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Köln: Obdachloser mit Farbe beworfen – Kripo sucht nach weiteren Opfern

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Von: Martin Henning

Einen Obdachloser wurde zum zweiten Mal auf der Apostelnstraße in Köln mit Farbe beworfen.
Erneut hat eine unbekannte Person den obdachlosen Robert mit Farbe beworfen. © Katharina Oymans

Seit September werden Obdachlose in Köln Opfer von Farbattacken. Der Täter ist womöglich ein Fahrradfahrer. Auch ein ganz bestimmtes Gebiet zeichnet sich ab.

Köln – Die Obdachlosen in der Kölner Innenstadt leben in Angst. Derzeit ist ein Unbekannter auf den Straßen unterwegs und überschüttet Wohnungslose nachts mit Farbe.

In der Nacht auf Dienstag gab es den nächsten Fall. Auf der Apostelnstraße wurde Robert (43) von einem Farbschmeißer attackiert. Und das bereits zum zweiten Mal – schon in der Nacht auf Sonntag war er dort Opfer geworden.

Köln: Farbattacke auf obdachlosen Mann

Katharina Oymans bemerkte den obdachlosen Mann gegen 8:30 Uhr am Dienstagmorgen. „Ich war gerade auf dem Weg zum Arzt, um etwas abzuholen. Als ich den Mann sah, dachte ich: Ich kann da nicht vorbeigehen, ich muss etwas tun“, sagt Oymans im Gespräch mit 24RHEIN. Oymans rief die Polizei, die sich um Robert kümmerte. „Ich bin schockiert und es tut mir leid für den Mann“, sagt die Zeugin. „Er hat eh schon nichts. Ihn dann noch mit Farbe zu begießen, ist einfach nur asozial.“

Robert zeigt seinen beschmierten Rucksack. Der obdachlose 44-Jährige wurde zum zweiten Mal Opfer einer Farbattacke.
Robert zeigt seinen beschmierten Rucksack. Der obdachlose 44-Jährige wurde zum zweiten Mal Opfer einer Farbattacke. © Straßenwächter e.V.

Ein Sprecher der Polizei Köln bestätigt 24RHEIN den Vorfall. Demnach sei schon um 4 Uhr am Dienstag ein Anruf bei den Beamten eingegangen. Die Polizei habe eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung geschrieben – bei der Attacke war auch ein Gebäude mit Farbe beschmiert worden.

Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. Vor Ort seien Spuren gesichert worden, so der Polizeisprecher. Und: Womöglich haben Videokameras die Attacke auf der Apostelnstraße aufgezeichnet. Das Videomaterial werde gerade gesichtet.

Köln: Farbattacke auf Obdachlose vor allem im Kwartier Latäng

Dennis Bucek ist fassungslos über die Tat. Als Chef des ehrenamtlichen Vereins Straßenwächter e.V. ist er täglich mit Obdachlosen in Kontakt. Bucek und sein Team sind auf den Straßen in Köln unterwegs, um die hilfsbedürftigen Menschen, mit Essen, Getränken und wichtigen Utensilien wie Schlafsäcken zu versorgen. Ihm vertrauen sich die Menschen an.

Anfang September hörte Bucek das erste Mal von einer Farbattacke. Seitdem sind ihm mindestens zehn solcher Fälle von Betroffenen geschildert worden. „Die Menschen kommen mit Heulkrämpfen zu uns“, sagt Bucek im Gespräch mit 24RHEIN. „Sie sind ja schon gewohnt, angepinkelt, bespuckt, beleidigt und getreten zu werden.“ Aber die Farbattacken sind speziell. Einige Betroffene hätten bereits ihren Schlafplatz gewechselt, berichtet Bucek. „Sie haben Angst, jemand könnte wieder kommen.“

Ob es ein oder mehrere Täter sind, steht bislang noch nicht fest. Aber es zeichnet sich ein bestimmtes Gebiet ab. „Fast alle Fälle passieren im Kwartier Latäng“, sagt Bucek. Unter anderem auf der Zülpicher Straße, die gerade besonders kontrolliert wird. Auch in der anliegenden Roonstraße und der Engelbertstraße gab es bereits Farbattacken. Vergangenes Wochenende und in der Nacht auf Dienstag schlug der Unbekannte in der Apostelnstraße nahe des Neumarkts zu.

