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Kölner muss zahlen, weil er Polizisten „lächerliche Teletubbies“ nannte

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Von: Martin Henning

Ein Beamter der Polizei Köln in Dienstkleidung. (Symbolfoto)

Ein Beamter der Polizei Köln in Dienstkleidung. (Symbolfoto) © Imago

Eine verbale Entgleisung kommt einem 39-jährigen Kölner teuer zu stehen: Er muss zahlen, weil er Polizisten als „lächerliche Teletubbies“ beschimpfte.

Köln – Tinky-Winky, Dipsy, Laa Laa und Po waren definitiv nicht auf Streife am 13. Juli 2020. Die knuffigen Teletubbies sind nämlich nur die Hauptdarsteller einer gleichnamigen beliebten Kinderserie. Im Ärger über einen Polizeieinsatz sah das ein 39-jähriger Mann aus Köln aber anders. Er bezeichnete die Beamten als „lächerliche Teletubbies“ und bekam einen Strafbefehl.

Das Urteil: 500 Euro Geldstrafe. Am Mittwoch nahm der Mann im Amtsgericht Köln seinen Einspruch gegen diesen Strafbefehl zurück, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Köln: Verdächtiger beschimpfte Polizisten als „Teletubbies“ und baute sich bedrohlich auf

An besagtem Julitag waren mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei vor einem Mehrfamilienhaus eingetroffen, in dem der arbeitslose Mann mit Frau und Kleinkind wohnte. Die Beamten waren wegen des Verdachts der häuslichen Gewalt gerufen worden. Sie trafen den 39-Jährigen vor dessen Wohnungstür an. Ein Polizist sagte im Zeugenstand aus, der Verdächtige habe sich unkooperativ verhalten, „sich in bedrohlicher Art vor uns aufgebaut“ und dann den Teletubbies-Spruch fallen lassen.

Der Polizist sagte weiter aus, man habe den Mann der Wohnung verwiesen und mit ihm für die folgenden zehn Tage verboten, in die Wohnung zurückzukehren. Das sei bei Fällen häuslicher Gewalt die Regel. Den renitenten Mann schien das Ganze jedoch nicht zu interessieren, im Gegenteil: Laut Zeugenaussage soll er das Blatt mit der Anordnung draußen zerrissen und vor einen Streifenwagen geworfen haben.

Kölner Polizisten „Teletubbies“ genannt: Beschuldigter hat dicke Strafakte

Die Polizei schrieb im Anschluss eine Anzeige wegen Beleidigung. Vor dem Amtsgericht gab der Beschuldigte an, die Beleidigung sei an keinen speziellen Polizisten gerichtet gewesen. Er habe lediglich laut seinen Eindruck wiedergegeben, dass die eintreffenden Polizisten nacheinander und eilig, „wie die Teletubbies“, die Treppe hoch und auf ihn zugelaufen seien. Dieser Angabe widersprachen jedoch alle vor Gericht geladenen Zeugen. Demnach sei zum Zeitpunkt der Äußerung niemand das Treppenhaus hochgelaufen.

„Ich bin kein Unschuldslamm. Wenn ich Scheiße baue, stehe ich dazu“, versuchte der Beschuldigte noch, sich zu verteidigen. Der Richter nahm ihm die Erklärung jedoch nicht ab und wies daraufhin, dass das Urteil mit Blick auf seine Strafakte noch härter ausfallen könnte. Denn die Akte des Mannes, der vor seiner Arbeitslosigkeit als Kaufhausdetektiv und Gerüstbauer tätig war, ist mit zwölf Einträgen prall gefüllt. Er ist unter anderem wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt vorbestraft.

So nahm der 39-jährige Beschuldigte seinen Einspruch schließlich zurück. Den Hinweis eines Vorsitzenden, er solle seine „Einstellung gründlich überdenken“, kommentierte er lapidar mit den Worten: „Das haben mir schon zig Richter gesagt.“

Immer wieder kommt es in Köln zu Fällen häuslicher Gewalt. Zwar ist laut Kriminalstatistik die Kriminalität in NRW im Jahr 2020 gesunken, allerdings sind zum Beispiel bei Gewalttaten gegen Frauen nur Bruchteile der Taten auch wirklich registriert. (mah)

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