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Kölner Hotel-Chef wegen Corona-Absagen in Rage: „Bin es so leid“

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Von: Martin Henning

Hotelchef Dirk Metzner am 10.09.2019 im Lindner Hotel Köln.
Dirk Metzner ärgert sich über viele Corona-Stornierungen. © Eduard Bopp/Imago

Weil viele Weihnachtsfeiern wegen Corona wieder storniert wurden, hat der Kölner Hotel-Chef Dirk Metzner in einem offenen Brief Tacheles geredet.

Köln – Dirk Metzner ist sauer. Richtig sauer. Der Chef vom Lindner-Hotel Köln und seine Crew hatten hart am Corona-Lockdown zu knabbern. Monatelang lag der Hotelbetrieb in der Kölner Innenstadt praktisch auf Eis. Als es endlich wieder losging, taten Metzner und sein Team alles, um den Gästen einen sicheren Aufenthalt zu bieten. Das Hotel investierte viel Geld für Sicherheit und Hygiene, installierte ein Testcenter, alle Mitglieder des Teams ließen sich gegen das Coronavirus impfen.

Die großen Weihnachtsfeiern sollten dringend benötigtes Geld in die Kassen spülen. Doch weil die Corona-Zahlen in Köln zuletzt immer weiter stiegen, entschieden sich viele Unternehmen und Gäste, ihre gebuchten Weihnachtsfeiern doch abzusagen. Grund für Metzner, in einem offenen Brief auf Facebook Dampf abzulassen.

Corona in Köln: Hotelier ärgert sich über abgesagte Weihnachtsfeiern

„Da gibt uns die Politik so einen schönen Baukasten an Instrumenten, damit wir die aber nicht benutzen, schreit man direkt, dass es nicht reichen wird, um die Angst in den Menschen weiter zu fördern. Die sagen dann die X-mas Party ab und wir sind die Doofen, weil wir es wagen, in dieser gefährlichen Notlage nicht das Verständnis zu zeigen, was der Kunde und Gast von uns erwartet“, schreibt Metzner.

„Wir haben diesen, Euren Termin für euch geblockt, einen dieser acht bis zehn Top-Termine, die jeder haben will. Das ist Euer Termin und wir haben Euch versprochen, dass wir alles geben werden, dass ihr den Event haben werdet, den ihr Euch gewünscht habt. Wir haben Zelte aufgebaut, Weihnachtsbuden mit Leben und frischen Speisen mit Euch befüllt... Und dann die Absage...“

Corona-Absagen in Kölner Hotel: Umsatzverlust sechsstellig

60 Prozent der Weihnachtsfeiern, Tagungen und Wochenendreisen seien jetzt schon storniert, sagt Metzner im Gespräch mit 24RHEIN. „Und es wird immer mehr. Jetzt werden auch noch die Buchungen von den Messegästen im Januar storniert. Und das, obwohl die Messe stattfindet.“ Der Umsatzverlust liege im sechsstelligen Bereich.

Trotzdem will der Hotel-Chef seine Mitarbeiter nicht wieder in Kurzarbeit schicken. „Deswegen haben uns nach dem Lockdown schon 20 Mitarbeiter verlassen. Wir mussten neue einstellen. Welches Signal sende ich an meine Mitarbeiter, wenn ich sie wieder in Kurzarbeit schicke? Dann verlassen mich einige Mitarbeiter bei der nächsten Gelegenheit“, sagt Metzner. Die Verluste seien die nächsten Monate auffangbar. „Wir sind ja krisenerprobt.“ Doch wenn es nochmal ein Dreivierteljahr ohne Gäste weitergehe, „muss sich der Staat überlegen, wie er uns wirksamer unterstützen kann als mit den bisherigen Überbrückungshilfen“.

Köln: Hotel plagt sich mit kurzfristigen Absagen herum

Die Stornierungen kämen zwei oder drei Wochen vor der Feier, schreibt Metzner in seinem offenen Brief. „Wir waren ja auch so doof und haben euch partnerschaftlich eine recht kurze Stornofrist zugestanden, weil wir ja alle gemeinsam aus dieser Krise raus wollen.“ Manche wollten auch ganz kurzfristig absagen und appellierten dann an die gemeinsame Partnerschaft, berichtet der Hotel-Chef. „Dass wir in diesen Zeiten alle an einem Strang ziehen müssen, und man ja schließlich nächstes Jahr wieder kommen möchte.“

Dann wird er deutlich: „Ich bin es so so leid, nach all den Monaten und all dem, was wir richtig gemacht haben, wieder das Ende der Nahrungskette sein zu müssen.“ Er schließt sein emotionales Statement mit den Worten: „Und nur mal für Euch zur Info, wenn der Staat die Feiern nicht verbietet, muss er auch keinerlei Ersatzleistung dafür zahlen. Also, wir sind mal schön am Ar...!“

2G-Regel auch in Kölner Restaurants und Hotels

Trotzdem behalte er die gute Laune, sagt Hotel-Chef Metzner im Gespräch mit 24RHEIN. „Erstens, weil ich eine Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern habe. Zweitens, weil wir den Kunden, die nicht abgesagt haben, einen bestmöglichen Aufenthalt bieten möchten. Und drittens bin ich Rheinländer. Wir müssen immer gut gelaunt sein.“ Und dann schickt Metzner noch eine Kampfansage hinterher. „Ich bin 53. Bisher hat mich noch nichts umgehauen. Das wird auch diese Pandemie nicht schaffen.“

Wegen der hohen Corona-Zahlen gilt in NRW gilt seit Mittwoch vielerorts die 2G-Regel, auch bei den touristischen Hotelübernachtungen und im Gastro-Bereich. Die Regelungen treffen nicht überall auf Akzeptanz. Laut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) bedeute dies einen „Quasi-Lockdown“ für die Restaurants. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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