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Deutzer Hafen in Köln: Alles zum Mega-Projekt am Rhein

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Von: Martin Henning

Entwurf der dänischen Architekturfirma „Cobe“ zur Promenade im Köln-Deutzer Hafen.
So soll später einmal die Promenade im Köln-Deutzer Hafen aussehen. © Cobe Architects

Der einstige Industriehafen in Köln-Deutz soll ein schickes, neues Büro- und Wohnquartier werden. Was erwartet die Kölner dort? 24RHEIN hat alle Informationen zum Mega-Projekt.

Köln – Noch wirkt der Industriehafen in Köln-Deutz nicht wirklich einladend. Doch hier wird sich in den kommenden Jahren Vieles ändern. Die Stadt plant ein Großprojekt, das neuen Wohnraum und Arbeitsplätze schaffen wird. Doch das ist nicht alles. Wir sagen Ihnen, was auf der „Schäl Sick“ von Köln passiert.

Köln: Was entsteht im Deutzer Hafen?

Der neue Hafen in Deutz soll ein modernes Büro- und Wohnquartier werden. Bis zu 6900 Menschen werden in 3000 neu gebauten Wohnungen leben können. 30 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert und haben niedrigere Mietpreise. Außerdem entstehen Büros für 6000 Arbeitsplätze.

Auch sieben Kitas, drei Parks und eine Grundschule werden auf dem 37,7 Hektar großen Gelände gebaut. Die Parks sollen das Viertel mit den Poller Wiesen verbinden. Das Dach der Halle Steil an der Alfred-Schütte-Allee wird in Zukunft für Inlineskater und Rollhockey-Spieler zur Verfügung stehen. Und es entstehen mehrere Plätze – einer davon unterhalb der bisherigen Krananlagen.

Um die Halbinsel mit dem Ufer zu verbinden, werden außerdem zwei neue Brücken am Deutzer Hafen gebaut – eine für Fußgänger und Fahrradfahrer, eine für den Autoverkehr.

Wie kam es zum Projekt Deutzer Hafen und wer ist dafür zuständig?

Plangebiet:37,7 ha, davon 8,1 ha Wasser
Wohneinheiten:ca. 3000, davon 30% öffentlich geförderter Wohnraum
Einwohner:ca. 6900
Arbeitsplätze:ca. 6000
Brutto-Grundfläche:550.000 m²
Projektentwicklung:moderne stadt

„Cobe“ übernimmt Planung vom Deutzer Hafen

Auf Basis der Machbarkeitsstudie entschied der Rat der Stadt Köln 2015, den Deutzer Hafen zu einem Büro- und Wohnquartier umzugestalten. Umgesetzt wird das Ganze vom Kopenhagener Planungsbüro „Cobe“, das einen Ideenwettbewerb im Jahr 2016 gewinnen konnte. Im gleichen Jahr kaufte „moderne stadt“ die Mühlen und Hafenflächen im Industriegebiet.

Und jetzt wird es etwas technisch: Aus verschiedenen Gutachten zum aktuellen Bestand und zur zukünftigen Entwicklung des Deutzer Hafens entstand 2018 der sogenannte integrierte Plan. Der wiederum dient als Grundlage für die jetzige Bauleitplanung. In dieser Bauleitplanung ist festgelegt, wie sich die Flächennutzung im Deutzer Hafen verändern wird. Parallel dazu stellen die Verantwortlichen einen konkreten Bebauungsplan vor, der rechtlich bindend ist. Wesentliche Punkte: das Mobilitätskonzept, Lärmemissionen, Brand-, Hochwasser- und Artenschutz.

Deutzer Hafen: Pool wird nicht gebaut, stattdessen ein Freibad

Ernüchterung herrscht beim vielleicht spannendsten Projektteil: Die Idee vom Pool am Deutzer Hafen ist geplatzt. Cobe stellte fest, dass das Vorhaben zu teuer und zu aufwändig ist. Wegen der angrenzenden hohen Bürogebäude hätte der Pool außerdem im Schatten gelegen. Stattdessen soll nun ein Freibad am neu entstehenden Stadtteilpark gebaut werden. Am Hafenkopf entsteht dagegen eine Treppe mit Sitzstufen zum Wasser – ähnlich wie beim Deutzer Rheinboulevard.

Übrigens: Wie der neue Deutzer Hafen später aussehen soll, zeigt ein digitales Planmodell.

Wann ist Baubeginn im Deutzer Hafen ?

In diesem Jahr beginnt die sogenannte Baureifmachung beim Kölner Projekt. Bedeutet: Das Areal wird in einen bebauungsfähigen Zustand gebracht. Sprengung und Abriss von Gebäuden, Planierung, Aufschüttung und Räumung sind Teil dieser Baureifmachung. Die Abrissarbeiten starten in der zweiten Jahreshälfte, dann werden auch die ersten Leitungen verlegt.

