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Ost-West-Achse in Köln: Wie die Umgestaltung aussehen könnte

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Von: Martin Henning

Eine KVB-Bahn der Linie 9 überquert die Deutzer Brücke in Richtung Heumarkt.
Die KVB-Linien 7 und 9 sollen häufiger auf der Ost-West-Achse unterwegs sein. © Christoph Hardt/Imago

Immer mehr Menschen leben in Köln und tummeln sich vor allem in der Innenstadt. Um das zu entzerren, will die Stadt die sogenannte Ost-West-Achse neu gestalten.

Köln – Im Gegensatz zu Berlin, Hamburg oder München ist Köln eine kleinere Stadt. Doch schon jetzt stößt sie an ihre infrastrukturellen Grenzen. Vor allem in der Kölner Innenstadt knubbelt es sich enorm. Und die Einwohnerzahlen steigen weiter.

Um den Menschenmassen Herr zu werden und den Verkehr in der Innenstadt nicht zum Erliegen zu bringen, plant die Stadt die Neugestaltung der sogenannten Ost-West-Achse. Dabei geht es vor allem darum, den Autoverkehr zu verringern und noch mehr öffentlichen Nahverkehr anzubieten. Es bestehe „dringender Handlungsbedarf“, sagt die Stadtverwaltung. Die Kosten könnten im schlimmsten Fall bei über einer Milliarde Euro liegen.

Was ist die Ost-West-Achse?

Als Ost-West-Achse wird das Verkehrsgebiet zwischen der Deutzer Brücke, der Kölner Innenstadt und dem Melaten-Friedhof bezeichnet. Inmitten dieses Gebiets befinden sich stark frequentierte Plätze wie der Heumarkt, der Neumarkt, der Rudolfplatz und der Aachener Weiher, aber auch für die Stadt bedeutende kulturelle Institutionen, Kirchen und Gebäude. Auch die Zülpicher Straße, die zuletzt immer wieder Negativ-Schlagzeilen machte und die Jahnstraße nahe des Neumarkts sind Teil der Ost-West-Achse.

Doch wie soll dieses Ziel umgesetzt werden? 24RHEIN gibt einen Überblick, was in den kommenden Jahren auf der Ost-West-Achse geplant ist.

Ost-West-Achse: KVB sollen mehr Raum im Stadtverkehr bekommen

Eine zentrale Rolle bei der Umgestaltung der Ost-West-Achse spielen die Kölner Verkehrsbetriebe. Sie sollen ihre Kapazitäten um 50 Prozent erhöhen können. Nicht durch häufigere Fahrten, sondern durch die Verlängerung der Bahnen. Durch den Hauptverkehrsknoten Neumarkt fahren die KVB-Linie 1, die KVB-Linie 7 und die KVB-Linie 9. Diese Stadtbahnen sind zu den Stoßzeiten völlig überfüllt.

Deswegen soll das Bahnnetz ausgebaut werden. Noch ist unklar, ob dieser Ausbau oberirdisch oder unterirdisch stattfinden soll. Fünf Alternativen stehen in der engeren Auswahl:

Stadt und KVB favorisieren eine leicht geänderte Version der großen Tunnellösung, Variante B. Wenn es nach ihnen geht, führt der unterirdische Abzweig der Linie 9 nicht an der Moltkestraße, sondern bereits am Neumarkt entlang. Als zweitbeste Lösung sehen Stadt und KVB die oberirdische Lösung an. Die endgültige Variante muss von den politischen Gremien abgesegnet werden.

Ausbau Ost-West-Achse Köln: Kritik an lahmer Politik

Und da sind wir direkt bei einem Streitpunkt. CDU und Grüne, die im Rat über die endgültige Lösung entscheiden, sind sich uneinig und haben ihre Entscheidung bis Mitte 2023 aufgeschoben. Sie haben ein Begleitgremium eingerichtet, das den Informationsfluss zwischen Politik und den beteiligten Ämtern verbessern soll. Das Gremium besteht aus den Bürgermeistern der betroffenen Bezirke, den Vorsitzenden der eingebundenen Ausschüsse sowie den Vertretern von KVB und Stadtverwaltung.

