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Kölner Karriere-Coach: Warum die Arbeit im Homeoffice vieles verändert hat

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Von: Nina Büchs

Ein Mann arbeitet im Homeoffice.
Während Corona arbeiten einige Arbeitnehmer im Homeoffice. Die Homeoffice-Pflicht wurde jedoch im Juli aufgehoben. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Durch das Coronavirus haben viele Arbeitnehmer im Homeoffice gearbeitet. Das hat laut dem Kölner Karriere-Coach Bernd Slaghuis vieles verändert.

Köln – Das Coronavirus hat nicht nur unser gesellschaftliches Leben, sondern auch die Arbeitswelt grundlegend auf den Kopf gestellt. Wegen hoher Inzidenzwerte blieben Büros monatelang zum Teil geschlossen. Stattdessen wurde im Homeoffice gearbeitet – das hat sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern Spuren hinterlassen und das Miteinander im Job verändert. Zu diesem Schluss kommt der Karriere-Coach Bernd Slaghuis aus Köln. Ihm zufolge hat Corona das Vertrauen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern gestärkt. Auf der anderen Seite haben jedoch viele Menschen im Homeoffice entschlossen, ihren Job zu kündigen und zum Teil einen komplett neuen Beruf auszuüben.

Karriere-Coach über Corona: Das Miteinander im Beruf hat sich verändert

Führungskräfte und Mitarbeiter sind während Corona trotz Distanz oftmals stärker zusammengewachsen“, sagt der Karriere-Coach Bernd Slaghuis. Zwar gibt es auch Ausnahmen, dennoch habe die Corona-Krise gezeigt, dass das Vertrauen in vielen Fällen gestärkt geworden sei. Denn: „In vielen Branchen haben Mitarbeiter und auch ihre Chefs zum ersten Mal komplett im Homeoffice gearbeitet. Auch wenn es für Führungskräfte mitunter ungewohnt war, die gewohnte Kontrolle abzugeben, haben sie gespürt, dass die lange Leine manchmal sogar zu besseren Ergebnissen bei Mitarbeitern geführt hat“, erzählt Slaghuis.

Wie ihm erzählt wurde, habe das Arbeiten im Homeoffice in vielen Fällen gut funktioniert. „Dies wiederum hat Unternehmen gezeigt, dass Führung auch anders geht – und Macht und Kontrolle nicht immer zum Erfolg führen“, sagt der Kölner Karriere-Coach.

Portraitbild von Bernd Slaghius, Karriere-Coach aus Köln.
Der Karriere-Coach Bernd Slaghuis aus Köln. © Armin Zedler

Kolumnist, Gastautor, Blogger: Der Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis

Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis ist Experte für berufliche Neuorientierung. In seinem Kölner Büro hat er seit 2011 über 1.000 Angestellte bei ihrem nächsten Schritt im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog „Perspektivwechsel“ und ist Spiegel-Kolumnist, „XING Insider“ und Gastautor.

Karriere-Coach aus Köln: Deshalb war die Aufhebung der Homeoffice-Pflicht richtig

Dass die Homeoffice-Pflicht Anfang Juli aufgehoben worden ist, hält Slaghuis übrigens für das richtige Signal. „Ich bin der Meinung, dass uns eine gesetzlich verankerte Homeoffice-Regelung nicht mehr Flexibilität verleiht, sondern stärker einschränkend wirken wird. Zudem ist es schwer Grenzen zu definieren – wie legt man zum Beispiel fest, für welche Branchen und Positionen ein Homeoffice-Gesetz gilt, und für welche Arbeitnehmer dies etwa in der Produktion nicht möglich ist?“

Zwar können Unternehmen ihre Mitarbeiter nun theoretisch wieder täglich ins Büro zitieren, Slaghuis hoffe jedoch, dass die Führungskräfte und Unternehmen während der Pandemie dazugelernt haben. „Führungskräfte sollten jetzt auf Basis der noch frischen Erfahrungen gemeinsam mit den Mitarbeitern überlegen, welche Arbeitsmodelle Sinn ergeben und was im Unternehmen umsetzbar ist.“ Auch auf die Bedürfnisse der Angestellten sollte eingegangen werden. Denn laut Slaghuis arbeiten manche Arbeitnehmer im Homeoffice deutlich produktiver, während andere lieber täglich ins Büro fahren, weil ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.“
 

Studie: So viele Arbeitnehmer in NRW wollen weiter im Homeoffice arbeiten

Laut einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen können sich 57 Prozent der Befragten vorstellen, in Zukunft mindestens die Hälfte ihrer Zeit von zu Hause aus zu arbeiten.

Karriere-Coach: Viele Arbeitnehmer haben während Corona ihren Beruf gewechselt

Andererseits hat Bernd Slaghuis während Corona immer wieder erlebt, dass sich Arbeitnehmer im Homeoffice dazu entschieden haben, ihren Job an den Nagel zu hängen. Und das sogar, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch keinen anderen Arbeitsvertrag unterzeichnet hatten. „Ich habe festgestellt, dass es während der Pandemie einen regelrechten Neuorientierungs-Boom gab“, erzählt er. Doch wie lässt sich das erklären? „Viele Arbeitnehmer sind im Homeoffice mehr zur Ruhe gekommen. Durch die Distanz zu ihren Jobs haben sie ihre tägliche Arbeit mehr hinterfragt und reflektiert. Die Krise hat dazu beigetragen, dass viele Mitarbeiter sich gefragt haben: Was ist mir wirklich wichtig in meinem Job? Und wofür mache ich das eigentlich?“, so Slaghuis.
 

„Verhalten der Arbeitgeber hat teilweise zu Unzufriedenheiten geführt“

Er selbst habe Arbeitnehmer erlebt, die dann plötzlich zu dem Schluss gekommen sind, dass das, was sie zuvor jahrelang gemacht haben, nun nicht mehr das Richtige für sie ist. „Zum Teil gab es Menschen, die sich dann einen ganz anderen Beruf ausgesucht haben. Zum Beispiel gab es einen Controller, der lieber stärker mit Menschen arbeiten wollte. Oder eine Verwaltungsangestellte, die während Corona gemerkt hat, dass ihr Kreativität im Beruf fehlt.“

Doch nicht immer wechselten Arbeitnehmer die komplette Branche – einige von ihnen kehrten nur der Abteilung oder dem Unternehmen den Rücken. Denn, so Karriere-Coach Bernd Slaghuis: „Im Hinblick auf das Thema Corona kam es auch immer wieder zu Unzufriedenheiten in Bezug auf das Verhalten des Arbeitgebers. Einige haben den fehlenden Gesundheitsschutz kritisiert, zum Beispiel, weil sie trotz hoher Fallzahlen ins Büro kommen mussten und nicht von zu Hause aus arbeiten durften. Andere waren unzufrieden, weil Kurzarbeiterregelungen ihrer Meinung nach ungerecht waren.“ (nb)

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