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Hausbewohner in Köln wendet sich mit Zettel an Nachbarn – die Bitte enthält auch eine wichtige Botschaft

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Von: Nina Büchs

Ein Zettel hängt an der Glasscheibe im Hausflur eines Gebäudes in Köln.
Dieser Zettel ist im Hausflur eines Gebäudes in Köln aufgetaucht. © 24RHEIN

Mit einer besonderen Botschaft wendet sich ein Kölner an seine Nachbarn. Er hat eine wichtige Bitte an die Hausgemeinschaft.

Köln – Es ist ein großes Haus, mitten in Köln. Mehr als 80 Parteien leben hier, Tür an Tür. Ein Wohnhaus, wie es nicht nur in Köln unzählige Male steht. An einer Durchgangstür in einem der oberen Stockwerke hängt seit einigen Tagen ein Zettel. In gut lesbarer Handschrift wendet sich ein Bewohner oder eine Bewohnerin an die Nachbarn. Der Verfasser bittet um Rücksichtnahme. Denn: Ein wichtiges Examen steht an.

„Hallo liebe Nachbarn, ich habe eine Bitte an Euch! Am 26., 27., 28. Januar habe ich mein schriftliches Krankenpflegeexamen. Wenn ihr in den Nächten vor den drei Klausuren bitte auf lautes Musikhören, Singen oder Ähnliches verzichten könntet, wäre ich Euch wirklich sehr dankbar“, ist auf dem Zettel zu lesen.

Coronavirus in Köln: Deshalb ist die Botschaft gerade jetzt so wichtig

Medizinisches Fachpersonal ist nicht nur in Zeiten des Coronavirus sehr gefragt. Der Zettel zeigt auch: Um uns herum sind Menschen, die sich jeden Tag der Pflege anderer widmen. Menschen, die die Gesellschaft unterstützen, ein elementarer Teil der Kliniken und Heime sind – ohne die unsere Städte nicht funktionieren würden. Zu wenig Geld, hohe Arbeitsbelastung, viel Verantwortung: All das lastet auf medizinischem Personal.

Doch die Lage in den Kliniken und Krankenhäusern ist derzeit besonders kritisch – so auch in Köln. Die Verbreitung des Coronavirus in Deutschland spielt dabei eine Rolle. Rund um die Uhr sorgen Fachkräfte im Kölner Heilig-Geist-Krankenhaus, dem Krankenhaus Merheim oder in der Uniklinik Köln, für das Wohl der Patienten. Zu Wochenbeginn meldet das RKI, dass in der Domstadt aktuell noch sieben Prozent der Intensivbetten frei verfügbar wären.

Medizinische Fachkräfte fehlen – bis zu 3.000 Stellen unbesetzt

Erschwerend kommt hinzu, dass oft auch medizinisches Fachpersonal fehlt, um die Patienten ausreichend zu versorgen. Über den Fachkräftemangel in Kliniken und Krankenhäusern berichtete im Dezember 2020 auch das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI). Demnach habe laut einer Studie des DKI der Fachkräftemangel unter anderem auch die OP-Bereiche erreicht. 2020 konnte demnach fast jede zweite Klinik offene Stellen im nicht-ärztlichen OP- und Anästhesiedienst nicht besetzen. Bundesweit seien 3.000 Vollzeitstellen unbesetzt, hieß es in der Pressemitteilung.

Coronavirus in Köln: Angehender Krankenpfleger bittet um Rücksicht

Auch jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Situation in den Krankenhäusern zu entschärfen und Corona-Infektionszahlen zu reduzieren. Besonders wichtig ist es daher nach wie vor, die Corona-Regeln konsequent einzuhalten. Zudem werden die Menschen aufgefordert, sich gegen das Virus impfen zu lassen. In NRW stehen zu diesem Zweck 53 Impfzentren bereit. Durch Lieferverzögerungen der Impstoffe Biontech und Pfizer kommt es derzeit jedoch zu Impf-Verzögerungen.

Zu hoffen bleibt, dass sich weiterhin junge Menschen trotz der hohen Arbeitsbelastung und der geringen Bezahlung für das Wohl der Menschen und für einen medizinischen Beruf entscheiden. Gerade in diesen Zeiten sollten medizinische Fachkräfte so gut wie möglich unterstützt werden. So ist auch der Zettel, aufgehängt in einem anonymen Wohnhaus in Köln, eine Erinnerung. Eine Erinnerung daran, was viele tausend Menschen jeden Tag in Deutschland leisten. Dieser einfache Zettel hat jedoch noch eine weitere Botschaft. „Bleibt gesund!“, steht auf dem weißen Papier geschrieben, gefolgt von einem Herz. Ein Wunsch für die Nachbarn – vielleicht aber auch eine Bitte. (nb)

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