1. 24RHEIN
  2. Köln

„Gaffel Wiess“ jetzt auch in Flaschen im Supermarkt – auf das Glas achten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Henning

Gaffel-Boss Heinrich Becker präsentiert das Wiess in der Flasche.
Gaffel-Boss Heinrich Becker präsentiert das Wiess in der Flasche. © Privatbrauerei Gaffel

Die Bierspezialität Wiess erlebt eine Wiederauferstehung. Gaffel hat sein Ur-Kölsch letztes Jahr in die Gastronomien gebracht. Seit Montag , 15.03.2021 gibt es das Bier auch im Supermarkt.

Köln – Der Kölner trinkt am liebsten Kölsch, das ist klar. Aber nur wenige wissen, dass es einen Vorgänger hat: das Wiess. Genauso süffig, aber ungefiltert und naturtrüb. Als die Brauerei Sünner 1906 in Kalk das erste Kölsch braute, begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Mit dem Siegeszug des gefilterten Bieres geriet das Wiess aber immer mehr in Vergessenheit.

Köln: Gaffel bringt Wiess in die Supermärkte – zuvor nur in 100 Lokalen erhältlich

Doch seit einigen Jahren erlebt das Wiess eine Wiederauferstehung, ausgelöst durch den Craft-Beer-Hype. In Köln kann man die traditionelle Biersorte zum Beispiel im Hellers Brauhaus trinken. Die Kölner Brauerei Gaffel stieg auch ins Geschäft ein und brachte ihre Version im Juni 2020 als Fassbier in die Gastronomie.

Der Corona-Lockdown grätschte dem Unternehmen zwar dazwischen, aber zumindest von Juni bis Ende Oktober konnten etwa 100 Lokale das naturtrübe Bier ausschenken. „Da, wo es verkauft wurde, ging es richtig ab“, berichtet Gaffel-Presseprecher Michael Busemann im Gespräch mit 24RHEIN. In einem Biergarten im Rheinauhafen sei das Wiess in diesem Zeitraum sogar noch häufiger verkauft worden als Kölsch. „Immer wieder kam die Frage auf: Kann man das auch für Zuhause kaufen?“

„Gaffel Wiess“: Ur-Kölsch gibt es jetzt auch als Flaschenbier in Köln zu kaufen

Wegen der positiven Rückmeldung der Gäste und weil noch unklar ist, wann die Kneipen und Bars wieder öffnen, hat Gaffel jetzt Nägel mit Köpfen gemacht: Das „Gaffel Wiess“ gibt es ab Montag, den 15. März, als Flaschenbier in Supermärkten und Discountern zu kaufen. Dort soll es ganzjährig verfügbar sein.

Busemann möchte nicht verhehlen, dass der Hype um „ursprüngliches“ Bier der Brauerei in die Karten spielt. „Wir haben seit längerem eine Welle von naturtrüben Bieren, auch bayrische Biere kommen wieder“, sagt er. Mit dem Wiess habe man das Ur-Kölsch praktisch vor der Haustür gehabt.

Bevor Gaffel das Wiess auf den Markt bringen konnte, musste das Unternehmen allerdings eine bürokratische Hürde überwinden. Denn die Markenrechte lagen noch beim „Haus kölscher Brautradition“, das früher das „Kölner Wieß“ von Küppers produzierte. „Wir haben uns ohne Diskussionen mit Küppers geeinigt“, sagt Pressesprecher Busemann. „Ohne, dass wir dafür etwas bezahlen mussten. Im freundschaftlichen Austausch geht es ja auch.“

Basisinformationen Gaffel Wiess

Kölner Wiess trinkt man aus Glaskrügen, nicht Stangen

Übrigens: Wer das Wiess „korrekt“ trinken möchte, der füllt es nicht in Kölsch-Stangen, sondern in einen kleinen Glaskrug. So schenken auch die Lokale das Bier aus. Der Glaskrug kombiniert das Aussehen der Steinkrüge, die früher benutzt wurden, mit dem zylindrischen Look der Kölsch-Stange.

Ein Glaskrug mit Wiess auf einer Theke.
In solchen Glaskrügen wird das Wiess in den Brauereien ausgeschenkt. © Privatbrauerei Gaffel

Das hat vor allem traditionelle Gründe. Denn vor der industriellen Revolution konnten man die dünnwandigen Kölschstangen noch nicht fertigen, erst recht nicht in Masse. „Wir wollen uns klar vom Kölsch abgrenzen“, sagt Busemann. „Auch wenn es eine Verwandtschaft gibt, sind es zwei verschiedene Biere.“

Ab Montag kann dann Jeder entscheiden, welches besser schmeckt – und für den Kölner Karneval 2022 vorprobieren.

Auch interessant