Frauen-Nacht-Taxi“ mit München steht.

Wichtig allerdings: Auch bei den „Frauen-Nacht-Taxis“ ist der sicherere Heimweg nicht kostenlos, er wird lediglich von der Stadt mitfinanziert. „Kostenlose Beförderungsmöglichkeiten sind derzeit nicht im Gespräch“, erklärt Dumstorff weiter. Hier kommen allerdings andere Angebote zum Einsatz, so die FDP-Politikerin.

Zum Beispiel die Kampagne „Edelgard schützt“ von der „Kölner Initiative gegen sexualisierte Gewalt“. Dabei arbeiten Geschäfte, Bars, Restaurants und zum Beispiel Apotheken zusammen. „Mit ‚Edelgard schützt‘ finden Frauen bei Belästigung und akuter Bedrohung Orte, wo sie durchatmen und ihre nächsten Schritte planen können“, heißt es auf der Internetseite der Kampagne. Auch dieses Angebot soll unter anderem ausgebaut werden, damit der Heimweg für Frauen in Köln künftig sicherer ist, betont Dumstorff

Erst Anfang September hat ein Fall in Köln für Entsetzen gesorgt, bei dem eine Frau nachts von einem Unbekannten im Belgischen Viertel in ihren Hausflur gedrängt und vergewaltigt wurde. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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