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Köln: Holzkohlegrills verbreiten „giftige Gase“ – Schmutz-Kampagne am Eigelstein

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Von: Peter Pauls

Eigelstein-Viertel Köln: Eine Gruppe von Anwohnern fühlt sich die Holzkohlegrills gestört.
Eigelstein-Viertel Köln: Eine Gruppe von Anwohnern fühlt sich die Holzkohlegrills gestört. © Manngold / Imago & Agefotostock / Imago

Eigelstein-Viertel Köln: Der Konflikt zwischen Bürgerverein und Geschäftsleuten verschärft sich. Und es fallen Worte, die dort eigentlich nicht hingehören, findet unser Gastautor Peter Pauls.

Köln – Unser Beitrag zum Konflikt zwischen „Wohfühl-Bürgern“ und „traditionellen Anwohnern“ am Eigelstein in Köln fand viel Resonanz. Und wieder gibt es Schlagzeilen: „Wo Geruch ist, ist auch Gift, Bürgerverein gegen Kohlegrills am Eigelstein“, titelte der Kölner Stadt-Anzeiger über eine Sitzung der Bezirksvertretung.

„Gift“ aus dem Mund des Bürgervereins ist ein starkes Wort. Mir kommt der Totenkopf mit den gekreuzten Knochen in den Sinn. In der Apotheke gibt es einen Giftschrank, zu dem nur geschulte Kräfte Zugang haben. Das sollte auch für Worte gelten, die ein Miteinander vergiften können. Zumal – so eine Amtsvertreterin – die Abluftanlagen der Grills regelmäßig überprüft würden: Bisher ohne Beanstandungen, die Grenzwerte würden eingehalten. Schädliche Umwelteinwirkungen müssten erst gerichtsfest nachgewiesen werden, sagt sie. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Das Eigelstein-Viertel in Köln gehört zum Stadtteil Altstadt-Nord, benannt nach der Straße, die am Ebertplatz beginnt und bis zum Hauptbahnhof Köln führt. Zum Viertel zählen gleichsam die Seitenstraßen wie die Weidegasse oder Im Stavenhof, in denen bis Anfang der 70er Jahre unter anderem Prostituierte ihre Dienste anboten. In den folgenden Jahren siedelten sich im „Eigelstein-Veedel“ (Stadtbezirk Köln-Innenstadt) zahlreiche türkische Restaurants und Shops an – vom Gemüseladen bis zum Brautmode-Geschäft. Über zwei Jahrzehnte war das Viertel städtisches Sanierungsgebiet. 2012 wurde die Sanierung offiziell beendet und die Gegend immer attraktiver für Immobilien-Investoren und bürgerlichere Bevölkerungsschichten.

Eigelstein Köln: Kampagne mit Begriffen wie Giftgas gegen türkische Imbissbuden

„Ich hätte mir im Leben nicht vorstellen können, dass gerade in Köln in Bezug auf eine von türkischen Geschäften dominierte Straße permanent der Begriff ‚Gift‘ fällt“, sagt Lale Akgün. Ob die Stadt nach Gutdünken der Vereinsmitglieder die Imbissstuben auf der Weidengasse mit weiteren Auflagen versehen soll, fragt die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete. „Ich bin sehr vorsichtig mit dem Begriff Rassismus. Doch frage ich mich, wie man eine Kampagne bezeichnen soll, die sich mit Begriffen wie Gift und Giftgas gegen türkische Imbissstuben richtet und von dem vehementen Wunsch beseelt ist, diese Straße nach eigenen Vorstellungen umzuformen?“

Warum so viel Eigelstein? Weil das Viertel für den Wandel in Großstädten steht, zumal hier die Verhältnisse konturiert sind und die Fragen offenliegen. Wie gestaltet man Veränderung, ohne ganze Bevölkerungsteile zu verdrängen? Gibt es Gewinner und Verlierer? Kann Politik vermitteln, gar Visionen aufzeigen? Das Schlusswort überlasse ich dem Architektur-Experten Andreas Grosz (KAP-Forum), der viele Jahre in Köln gelebt hat.

„Statt gemischter Quartiere sind in unseren Großstädten feine Trennungslinien entstanden“

„Eine kleine Schicht wohlsituierter und gut ausgebildeter Mittelständler hat längst die Deutungshoheit, wie wir zu leben, zu arbeiten und zu wohnen haben, übernommen“, schreibt er. „Statt gemischter Quartiere sind in unseren Großstädten feine Trennungslinien entstanden - sind urbane in monostrukturierte Quartiere verwandelt worden . . . Solches sozialromantisches Puppenstubendenken (besser Besitzstandsdenken) hat mit der notwendigen Transformation unserer Städte und Lebensweisen in Richtung Klimawandel, ökologischer Landwirtschaft und Ernährung, neuer Mobilität, der Digitalisierung und einer Regionalisierung wenig im Sinn.“ (pp/IDZRW) Unser Gastautor Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub, den Sie hier abonnieren können.

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