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Kippa-Träger angegriffen – Gemeindemitglieder „fühlen sich nicht mehr sicher“ in Köln

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Von: Nina Büchs

Ein Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am Hannoverschen Bahnhof in Hamburg trägt eine Kippa mit dem Davidstern.
In Köln ist ein Mann, der eine Kippa trug, bei einem Angriff schwer verletzt worden. (Symbolbild) © Christian Charisius /dpa

Ein Mann (18) der eine Kippa trug, wurde in Köln antisemitisch beleidigt und angegriffen. Ein Mitarbeiter der Meldestelle für Antisemitismus spricht von einer „neuen Dimension“.

Köln – Nach der brutalen antisemitischen Attacke auf einen 18-jährigen Kölner, ist die Bestürzung in der als weltoffenen und tolerant geltenden Stadt Köln groß. Daniel Vymyslicky, Mitarbeiter der Meldestelle für Antisemitismus in Köln sprach in diesem Zusammenhang von einer „neuen Dimension“.

Antisemitische Attacke: „Vorfälle häufen sich“ – neue Dimenson von Antisemitismus in Köln?

„Mein Gefühl ist, dass sich solche Vorfälle in Köln häufen und eine neue Dimension annehmen“, sagte Daniel Vymyslicky nun gegenüber 24RHEIN. Seit März 2021 erhebt die Meldestelle für Antisemitismus Daten zu antisemitischen Vorfällen in Köln. „Bei uns sind bislang mehrere Vorfälle mit Straftatbestand eingegangen“, so Vymyslicky. Ein Gesamtbild, wie sich Antisemitismus in Köln entwickelt und äußert, könne aktuell jedoch noch nicht gegeben werden, da die wissenschaftliche Datengrundlage noch nicht ausreichend sei, so Vymyslicky.

Seit zwei Jahren gibt es auch eine Bildungsstelle im Zusammenhang mit Antisemitismus in Köln, erzählt Vymyslicky weiter. „Es wurden dabei viele Interviews mit Jüdinnen und Juden in Köln geführt. Viele haben Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht. Diejenigen, die eine Kippa tragen, berichteten zum Beispiel, dass sie über ihrer Kippa eine Käppie tragen, oder in der Bahn weit hinten einzusteigen, um nicht aufzufallen“, so Vymyslicky.

Köln: Synagogen-Gemeinde ist entsetzt – „Mitglieder fühlen sich nicht mehr sicher“

Die Synagogen-Gemeinde Köln zeigte sich nach der antisemitischen Attacke „in höchstem Maße entsetzt“ über den Angriff auf das jüdische Gemeindemitglied. Immer wieder käme es vor, dass Personen angegriffen werden, nur weil sie als jüdisch identifiziert werden, heißt es in einem Pressestatement.

Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Köln fühlen sich nicht mehr sicher in ihrer Stadt. Wir erwarten von der Polizei, den Staatsanwaltschaften und den Richtern in diesem Land, dass mit der nötigen Härte des Gesetzes gegen antisemitische Exzesse vorgegangen wird“, so Dr. Felix Schotland, Mitglied des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Köln.

Das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana stehe kurz bevor. Die Mitglieder der Synagogen-Gemeinde erwarten nun Sicherheit, damit sie das Fest unbeschwert feiern können, hieß es weiter.

Antisemitische Attacke in Köln: Polizei ermittelt

Nach der brutalen Attacke auf den 18-Jährigen, der eine Kippa trug und am Freitagabend in der Parkanlage am Kaiser-Wilhelm-Ring angegriffen wurde, sind die Ermittlungen noch im vollen Gange. Einenhalb Stunden nach der Tat gelang es der Polizei zwei Tatverdächtige festzunehmen. Sie wurden auf Aufnahmen der polizeilichen Videoüberwachung auf den Kölner Ringen erkannt.

„Wir haben die beiden 18- und 19-jährigen Tatverdächtigen vernommen, zum Tathergang äußerten sie sich jedoch nicht“, so ein Sprecher gegenüber 24RHEIN. Inzwischen befinden sich die beiden wieder auf freiem Fuß, so der Sprecher. Die Ermittlungen laufen jedoch weiter. „Aktuell wird das Videomaterial ausgewertet“, so der Sprecher. Damit hoffe man, die weiteren Personen aus der etwa zehnköpfigen Gruppe identifizieren zu können.

Köln: 18-Jähriger mit Kippa von Gruppe beleidigt und angegriffen – das ist passiert

Freitagabend saß der 18-Jährige mit einem Bekannten in der Parkanlage am Kaiser-Wilhelm-Ring in Köln. Als sie gerade gehen wollten, kam eine Gruppe auf sie zu. Als er von ihnen antisemitisch beleidigt wurde, fragte der junge Kölner nach dem Grund. Daraufhin sei er aus der Gruppe heraus geschlagen und getreten worden, einer der Täter riss ihm schließlich die Kippa vom Kopf, hieß es am Sonntag. Der 18-Jährige wurde mit seinem Nasen- und Jochbeinbruch in einem Krankenhaus behandelt. Weil die Polizei einen antisemitischen Hintergrund für die Tat annimmt, ermittelt nun der polizeiliche Staatsschutz.

Köln: OB Henriette Reker zeigt sich bestürzt

Entsetzt zeigte sich auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.„Antisemitische Übergriffe werden in unserer Stadt nicht geduldet“, sagte sie. „In unserer Stadt muss jeder und jede angstfrei leben können, egal welcher Religion man angehört, welche Weltanschauung man hat und wie man lebt und liebt.“ Weltoffenheit gehöre zu Köln, daher schmerzen solche Übergriffe hier ganz besonders, so Reker weiter.

Die SPD Köln twitterte: „Wir stehen solidarisch an der Seite jüdischer Menschen in Köln – Antisemitismus darf in unserer Stadt mit ihrer 1700-jährigen jüdischen Geschichte keinen Platz haben!“

Köln: Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung lobt schnellen Ermittlungserfolg der Polizei

Auch der Antisemitismusbeauftrage der Bundesregierung, Felix Klein, hat sich inzwischen zum Vorfall in Köln geäußert. „Ich bin entsetzt über diesen schrecklichen und feigen Angriff auf einen jungen Mann, der offenbar aufgrund antisemitischer Motive aus einer Gruppe heraus heftig angegriffen und dabei schwer verletzt wurde“, sagte Klein am Montag in Berlin.

Klein lobte in diesem Zusammenhang aber auch den „schnellen Ermittlungserfolg der Polizei“, da zwei der mutmaßlichen Täter bereits wenige Stunden nach der Tat festgenommen werden konnten. Er wünsche den jungen Mann eine schnelle Genesung, so Klein weiter. „Zugleich hoffe ich, dass die mutmaßlichen Täter, die offenbar erst 18 und 19 Jahre alt sind, geeigneten Schulungsprogrammen zugeführt werden, in denen ihnen die Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit und unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung vermittelt werden“, sagte Felix Klein. (nb mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde am 23. August aktualisiert. Neuerung: Statement der Synagogen-Gemeinde Köln eingefügt.

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