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Künstler dokumentiert auf Fotos die Corona-Melancholie der Kölner Südstadt

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Von: Peter Pauls

Das Coronavirus hat das Leben auf den Kopf gestellt – auch in Köln. Bluesgitarrist Richard Bargel zeigt, wie sich die Pandemie auf die Südstadt ausgewirkt hat.

Die KVB-Haltestelle Severinstraße in Köln.
1 / 8Selbst der Puls des Veedels, die Severinstraße samt KVB-Haltestelle, wirkt während des Coronavirus seltsam verlassen. © Richard Bargel
Ein Mann mit Maske und Hund sitzt auf einem Pöller. Eine Frau mit Rollator geht an ihm vorbei.
2 / 8Soziale Kontakte wurden während des Coronavirus stark eingeschränkt. © Richard Bargel
Ein schwarz-weiß Bild der leeren Severinstraße in Köln.
3 / 8Eigentlich kennt man die Severinstraße in Köln als gut besuchte Fußgängerzone. Vor allem Wochenende tümmeln sich hier die Kölner. Doch während Corona war die Flaniermeile wie ausgestorben. © Richard Bargel
Richard Bargel steht in der Fußgängerzone und spielt Gitarre. Im Vordergrund ein Weihnachtsbaum.
4 / 8Gerade für Straßenkünstler war die Coronazeit alles andere als leicht, die Fußgängerzonen häufig verweist. © Richard Bargel
Zwei verkleidetete Frauen halten ein Schild mit der Aufschrift „Fuck Putin“ hoch.
5 / 8Dennoch halten die Menschen zusammen. Das zeigt sich auch bei der Rosenmontagsdemo gegen den Ukraine-Krieg, bei der 250.000 Menschen teilnahmen. © Richard Bargel
Sänger Gerhard Wilhelm „Gerd“ Köster auf einem Porträt von Richard Bargel.
6 / 8Auch bekannte Gesichter wie den Sänger Gerhard Wilhelm „Gerd“ Köster hat Richard Bargel fotografiert. © Richard Bargel
Ein Foto von Cornel Wachter, ein Bildhauer und Maler aus Köln.
7 / 8Ebenfalls fotografiert wurde Cornel Wachter, ein Bildhauer und Maler aus Köln. © Richard Bargel
Ein Foto von Richard Bargel, der ein Handy in der Hand hält.
8 / 8Insgesamt hat Richard Bargel (hier auf dem Bild zu sehen) rund 1400 Fotos gemacht. © Peter Pauls.

Köln – Kurz vor Ende des dritten Pandemiejahres hat Richard Bargel mir rund 1400 Fotos geschickt. Seit Anfang 2020 hat er sie mit seinem Handy in der Südstadt von Köln geschossen. Bargel ist ein Multitalent. Anerkannt als Bluesgitarrist, schreibt und malt er auch. Das Foto-Tagebuch ist seine Art, mit der Krise umzugehen. Das Virus hat sein Leben, wie das vieler Künstler, auf den Kopf gestellt.

Musiker hält Köln auf Fotos fest – und zeigt leere Straßen während Corona

Keine Auftritte, Rückzug aus dem Ehrenfelder Theater, in das er Arbeit und Herzblut gesteckt hat, lange Zeit keine Konzertabende im Alten Pfandhaus mehr. Ein Hauch von Melancholie liegt über seinen Bildern. Das hat mit den Coronaregeln zu tun, denn selbst eine Severinstraße wirkt öde, wenn sie leer ist. Zum anderen gibt es als Fotograf auch Stimmung vor. Welche Motive und Ausschnitte aus dem Leben wählt er? Bargel ist Anfang 70. Weise, kenntnisreich und altersmilde blickt er durch den Sucher. Entstanden ist eine Bestandsaufnahme.

Hinter einer spiegelnden Glasfläche erkennt man auseinandergenommene Schaufensterpuppen, die wie Zombies wirken. Graffity ist in der grundberuhigten Südstadt noch einmal greller. „Halt die Fresse“ steht auf dem Rollo, das die Kneipe Kajtek verriegelt, „Pandemie, ich kann nie mieh“ auf einer Hauswand und nebenan „Triage, leckens am Arsch.“ Anderes mag man gar nicht wiedergeben.

Musiker Richard Bargel zeigt die Menschen der Kölner Südstadt

Die lakonische Derbheit dieser Stadt spiegelt sich in den Bildern. Ebenso aber auch die kleinen Fluchten. Der Kaffee auf der Straße, die Begegnung, wenn viele ihre vielen Hunde Gassi führen. All die Südstadt-Menschen begegnen einem – Wilfried Schmickler, Gerd Köster, Hans Mörtter, Cornel Wachter oder Ralf Richter sind nur einige. Aber auch die, die man nicht auf den ersten Blick erkennt wie Marion Radtke, die Viva la Diva auf ihrem Harley-Rad, der Psychoanalytiker Wolfram Kreutzfeld oder der Tontechniker Jogi Kreek. Je mehr man blättert, um so stärker erkennt man die Textur des Viertels, das nicht hierarchisch ist und damit für Fluch und Segen dieser Stadt steht.

Ihren Höhepunkt findet die Bilderschau im jüngsten Karneval. Die Menschen lachen wieder, über FFP2-Masken blitzt Lebensfreude in den Augen und „Die Brausen“, Kölns erster weiblicher und maskierter Shanty-Chor, halten ein „Fuck Putin“ empor. Was wie eine Abfolge von Bühnenszenen wirkt, schreibt in der Gesamtschau ein kölsches Stück. Wer den Maestro in seinen Veröffentlichungsplänen unterstützen will, schreibt an ihn (richard.bargel@web.de) oder geht am Filos in der Merowingerstraße vorbei, wo er verlässlich seinen Kaffee trinkt. Haben Sie ein schönes Wochenende! Vielleicht hat Richard Bargels Geschichte Sie auf andere Gedanken gebracht? Trotz aller Rückschläge schaut er optimistisch in die Welt. Dafür danke ich ihm. (pp/IDZRW)

► Bluesgitarrist Richard Bargel ist Sänger und Slidegitarrist, Komponist, Autor, Schauspieler und Sprecher.

► 24RHEIN-Gastautor Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclubs, den Sie hier abonnieren können.

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