Die Baufelder, auf denen die Mühlen stehen, sollen als erste vergeben werden. Interessierte Investoren müssen der Stadt ein Gestaltungs- und Nutzungskonzept vorlegen, das zum integrierten Plan passt. (Auch) preislich erschwingliche und sozial geförderte Wohnungen anzubieten, ist Pflicht. Bis tatsächlich gebaut wird, wird noch etwas Zeit vergehen.

Entwurf der dänischen Architekturfirma „Cobe“ zum Hafenpool im Köln-Deutzer Hafen.
So soll der „Hafenpool“ später aussehen. © Cobe Architects

Deutzer Hafen: Können sich Kölnerinnen und Kölner in das Projekt einbringen?

Ja. Sie sind auch schon seit dem tatsächlichen Projektstart 2015 in die Prozesse mit einbezogen worden. Nach der Veröffentlichung des integrierten Plans am 1. März 2018 konnten Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen präsentieren, die zum Teil noch in den Plan eingearbeitet wurden. Im April 2019 informierte die Stadt bei der „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“ erneut über den aktuellen Planungsstand, auch da konnten Interessierte weitere Hinweise und Stellungnahmen einbringen.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker lobte das Engagement bereits:

Über Monate haben zahlreiche Kölnerinnen und Kölner mit uns gemeinsam nach vorn geschaut und sich in der Planung dieses Stadtviertels von Morgen eingebracht. Es war für alle Beteiligten bereichernd, sich über diese Zukunftsaufgabe Gedanken zu machen.

OB Henriette Reker

Einen ersten Einblick bekommen die Kölnerinnen und Kölner am Dienstag, den 7. September: Dann können sie sich zwischen 15 Uhr und 18.30 Uhr das Hafengelände anschauen. Eine Anmeldung dafür ist nicht nötig. Ab 18 Uhr stellt Cobe außerdem in der Steilhalle öffentlich seine Pläne vor. Für diese Veranstaltung, bei der auch Henriette Reker vor Ort sein wird, wird um Anmeldung gebeten.

Die Geschichte des Deutzer Hafens – und wie wichtig das Projekt für Köln ist

Der Deutzer Hafen hat als Standort in Köln eine historische Bedeutung. Schon im Mittelalter diente er als Anlegestelle. In den letzten beiden Jahrhunderten siedelten zahlreiche Industrie-und Logistikunternehmen an. Mittlerweile hat die wirtschaftliche Bedeutung des Hafens aber deutlich abgenommen.

Der Stadtraum Rhein soll als „Schaufenster der Stadt Köln wirken“, sagt letztere selbst. Das Großprojekt in Deutz wird die Wichtigkeit des Hafens wieder erhöhen. Aber nicht unbedingt in wirtschaftlicher Sicht: Vielmehr ist es die Möglichkeit, in der maximal eng besiedelten Domstadt weiteren Wohnraum zu schaffen. „Es ist ein Glücksfall, dass Köln in innerstädtischer Lage, direkt am Wasser und in Sichtweite des Doms noch Flächen besitzt, auf denen neue urbane Quartiere entwickelt werden können“, sagt die Stadt.

Sonst ist nur ein Ausweichen in die Randbereiche möglich, so wie beim Bau des neuen Kölner Stadtteils Kreuzfeld.

Welche Probleme gibt es bei der Umsetzung des Projekts im Deutzer Hafen?

Noch hat die Stadt nicht alle Objekte im Industrieviertel kaufen können. Mit den restlichen privaten Eigentümern muss sie über verbliebenen Flächen verhandeln. Außerdem gab es Streit mit Denkmalschützern, da ein großer Teil des Geländes denkmalgeschützt ist. Die Argumentation von „moderne stadt“: Bliebe dieser Schutz erhalten, könnten nicht genug neue Wohnungen gebaut werden.

Allerdings haben sich beide Parteien inzwischen einigen können. Einige Treppenhäuser auf dem Gelände werden stehen bleiben, dafür kann die Stadt Fenster in die markanten Silogebäude der Ellmühle einbauen. Dort hatte die Firma Aurora über 100 Jahre lang Mehl gemahlen, bevor sie das Gebäude im Januar 2021 für das Großprojekt räumen musste.

Wann ist das Projekt Deutzer Hafen fertig?

Man wolle den Deutzer Hafen „umfassend und zügig“ umbauen, heißt es auf der Seite von „moderne Stadt“. Konkret: Das Projekt soll in zehn Jahren abgeschlossen sein. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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