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Eifelwall: Bürger hatten Straße umgestaltet – Ordnungsamt räumt beliebten Treffpunkt

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Von: Johanna Werning

Kölner haben am Eifelwall Pflanzen abgestellt, um eine neue Oase in der autofreien Stadt zu errichten.
Nachdem die Eifelwall-Oase vom Ordnungsamt geräumt wurde, haben Kölner neue Pflanzen gespendet. (Das Foto wurde am Morgen des 11. Oktober aufgenommen) © 24RHEIN

Der Eifelwall in Köln entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt, Bürger brachten Pflanzen, dekorierten und schufen Sitzmöglichkeiten. Jetzt ist alles weg.

Köln – Spielende Kinder, Sitzflächen für gemütliche Gesprächsrunden und jede Menge Pflanzen: All das sollte die Freifläche am Eifelwall in Köln ermöglichen. Der Begegnungsort in der Südstadt wurde dabei von Bürgerinnen und Bürger liebevoll dekoriert und gestaltet. Doch das Ordnungsamt der Stadt entsorgte all das – weil es keine Genehmigung für die Nutzung gab.

Eifelwall in Köln: Anwohner schaffen sich Freiraum – Kritik an Räumung der Straße

Die autofreie Straße Eifelwall habe sich dazu hervorragend geeignet. „Alle, die hier vorbeigefahren sind, freuten sich, dass es hier eine Oase des Menschseins gab – und was ist passiert: Das Ordnungsamt“, fasst Pfarrer Hans Mörtter in einem Facebook-Post die aktuelle Situation zusammen.

Und auch bei Sabine Pakulat, Grünen-Politikerin und Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, ist der Ärger groß: „Wer hat sich daran gestört, dass hier ein paar junge Leute, die sonst wenig Raum in dieser Stadt haben, sich mit ein paar Sitzpaletten und Pflanzen einen Outdoor Treffpunkt während der Pandemie geschaffen haben! Zumal das kleine Teilstück am Eifelwall für den Autoverkehr gesperrt ist. Das ist das Deutschland der 70er Jahre, das bei dieser Räumung wieder zum Ausdruck kommt.“

Doch auch, wenn die Nutzung des Eifelwalls einige Anhänger hat – die Stadt sieht das anders und macht kurzen Prozess: „Am 6. und 7. Oktober 2021 wurden die Aufbauten durch die AWB und den Ordnungsdienst entfernt“, sagt ein Sprecher der Stadt Köln. Aber wie kam es dazu?

Köln: Eifelwall geräumt, weil Anwohner sich beschwert hat

Bereits seit Wochen beschäftigt sich die Stadt mit der „Eifelwall-Oase“. „Am 26. September 2021 wurde die Örtlichkeit durch den Ordnungsdienst aufgrund einer Anwohnerbeschwerde aufgesucht“, so der Sprecher weiter. Dabei handelt es sich um eine „nicht genehmigte Sondernutzung“, die bis zum 28. September geräumt werden sollte. Doch passiert sei laut Stadt nichts. Bereits am 29. September gab es erneut Beschwerden. „Die bereits beklebten Gegenstände – aus Paletten hergestelltes Mobiliar, Blumenkübel, Couch – waren immer noch vor Ort, die Aufkleber allerdings entfernt.“ Die städtischen Aufkleber fordern dazu auf, die abgestellten Gegenstände zu entfernen.

Am Eifelwall haben Menschen eine Girlande mit „Gefährdung der öffentlichen Gefährdung“ angebracht.
Weil sich Anwohner beschwerten, wurde die „Eifelwall-Oase“ geräumt. (Das Foto wurde am Morgen des 11. Oktober aufgenommen) © 24RHEIN

Auch ein Gespräch zwischen Stadt und „Verursacher“ blieb laut Sprecher ohne Erfolg, stattdessen zierte den Eifelwall auch weiterhin Deko und Möbel. „Er wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Aufbauten in solchen Fällen von der AWB entsorgt werden, wenn sie nach Fristablauf nicht durch den Verursacher entfernt wurden. Da das Mobiliar nicht entfernt wurde und keine Sondernutzungserlaubnis vorliegt, wurden die AWB beauftragt, die Gegenstände zu entfernen.“

Und genau das ist dann am 6. und 7. Oktober passiert. Die „Aufbauten“ wurden von AWB und Ordnungsdienst entfernt. Rund 15 Personen versuchten laut Stadt die Aktion zu verhindern. Ihnen wurden die Gründe dafür erklärt, einige Personen hätten Verständnis gezeigt. Doch der Protest bliebt ohne Erfolg, die „Eifelwall-Oase“ wurde platt gemacht – zumindest fürs Erste.

Köln: Nach Eifelwall-Räumung – Aufruf zur „Rückeroberung“

Auf Instagram und Facebook startete der Aufruf, den Eifelwall „zurückzuerobern“. „Seit heute läuft ein Aufruf, sich diesen Ort wieder zurückzuerobern, den ich nur unterstützen kann. Bringt gerne Pflanzen vorbei und macht den Ort wieder zu dem, was er war: Ein Ort von Menschen für Menschen“, so der Grünen-Politiker Lehmann am Samstag. Und tatsächlich: Mehrere Spenden wurden bereits zum Eifelwall gebracht.

Und die Stadtverwaltung? Die lässt das nicht auf sich sitzen. „Am 10. Oktober 2021 war der Ordnungsdienst erneut vor Ort. Es waren wieder Gegenstände abgestellt worden, wiederum fordert der Ordnungsdienst den/die Verursacher*innen mittels Aufklebern zur Entsorgung/Räumung auf.“

Am Montagmorgen standen zahlreiche Blumen und Pflanzen auf einem Träger der Bahnunterführung, auch einige Holzpaletten lagen auf dem Boden, ein Stuhl wurde ebenfalls abgestellt. Eine Girlande mit dem Satz „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ zierte die Unterführung.

Köln: „Eifelwall-Oase“ wird „Aktuelle Stunde in der Bezirksvertretung Innenstadt

Wie es mit der Eifelwall-Oase weitergeht und ob die Möbel, Pflanzen und Dekoartikel doch noch bleiben dürfen, könnte sich nun im Rat entscheiden: „Die Grüne in der Bezirksvertretung Köln-Innenstadt haben eine Aktuelle Stunde zu dem Vorgang beantragt“, erklärt Bundestagsabgeordneter Sven Lehmann (GRÜNE) auf Facebook. Damit steht das nächste Kapitel der „Eifelwall-Oase“ aus. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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