Klingt nach einem riesen Personalapparat. Für die Kölner SPD jedenfalls ist das reines Zeitspiel. „Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“, kommentiert Fraktionsvorsitzender Christian Joisten die Entscheidung sarkastisch.

„Sollte wirklich erst 2023 eine Entscheidung getroffen werden, sind sage und schreibe fast fünf Jahre ins Land gegangen, in denen das Mehrheitsbündnis für dieses herausragende Verkehrsprojekt inhaltlich nichts auf den Weg gebracht hat“, sagt Joisten weiter. Den Grünen und der CDU gehe es „nicht darum, die Stadt zu gestalten, sondern ihre Macht zu erhalten“.

Ost-West-Achse: Zeitplan und Fertigstellung

Mai 2021Beauftragung verschiedener Ingenieurgemeinschaften, die die ober- und unterirdische Variante plant
Mitte Januar 2022Einsendeschluss für die die Angebote interessierter Ingenieurbüros
Mitte 2023Entscheidung über die Variante der Ost-West-Achse
April 2024Stellen der Genehmigungsanträge
Juni 2026Start des Vergabeverfahrens
Mai 2027Vergabe des Projekts
30. April 2030Fertigstellung des Projekts

Ost-West-Achse Köln: Initiative hat zehn Kernforderungen

Druck auf die Entscheider kommt aber nicht nur von der Kölner SPD, sondern auch vom „Bündnis Verkehrswende Köln“. Die Initiative, zu der auch Utz Ingo Küpper (früherer Leiter des Amtes für Stadtentwicklung) gehört, hat zehn Kernforderungen für die Mobilität von morgen aufgestellt:

  1. Eine Promenade zwischen Heumarkt und Aachener Weiher. Die Nord-, Ost- und Westseite des Neumarkts sollen autofrei werden
  2. Autofreie Bereiche in der Innenstadt und in den betreffenden Veedeln
  3. Köln zu einer „fußgängerfreundlichen Stadt“ machen. Bedeutet: Mindestbreite von 2,50 Meter für alle Gehwege, längere Ampelphasen für Fußgänger, mehr Zebrastreifen statt Ampeln, sichere Überquerungswege, mehr Barrierefreiheit und Aufwertung der Wege durch Bänke und Grünflächen
  4. Köln zu einer „fahrradfreundlichen Stadt“ machen: ein durchgehendes Fahrradnetz in Köln, dazu Pendler- und Freizeitstrecken ins Umland, mehr Abstellflächen für Räder, Anpassung der Ampelschaltungen
  5. Ausbau und bessere Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs
  6. Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr senken und das Tarifsystem vereinfachen
  7. Den Rhein als Frei- und Verkehrsraum nutzen, zum Beispiel durch zusätzliche Umweltbrücken für Straßenbahn, Fahrrad und Fußgänger sowie den Betrieb eines Wasserbusses
  8. Den Lieferverkehr umweltfreundlicher gestalten
  9. Verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels, unter anderem die Entsiegelung größerer Flächen, ein städtisches Anreizprogramm zum Verzicht aufs Auto und die Pflanzung von 1000 Bäumen in der Innenstadt
  10. Ein aktualisiertes und verbindliches Verkehrsentwicklungskonzept mit konkreten Zielzahlen bis 2030. Die Initiative schlägt vor, den Verkehr in der Stadt in 20% Autoverkehr, 25% ÖPNV, 25% Fußgänger und 30% Radverkehr aufzuteilen. Außerdem soll die Stadt aktives Mitglied im EU-Programm CIVITAS werden.

Das Bündnis setzt sich entschieden gegen eine Tunnellösung bei der Ost-West-Achse ein. Die sei nicht nur teurer, sondern auch klimaschädlicher. Ihrer Forderung machte das Bündnis im Februar 2021 Nachdruck, als es eine Mahnwache vor dem Stadtrat abhielt. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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