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Mann mit Kippa mitten in Köln angegriffen: „Kein Jahr vergeht ohne antisemitische Gewalt“

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Von: Johanna Werning

Links: Menschen gehen dicht gedrängt durch die Fußgängerzone (Schildergasse) in Köln. Rechts: Ein Teilnehmer der Gedenkveranstaltung trägt eine Kippa mit dem Davidstern.
In Köln kam es am Freitag zu einem antisemitischen Vorfall in der Innenstadt (IDZRW-Montage) © Oliver Berg/dpa & Christian Charisius/dpa

In Köln ist ein Mann mit Kippa ins Gesicht geschlagen worden. Kein Einzelfall, wie Daniel Vymyslicky von der Fachstelle antisemitische Vorfälle sagt.

Köln – Antisemitische Vorfälle passieren in Köln und anderen Städten in NRW und Deutschland auch heute immer wieder. „Leider passieren solche Übergriffe in erschreckender Regelmäßigkeit: kein Jahr vergeht ohne antisemitische Gewalt in Köln“, sagt Daniel Vymyslicky von der Fachstelle antisemitische Vorfälle in Köln im Gespräch mit 24RHEIN. Allein im vergangenen Jahr wurden 55 antisemitische Vorfälle in der Stadt von der Fachstelle dokumentiert.

Antisemitischer Vorfall in Köln: Mann mit Kippa angegriffen – dabei wollte er nur helfen

Ob antisemitische Flyer in der KVB oder Angriffe auf Jüdinnen und Juden: Immer wieder kommt es zu solchen Vorfällen – zuletzt sogar mitten in der Fußgängerzone. Am Freitagabend, 28. Oktober, wurde ein 22-jähriger Iraker jüdischen Glaubens von zwei Männern angegriffen.

Dabei wollte der Kippaträger gegen 19 Uhr einem Ladendetektiv auf der Schildergasse helfen. Der Detektiv beobachte einen Mann in Begleitung eines weiteren Mannes beim Diebstahl. Als die beiden Männer (25 und 27 Jahre alt) das Geschäft verlassen wollten, überwältigte der Ladendetektiv sie und bat Umstehende um Hilfe, berichtet die Polizei. Daraufhin kam es zum antisemitischen Vorfall.

„Als der Iraker der Bitte nachkam, soll einer der beiden syrischen Tatverdächtigen ihn mit Blick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt beleidigt haben“, teilt die Polizei Köln mit. Außerdem soll der 25-Jährige dem Kippaträger mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Daraufhin wurde er von der Polizei zeitweise festgenommen. Nach dem 27-Jährigen, einem in Bremen gemeldeten Syrer, wird derzeit gefahndet.

Das passiert, wenn ein Vorfall bei der Fachstelle antsemitische Vorfälle in Köln gemeldet wurde

► Bei der Meldestelle können antisemitische Vorfälle gemeldet werden. Das ist auch online unter dem Meldeportal möglich. Wie genau der weitere Verlauf ist, hängt vom konkreten Vorfall ab.

► Grundsätzlich will die Meldestelle jedoch konkrete Hilfe anbieten oder vermitteln, beispielsweise in Bezug auf eine rechtliche oder psychosoziale Beratung. Dafür ist die Fachstelle gleichzeitig auch als eine Beratungsstelle für Betroffene von Antisemitismus eingerichtet.

► Bei antisemitisch motivierten Straftaten unterstützt die Meldestelle bei der Strafanzeigenstellung und der Suche nach Rechtsbeistand

► Bei antisemitische Graffitis sorgt die Fachstelle dafür, dass die Symbole schnellstmöglich entfernt werden.

► Bei antisemitischen Vorfällen in der Schule bietet die Fachstelle spezielle Workshops und Fortbildungen für Schulklassen an.  

Antisemitischer Vorfall in Köln sind keine Einzelfälle – und das kann Folgen haben

Aktuell laufen die Ermittlungen noch zum Vorfall in der Kölner Innenstadt. Auch der Staatsschutz ermittelt. Weitere Details sind noch nicht bekannt. Auch wie schwer der 22-Jährige verletzt worden ist, ist nicht bekannt. Bei der Fachstelle für antisemitische Vorfälle wurde der Vorfall derzeit noch nicht gemeldet (Stand: Montag, 31. Oktober). Doch das sei wichtig, wie Vymyslicky betont.

Vorfälle wie auf der Schildergasse können sich „ganz konkret auf das Verhalten von Kölner Jüdinnen und Juden auswirken, etwa indem die Kippa nur noch unter einer Mütze oder die Davidsternkette nur noch unter der Kleidung getragen wird“, sagt Vymyslicky.

Und das wirkt sich auf die gesamte Kölner Gesellschaft aus. „Das eigentlich überaus lebendige Judentum in Köln wird durch solche Angriffe weiter unsichtbar gemacht“, erklärt Vymyslicky. „Umso wichtiger ist es, dass Zeuginnen und Zeugen solcher Taten beherzt eingreifen, Hilfe holen und sich mit Betroffenen solidarisieren!“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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