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Köln: Party-Chaos und Randale rund um die Zülpicher Straße – „Rechtslose Zustände“

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Von: Nina Büchs

Die Zülpicher Straße tagsüber mit Radfahrern, und abends an Karneval mit tausenden feiernden Menschen.
Anwohner rund um die Zülpicher Straße wollen sich wieder sicher fühlen. (Montage) © Henning Kaiser/dpa & Rolf Vennenbernd/dpa

Anwohner sind wütend: Das Kwartier Latäng in Köln verwandelt sich auch außerhalb von Karneval immer mehr zur Feiermeile – inklusive Dreck, Lärm und Vandalismus.

Köln – Wer in Köln im Kwartier Latäng (Stadtbezirk Innenstadt) lebt, muss einiges aushalten. Anwohnerinnen und Anwohner berichten immer wieder von Erbrochenem, Urin-Gestank, Lärm und Vandalismus vor ihrer Haustür. Insbesondere rund um den Kölner Karneval und zu anderen größeren Ereignissen spitzt sich die Lage dort zu. Ein Ausnahmezustand herrscht dort inzwischen jedoch auch an Wochenenden, vor allem, wenn es auf den Sommer zugeht, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Hupke.

Köln/Kwartier Latäng: „Muss mit ansehen, wie das Viertel herunterkommt“

Erst vor wenigen Wochen war es wieder so weit. Im Kwartier Latäng wurde Karneval gefeiert – mit verheerenden Folgen für die Anwohner. Diese wandten sich daraufhin mit zahlreichen Beschwerden an den Bezirksbürgermeister, der daraufhin am Montag, 21. März, in Köln eine Bürgerversammlung einberief. „Ich bin 20 Jahre lang Bezirksbürgermeister und muss immer mehr mit ansehen, wie das Viertel herunterkommt. Das ist erschreckend“, sagt er gegenüber 24RHEIN.

Köln: Anwohner im Kwartier Latäng berichten von schlimmen Zuständen

Andreas Hupke bei der Einweihung von HA Schults Kunstwerk Hope vor der Bank für Sozialwirtschaft in Köln.
Bezirksbürgermeister Andreas Hupke findet den Zustand im Kwartier Latäng „erschreckend“. (Archivbild von 2018) © Christoph Hardt/Imago

Ausschlaggebend für die Einberufung der Versammlung war, dass er rund um Karneval E-Mails von Anwohnern aus den Bereichen Zülpicher Straße, Heinsbergstraße, Ratenauplatz oder Hochstaaten-Straße erhalten habe, sagt Hupke. Sie alle berichteten von katastrophalen Zuständen. „Es gab Erbrochenes auf der Straße, Türen wurden eingedrückt, Scheiben eingeschlagen, es stank nach Urin, Feiernde hinterließen Fäkalien in Eingangsbereichen“, so Hupke. Das, was hier inzwischen geschehe, laufe unter dem Label Karneval, so Hupke weiter. Mit Karneval habe dieser „rechtslose Zustand“ jedoch nichts zu tun, sagt er.

Das ist Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Bündnis 90/die Grünen)

Andreas Hupke lebt seit 48 Jahren in der Kölner Innenstadt – 46 Jahre davon im Kwartier Latäng. Seit 20 Jahren ist der Grünen-Politiker Bezirksbürgermeister in der Kölner Innenstadt. Seine politischen Schwerpunkte sind Wohnen, Soziales, Verkehr und Klima.

Festkomitee Kölner Karneval: Zustand im Kwartier Latäng ist „ganzjähriges Problem“

Auch das Festkomitee Kölner Karneval zeigte sich gegenüber 24RHEIN betroffen von der Situation im Kwartier Latäng. Das Treffen mit den Anwohnern des Kwartier Latäng habe wieder einmal deutlich gezeigt, dass alkoholisierte Jugendliche, Wildpinkler und andere Exzesse ein ganzjähriges Problem seien. „Die Menschen aus dem Veedel haben sehr eindringlich die Zustände an jedem Wochenende geschildert. Der 11.11. und Weiberfastnacht sind da nur der traurige Höhepunkt, der dann mit dem Etikett ‚Karneval’ versehen wird“, so das Festkomitee.

Für die Zülpicher Straße brauche es deshalb ein ganzheitliches Konzept, an dem sich das Festkomitee gerne beteiligt, heißt es weiter. Lösungen dafür müssten jedoch „für jeden Tag des Jahres gefunden werden, nicht nur für eine handvoll Tage während des Straßenkarnevals“.

Köln: „Rechtsloser Zustand“ im Kwartier Latäng

Mit der Bürgerversammlung wollte Andreas Hupke etwas bewirken. Denn für ihn und viele weitere Menschen steht fest: Einen solchen Zustand soll es im Kwartier Latäng nicht länger geben. „Fast 300 Menschen sind am Montagabend zur Bürgerversammlung in die Kirche Herz Jesu am Zülpicher Platz gekommen – und das zu Corona-Zeiten“, sagt er.

Am Montagabend wurde in der Herz-Jesu-Kirche also eifrig diskutiert und nach Lösungen gesucht. Denn die Anwohner wollen sich dort endlich wieder sicher fühlen. „Selbst die Kinder kann man in dieser Zeit nicht in den Kindergarten bringen, da Familien auch noch attackiert werden“, sagt Hupke.

Waffenverbot auf der Zülpicher Straße

Mittlerweile ist die Zülpicher Straße abends sowie am Wochenende eine Waffenverbotszone. Ein schlimmer Zwischenfall ereignete sich zuvor im Sommer 2021, als auf der Zülpicher Straße ein 18-Jähriger erstochen wurde.

Karneval in Köln: Ausufernde Partys im Kwartier Latäng – das soll sich in Zukunft ändern

Um 18:30 Uhr hatte die Versammlung begonnen. Stunden später, ein erster Lösungsansatz. „Wir wollen zum Beispiel ein Verkaufsverbot von Alkohol ab 22 Uhr durchsetzen – nicht nur an den Karnevalstagen“, erzählt Hupke am Tag nach der Versammlung. Zudem soll die Uniwiese nicht mehr als Partywiese genutzt werden, so Hupke.

Verantwortung für das Konzept soll künftig auch nicht mehr die Stadt haben, sondern ein sogenannter „Veedelsbeirat.“ „Der Veedelsbeirat wird demokratisch gewählt und umfasst Akteure aus der Politik, der Verwaltung, der Polizei, dem Kölner Karneval, Wirten und Anwohner“, sagt Hupke weiter. Geplant sei, dass sich dieser Veedelsbeirat dann mindestens dreimal pro Jahr trifft.

In einem nächsten Schritt soll dann die Öffentlichkeit über das Vorhaben informiert werden, sagt Hupke. Für ihn ist klar: So kann es nicht weitergehen mit der wüsten Feierei in Köln. „Ich bin kein Anti-Feiermensch. Als Vorsitzender des Vereines Städtepartnerschaft Köln – Liverpool e.V. weiß ich, auch in Liverpool feiern die Menschen gerne. Auch dort gibt es große Partys, zum Beispiel an Halloween. Dort feiern die Menschen jedoch mit Respekt“, so Hupke. Feiern mit Respekt – das sei im Kwartier Latäng nicht nur an Karneval nicht möglich. Doch das soll sich in Zukunft nun ändern. (nb) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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