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Deutzer Kirmes: Bürgerinitiative sieht „unzumutbare Zustände – Deutz wird überschwemmt“

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Von: Mick Oberbusch

Polizei, Deutzer Kirmes, Wildpinkler
Die Deutzer Kirmes und unter anderem Wildpinkler halten nicht nur die Polizei, sondern auch Anwohnende in Köln auf Trab (Montage). © Axel Heimken/dpa & Jochen Tack/Imago & David Inderlied/dpa

Die Vorfälle auf der Deutzer Kirmes beschäftigen auch die Bürgerinitiative Deutzer Werft. Diese spricht von „unzumutbaren Zuständen“ – und fordert Änderungen.

Köln – Die Deutzer Kirmes ist aktuell auch bei Kölnerinnen und Kölner, die nicht verrückt nach Achterbahnen, Zuckerwatte und Co. sind, Gesprächsthema Nummer Eins. Am Mittwoch (20. April) musste die Kirmes früher schließen, weil es zu voll wurde und Randale sowie Schlägereien gab. Infolgedessen wurde auch der beliebte Familientag gestrichen, was Kirmes-Fans ordentlich auf die Palme bringt. Doch nicht nur die pure Menschenmasse sorgt dort für Probleme: Anwohnerinnen und Anwohner klagen auch über fehlende Parkplätze, ohrenbetäubenden Lärm und „Erleichterungen“ der Besucherinnen und Besucher auf Straßen und in Hauseingängen. So kann es nicht weitergehen, fordert nun die Bürgerinitiative Deutzer Werft.

Deutzer Kirmes: Ausschreitungen in Köln – Bürgerinitiative Deutzer Werft schockiert

24RHEIN erreichte Anwalt Norbert Monßen, der gemeinsam mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern von der Bürgerinitiative am Freitag (22. April) einen regelrechten Brandbrief an Stadt Köln und Pressevertreter verschickte. „Seit über 20 Jahren beobachte ich die Zustände an der Deutzer Kirmes, und was hier in diesem Jahr passiert, ist vorher noch nie dagewesen“, sagt er. Auch die Schausteller sind entsetzt, „wegen Idioten leiden“ zu müssen. „Fast schon natürlich sprechen wir hier von Schlägereien und aggressivem Verhalten auf dem Kirmesplatz, aber uns geht es auch um die Begleiterscheinungen“, erklärt er.

Krawall auf Kirmes in Köln-Deutz: „Gefühl, dass die Kirmes nur noch ein Hintergrundevent ist“

Demnach seien im Kirmes-Umfeld in Deutz (Stadtbezirk Innenstadt) kaum Parkplätze frei, sodass Anwohnerinnen und Anwohner beispielsweise nach der Arbeit stundenlang herumfahren müssten, um eine Abstellmöglichkeit zu finden. Ein weiterer Vorwurf: Die Belästigungen durch Lärm und Abgase seien so hoch, dass Anwohner in dieser Gegend nicht einmal ihre Fenster öffnen könnten. Vom Dreck, den Kirmes-Besucher in den Straßen und Hauseingängen hinterließen, ganz zu schweigen. „Wir haben das Gefühl, dass die Kirmes nur noch ein Hintergrundevent ist, für ein großes Treffen von Jugendlichen, die für Stress sorgen. Das kann doch im Jahr 2022 nicht wahr sein.“

Ausschreitungen auf der Deutzer Kirmes in Köln – folgende Missstände prangert die Bürgerinitiative an

Deutzer Kirmes: Schwere Vorwürfe von Bürgerinitiative

24RHEIN dokumentiert die Vorwürfe und Forderungen der Bürgerinitiative Deutzer Werft zur Deutzer Kirmes.

► Dauerstaus in beiden Richtungen der Siegburger Straße mit entsprechender Lärm- und Abgasbelastung. Für Bewohner auf dem Weg nach Hause gibt es z.T. kein Durchkommen mehr.

► Krawallartige Zusammenballungen von Jugendgruppen mit zum Teil tätlichen Auseinandersetzungen
Geschrei und Pöbeleien durch aggressive Jugendliche.

► Verschmutzung aller Grünanlagen sowie von Straßen und Gehwegen durch Essensreste, Verpackungen und Trinkbecher, Kot, Urin, Erbrochenes.

► Verschmutzungen ähnlicher Art in Hauseingängen, Toreinfahrten und an Hausfassaden, Menschen, die ungeniert ihre Notdurft verrichten, insbesondere in den Grünanlagen.

► Nach Ende der Kirmes (22:00 Uhr) stundenlanges Lärmen, Geschrei und laute Musik von Personen, die sich in den Grünanlagen aufhalten.

► Bis spät in die Nacht Lärm durch aufheulende Motoren, laute Musik und Reifenquietschen von Autoposern.

► Ständig bis in die Nacht zu vernehmende Martinshörner von Polizeifahrzeugen auf dem Weg zu Einsätzen in dem gesamten Bereich Siegburger Str. / Deutzer Werft.

► Drangvolle Enge auf dem Herbert-Liebertz-Weg, wo sich die Menschenmassen beim Betreten bzw. Verlassen des Kirmesgeländes stauen.

► Parkplatz-Chaos. Es gibt keinen für eine solche Veranstaltung hinreichenden Parkraum. Dabei wirkt sich erschwerend aus, dass erst kürzlich eine große Zahl von Parkplätzen entlang der Tempelstraße weggefallen ist (dies in einem Stadtteil, der bereits durch die Veranstaltungen in der Lanxess Arena und in der Messe extrem belastet ist).

► Falschparker, die im absoluten Haltverbot oder vor Einfahrten stehen, ohne dass dies ausnahmslos geahndet wird.

Die große Frage: Was kann gegen die von Anwalt Monßen formulierte „Verrohung“ der Kirmes unternommen werden? „Die Polizei hat die Situation dort genau im Blick und bereits am Donnerstag (21. April) verstärkte Präsenz gezeigt“, so Monßen. Dennoch werde man sich wahrscheinlich Ende Mai noch einmal mit allen Beteiligten zusammensetzen, um das weitere Vorgehen bei künftigen Kirmes-Veranstaltungen in Köln zu besprechen. Denn auch wenn der Festplatz der Deutzer Kirmes an der Werft explizit für solche Veranstaltungen ausgewiesen wurde, könne es so nicht weitergehen. „Deutz wird regelrecht überschwemmt“, sagt er.

Deutzer Kirmes: Wie reagiert die Stadt Köln auf die Probleme? Künftig Kirmes an anderem Standort?

Die Alternativen? „Man müsste sich überlegen, ob man die Kirmes noch einmal dort stattfinden lässt oder möglicherweise nach Alternativ-Standorten sucht. Oder, ob man sie nach dem Muster eines Freizeitparks vielleicht einzäunt und so den Zustrom besser regulieren kann“, meint Monßen. Für eine öffentliche Kirmes eigentlich ein trauriger Schritt. Nach den Vorkommnissen in Deutz jedoch scheinbar einer ohne große Alternative. (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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