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Drogen-Sumpf Neumarkt: Wie schlimm ist die Situation wirklich?

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Von: Johanna Werning

Links: Der Kölner Neumarkt mit der Neumarkt-Galerie. Rechts: „Spritzbesteck“ mit einer bereits aufgezogenen Heroinspritze.
Wie schlimm ist die Drogen-Problematik am Neumarkt in Köln wirklich? (IDZRW-Montage) © Horst Galuschka/Imago

Versinkt der Neumarkt in Köln in Drogen, Müll und Fäkalien? Das kritisieren zumindest Anwohner. Was Polizei und Stadt sagen.

Köln – Die Diskussion rund um den Neumarkt reißt nicht ab. Die Anwohner? Mittlerweile nur noch verzweifelt. Der Vorwurf? Der Neumarkt versinkt in Müll, Schmutz und Drogen – vor allem seitdem der neue Drogenkonsumraum eröffnet ist, so die Anwohner. „Überall werden Drogen gedealt, gekauft und konsumiert“, beschreibt die Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt die derzeitige Drogen-Situation am Neumarkt. „Die Situation ist untragbar.“ Anwohner trauen sich nicht mehr auf die Straße und die Stadt? Die unternimmt nichts, lautet der Vorwurf weiter. Aber ist die Situation in Köln wirklich so schlimm?

Drogenproblematik am Neumarkt: Der Überblick zur Situation

► Das Grundproblem: Der Neumarkt in der Kölner Innenstadt wird immer mehr zum Drogen-Hotspot. Seitdem der Drogenkonsumraum im Gesundheitsamt der Stadt eröffnet wurde, hat sich die Problematik laut Bürgerinitiative sogar verschlimmert.

► Der Vorwurf der Bürgerinitiative: „Überall Abhängige, die Drogen konsumieren: in den Hauseingängen, Tiefgarageneinfahrten, Toiletten von Cafés, Seitenstraßen, U-Bahnbereichen und Treppenabgängen. Und noch schlimmer wird es, wenn der Abend hereinbricht. Dann werden die Zustände unerträglich.“ Dennoch gibt es von der Stadt Köln keine Unterstützung für die Anwohnerinnen und Anwohner, heißt es weiter.

► Was sagt die Stadt? Das Angebot im Drogenkonsumraum wird gut genutzt. „Es gibt eine stabil hohe Nachfrage nach medizinischer Beratung, einen hohen Bedarf an weiterer Beratung und Vermittlung in weitere Hilfesysteme.“ In den kommenden Wochen soll das Angebot weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig gibt es mehrere Maßnahmen, um die Müll- und der Drogenproblematik am und um den Neumarkt zu lösen.

► Wie schlimm ist die Situation wirklich? Laut Polizei Köln war und ist der Bereich rund um den Neumarkt ein Drogen-Hotspot. Dadurch kommt es auch vermehrt zu aggressiven Personengruppen, Vermüllung und Verschmutzung. Um die Problematik zu lösen, ist eine enge Zusammenarbeit unter anderem von Drogenhilfe, Streetwork, Stadt und Polizei nötig. Daran wird aktuell gearbeitet.

Köln Neumarkt: So schätzt die Polizei die Situation ein

24RHEIN hat bei der Polizei Köln nachgefragt: Versinkt der Neumarkt tatsächlich im Drogen-Sumpf? „Der Neumarkt und die Bereiche Lungengasse sowie Josef-Haubrich-Hof sind und waren auch vor Eröffnung des Drogenkonsumraums Sammelpunkt für Obdachlose sowie drogenabhängige Menschen, die sich dort vor oder nach dem Besuch der ansässigen weiteren Hilfeeinrichtungen wie zum Beispiel der Methadonausgabestelle im Gesundheitsamt aufhalten.“

Und dafür gibt es laut einer Polizeioberkommissarin eine traurige Erklärung: „Besucherinnen und Besucher der Einrichtungen sind aufgrund ihrer physischen Verfassung teilweise nicht in der Lage, weite Wege zurückzulegen und halten sich daher oftmals im Nahbereich auf.“ Das sei auch am Neumarkt zu beobachten. Das Problem dabei: Nicht nur Personen selbst halten sich in der Nähe auf, auch andere Drogenkonsumenten und Drogendealer zieht es vermehrt zum Neumarkt.

Und das bleibt für den Platz in der Innenstadt nicht ohne Folgen, erklärt die Polizeioberkommissarin weiter: Denn das führt zu negativen „Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel Vermüllung und Verschmutzung durch Drogenutensilien und Exkremente.“

Köln: Drogen und Müll am Neumarkt – Einsatzstatistik der Polizei

Aber wirkt sich das auch auf die Einsatzstatistik der Polizei Köln aus? Rund um Lungengasse und Josef-Haubrich-Hof liegt das grundsätzliche Einsatzaufkommen der Polizei in den letzten fünf Wochen jeweils in einem ein- bzw. niedrigen zweistelligen Bereich. Allerdings gibt es für die Einsatzzahlen rund um den Neumarkt eine steigende Tendenz. Aber: „Ein Vergleich ist alleine durch die veränderten Bedingungen in Pandemiezeiten nicht aussagekräftig“, betont die Polizeioberkommissarin weiter.

Neumarkt: So wollen Polizei und Stadt Köln das Drogen-Problem lösen

Klar ist jedoch: Das Drogen-Problem am Neumarkt lässt sich jedenfalls nicht so einfach lösen. Das ist auch der Polizei Köln bewusst. „Die Problematik des Neumarktes ist eine gesamtheitliche Aufgabe, die der engen Zusammenarbeit unter anderem von Drogenhilfe, Streetwork, Stadt und Polizei bedarf. Daran arbeiten wir“, verspricht die Polizei Köln jedoch.

Und auch die Stadt Köln betonte zuletzt, dass die Maßnahmen der Stadt funktionieren und künftig weiterausgebaut werden sollen. „In enger Zusammenarbeit mit dem Netzwerk aus Polizei Köln, dem Ordnungsamt, der Kölner-Verkehrs-Betriebe AG (KVB), Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) als auch dem „Aufsuchenden Sucht-Clearing“ (ASC), versucht das Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit das Sicherheitsempfinden und die Aufenthaltsqualität am Neumarkt zu steigern.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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