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Bußgottesdienst im Kölner Dom: Kirche bekennt Schuld für Missbrauch

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Der Kölner Dom, aufgenommen bei Nacht am 27.11.2009.
Im Kölner Dom findet ein Bußgottesdienst statt (Symbolbild). © Oliver Berg/dpa

Kardinal Woelkis Vertreter Rolf Steinhäuser wird aktiv: In einem Bußgottesdienst will er um Vergebung bitten. Das stößt auch auf Kritik.

Köln – In einem Bußgottesdienst will das Erzbistum Köln am Donnerstag (11 Uhr) die Schuld der Kirche beim sexuellen Missbrauch durch Priester anerkennen. Den nicht öffentlichen Gottesdienst im Kölner Dom wird der derzeitige Vertreter von Kardinal Rainer Maria Woelki zelebrieren, der Apostolische Administrator Rolf Steinhäuser. Woelki befindet sich in einer mehrmonatigen Auszeit.

Steinhäuser wolle stellvertretend um Vergebung für die Fehler des Erzbistums Köln bitten, hieß es in einer Mitteilung. „Mit dem Bußgottesdienst bekennen wir unsere Schuld gegenüber dem Herrn, aber auch den Betroffenen gegenüber. Ihnen ist durch sexualisierte Gewalt immenser Schmerz und großes Leid zugefügt worden“, wird der Weihbischof zitiert.

Missbrauchsskandal in Köln: Betroffene äußern Kritik

Der Betroffenenbeirat, in dem Opfer von kirchlichem Missbrauch organisiert sind, hat den Gottesdienst mit vorbereitet. „Wir sind komplett miteinbezogen worden und froh darüber, dass Weihbischof Steinhäuser als derzeitiger Chef des Erzbistums den Gottesdienst hält“, sagte Sprecher Peter Bringmann-Henselder. Es sei wichtig, dass der Gottesdienst am 18. November stattfinde, dem „Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“.

Einzelne Betroffene hatten zuvor aber auch Kritik an dem geplanten Gottesdienst geäußert. „Die eigentlichen Täter, die sich mit der Faust an die Brust schlagen und Buße leisten müssten, sind nicht dabei“, sagte etwa das frühere Beiratsmitglied Patrick Bauer der dpa. Auch dass der Gottesdienst nun ausgerechnet in Woelkis Abwesenheit stattfindet, sei unverständlich.

Köln: Erzbistum in der Krise – Woelki in Auszeit

Das Erzbistum Köln befindet sich in einer Krise. Woelki hatte 2020 entschieden, ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen vorerst nicht zu veröffentlichen. Daraufhin ließ Papst Franziskus die Situation im Erzbistum von zwei Bevollmächtigten untersuchen. Im September kam der Papst zu dem Schluss, dass Woelki zwar „schwere Fehler“ in der Kommunikation begangen habe, aber im Amt bleiben dürfe. Zurzeit befindet er sich zu Exerzitien – einer geistlichen Besinnung – im oberbayerischen Bistum Eichstätt.

Im März 2021 war das Missbrauchsgutachten dann doch noch veröffentlicht worden. Darin wurden Führungspersönlichkeiten des Erzbistums wie dem früheren Kardinal Joachim Meisner (1933-2017) und dem heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße Pflichtverletzungen bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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