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Bürgerverein beklagt Geruchsbelästigung am Eigelstein – und veröffentlicht „Hilferuf“

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Von: Johanna Werning

Passanten gehen an türkischen Geschäften vorbei durch die Weidengasse in Köln.
Mit dem „Hilferuf Weidengasse“ will ein Bürgerverein aus Köln härtere Maßnahmen für die Gastro durchsetzen (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Gibt es zu viele Grillrestaurants am Eigelstein? Der Kölner Bürgerverein Eigelstein spricht von „Geruchsbelästigung“ und „unangenehmer Kundschaft“ in der Weidengasse.

Köln – Dicke Luft am Eigelstein in Köln. Mit einem offenen Brief beklagen „die Anwohner der Weidengasse und des gesamten Eigelstein-Viertels“ die Entwicklung in der Altstadt von Köln. Mit ihrem „Hilferuf Weidengasse“ möchte der Bürgerverein Eigelstein Bezirksbürgermeister Andreas Hupke um Hilfe bitten. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner haben von den Restaurants in der Weidengasse die Nase voll – wortwörtlich.

Ärger am Eigelstein in Köln: Bürgerverein will gegen Restaurants auf Weidengasse vorgehen

Auf Facebook veröffentlicht der Bürgerverein Eigelstein einen offenen Brief an den Bezirksbürgermeister Hupke (Grüne). Seit Jahren beobachte der Verein „mit wachsender Sorge die unkontrollierte Abwärtsentwicklung“ des Veedels, heißt es unter anderem in dem Post vom 28. April. Der Verein spricht dabei von einer „städtebaulichen Fehlentwicklung mit hohem Konfliktpotential.“

Grund für den Ärger seien die „stetig steigende Zahl der Grillrestaurants mit extrem giftigen Holzkohleabgasen.“ Doch nicht nur die gefährliche „Geruchsbelästigung“ sei den Anwohnern ein Dorn im Auge. Auch die „teils unangenehme Kundschaft“ stößt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern auf wenig Begeisterung. „Immer öfter kommt es zu Konflikten zwischen Anwohnern und dem auswärtigen Publikum, das unter anderem auf den Gehwegen Schlange steht und diese verstopft, oft gegen Corona-Regeln verstößt sowie Müll und Essensreste im ganzen Viertel hinterlässt“, so das Schreiben des Vereins weiter. Der Verein nennt in seinem Posting auch Take-Away-Imbisse.

Mit dem Schreiben wolle der Verein die „Negativ-Entwicklung stoppen“. Gespräche in den letzten Jahren haben laut eigenen Angaben nichts gebracht. Nun soll die Kommunalpolitik helfen. „Unser Ziel ist, dass die giftigen Holzkohle-Abgase gefiltert werden und dass die auswärtige Kundschaft die Regeln eines zivilisierten Zusammenlebens respektiert.“ Vor allem soll die Stadt jedoch dafür sorgen, dass „die Erlebnisgastronomie nicht noch weiter zunimmt“, heißt es in dem Posting weiter. Der Bürgerverein Eigelstein bringt sich auch bei der Umgestaltung des Ebertplatzes ein.

Köln: „Hilferuf Weidengasse“ stößt bei Bezirksbürgermeister Andreas Hupke auf Zuspruch

Beim Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Innenstadt Andreas Hupke (Die Grünen) rennt der Bürgerverein hingegen offene Türen ein. Er kann den Ärger verstehen. „Da sind sechs Lokale auf einer Fläche von einer Briefmarkengröße.“ Der Qualm, den er als „Super-Feinstaub“ bezeichnet, sei nicht nur geruchsbelästigend, sondern auch gefährlich. „Das halten die Menschen nicht mehr aus“, erzählt er im Interview mit 24RHEIN. Doch „die Verwaltung hat da keinen Willen.“

Schon vor der Gründung des Bürgervereins Eigelstein habe er häufig Briefe, Anrufe und Mails bekommen, die sich über die Gesundheitsgefahr beschwerten. Auch das Müllproblem kann der Bezirksbürgermeister nachvollziehen. „Das zieht ja auch enorm die Tiere an – Ratten und Tauben.“

Beschwerden am Eigelstein in Köln: Interfraktioneller Antrag soll helfen

Darum findet Hupke das Engagement des Bürgervereins um so besser. „Die haben sich das Thema angenommen und wollen es für die gute Nachbarschaft klären.“ Der Verein habe häufiger versucht, mit den Restaurantbetreibern das Gespräch zu suchen – ohne Erfolg. Er hätte sich mehr guten Willen von den Geschäftsleuten gewünscht. Das Einbauen von speziellen Filteranlagen sei für die Grillrestaurants bisher lediglich freiwillig. „Die halten sich im Rahmen des Gesetzes“.

Doch nur weil die Gesetzeslage nicht mehr hergibt, heißt das nicht, dass es auch moralisch vertretbar ist, so Hupke weiter. Mit dem offenen Brief des Bürgervereins soll nun auf politischer Ebene der Stein ins Rollen gebracht werden. „Ich habe den Brief an den Rat und an die Oberbürgermeisterin weitergeleitet.“

Mit einem neuen Bebauungsplan soll auf kommunaler Ebene weitere Eröffnungen von Grillrestaurants verboten werden. „Damit kann man aber nichts mehr zurückdrehen. Alles, was da ist, bleibt da, aber es dürfte keine Weiterentwicklungen geben.“ Nur so könne „ein Fortschreiten des Viertels zur Monokultur“ unterbunden werden, so der Bezirksbürgermeister weiter.

Damit der Bebauungsplan gelingt, plant Hupke die Aufnahme eines interfraktionellen Antrags. Noch vor der Sommerpause wünscht sich Hupke, dass die Bezirksvertretung Innenstadt einem interfraktionellen Antrag zustimmt. „Dann könnte nach den Sommerferien der Rat drüber bestimmen.“

„Hilferuf Weidengasse“: Kölner Restaurants wie „Mangal“ können den Ärger am Eigelstein nicht verstehen

Doch auch wenn der Bürgerverein schreibt, dass sich der Hilferuf „gegen niemand persönlich“ richtet, fällt vor allem ein Name in dem Brief an den Bezirksbürgermeister häufiger: Das Restaurant „Mangal“. „Mangal“ habe bereits mehrere Restaurants auf der Weidengasse und im gesamten Eigenstein-Viertel.

Die Aufregung um den Gastro-Bertrieb kann Salih Dag, Inhaber des Mangal Restaurants, nicht verstehen. „Hier sind 50 Geschäfte, die sich alle an die Regeln halten. Wenn Kunden ihren Müll auf die Straße werfen, können wir nichts dafür. Wir haben mehrere Mülltonnen vor unseren Geschäften, wo aber aufgrund der Pandemie nichts gegessen werden darf. Natürlich kommt es wegen Corona auch zu Schlangen vor den Läden, weil Kunden nur begrenzt rein dürfen. Das als Kritik zu äußern, ist weltfremd“, erklärt er gegenüber dem Express.

Auch „Öz Harran Doy Doy“-Inhaber Sakir Toprak kann die Kritik des Bürgervereins nicht nachvollziehen. Die Grills werden regelmäßig gereinigt und alle zwei Monate vom TÜV abgenommen, so der Gastro-Inhaber gegenüber Express. „Uns kommt es so vor, dass der Verein seine eigenen Interessen und nicht die des Viertels durchsetzen will. Dieses Vorgehen schadet nicht nur unserem Image als Gastronomen, sondern dem des ganzen Viertels.“(jw)

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