Farbattacken in Köln: Polizei ermittelt

Bucek und seine Helfer sind machtlos. Ebenso wie die Obdachlosen, denn sie werden im Schlaf von der Farbattacke überrascht. Auf Anfrage von 24RHEIN hatte ein Polizeisprecher am Montag bestätigt: „Wir haben im Zusammenhang mit den Farbattacken derzeit Kenntnis von einer Anzeige.“ Der Fall habe sich in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober ereignet. Die Polizei ermittele wegen gefährlicher Körperverletzung. Man sei „sensibilisiert, dass es mehrere Attacken geben soll“, so der Sprecher.

Schuh eines Obdachlosen nach einer Farbattacke in Köln.
Oft wird das gesamte Hab und Gut der Obdachlosen durch die Farbattacken beschmutzt. © Bucek/Straßenwächter

In diesem Zusammenhang sei die Polizei auf die Hilfe von Zeugen angewiesen. „Wir können Mitmenschen mit wachem Auge nur ermutigen, sich bei uns zu melden. Denn die Betroffenen sind aus unterschiedlichen Gründen oft nicht daran interessiert, Kontakt zur Polizei aufzunehmen.“ Eine Ermittlungsgruppe wurde einberufen. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf vier Fälle auf der Schaevenstraße, der Hohe Straße, der Schwalbengasse und der Apostelnstraße im September und Oktober. Die Kripo appelliert außerdem an mögliche weitere Geschädigte, sich umgehend bei der Polizei zu melden

Obdachlosenhelfer Bucek bestätigt das. „Nicht Jeder auf der Straße lebende Mensch ist der Polizei wohlgesonnen. Einige fürchten einen offenen Haftbefehl, andere haben Angst vor der Bürokratie, die dahintersteckt. Und eine Uniform schüchtert eben extrem ein.“

Obdachlose in Köln mit Farbe beschmissen – fährt der Täter Fahrrad?

Immerhin: Es könnte einen ersten Anhaltspunkt zum Täter geben. Ein Opfer habe gesehen, wie der Unbekannte mit einem Fahrrad davon gefahren sei. Und eine weitere Obdachlose habe den Mann sogar wiedererkannt. Doch Anzeige erstattete sie nicht – wie fast alle anderen Betroffenen.

Trotzdem ist die Hoffnung groß, dass die Polizei dem oder den Tätern auf die Schliche kommt – damit die obdachlosen Menschen in Köln bald wieder ohne Angst einschlafen können. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Der Artikel wurde zuletzt am 26.10.2021 um 19:00 Uhr aktualisiert. Neuerungen: Neues Statement der Polizei. Eine Ermittlungsgruppe der Kripo ermittelt.

Ehrenamtlicher Verein Straßenwächter e.V. sucht freiwillige Helfer

Seit einigen Wochen betreiben die Straßenwächter das Ladenlokal ZoHus in der Balduinstraße 18. Dort können Spenderinnen und Spender Bekleidung für die Wintermonate abgeben. Besonders gesucht ist derzeit Herrenkleidung. Die wohnungslosen Menschen können sich dort ihre Kleidung abholen und haben einen Ort, an dem sie sich aufwärmen können. Für das Ladenlokal suchen die Straßenwächter derzeit Freiwillige. Auch für die Lebensmittelzubereitung werden bei den Straßenwächtern noch Menschen gesucht. Bewerbungen sind vor Ort im Ladenlokal oder über die Homepage https://strassenwaechter.de/ möglich.

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