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Räumung des Eifelwalls: Anwohnerin beschreibt Zustände vor Ort

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Von: Nina Büchs

Eine Girlande, Paletten und Pflanzen stehen in der Bahnunterführung am Eifelwall in Köln.
Wie geht es nach der Räumung am Eifelwall in Köln weiter? © 24RHEIN

Der Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt will die Räumung des Eifelwalls nicht einfach hinnehmen. Wie es weitergeht, soll in einer „aktuellen Stunde“ besprochen werden.

Köln – Groß war die Aufregung, als das Kölner Ordnungsamt kürzlich anrückte, um die kleinen, grünen Oasen aus Pflanzen und Möbeln am Eifelwall plattzumachen. Das, was sich Kölnerinnen und Kölner dort in Corona-Zeiten aufgebaut hatten, wurde plötzlich dem Erdboden gleich gemacht. Nicht nur bei denen, die sich nun ihrem Rückzugsort beraubt fühlen, sondern auch in der Politik sorgt die Räumung des beliebten Treffpunkts weiterhin für Kritik.

Erzürnt ist nämlich auch Bezirksbürgermeister und Grünen-Politiker Andreas Hupke. Wie die Verwaltung die Räumung dort veranlasst hat, möchte er nicht hinnehmen und fordert Aufklärung. Die Grünen in der Bezirksvertretung Köln-Innenstadt haben deshalb nun eine „aktuelle Stunde“ beantragt.

Köln: Räumung am Eifelwall wird in „aktueller Stunde“ diskutiert

In der „Aktuellen Stunde“ am 28. Oktober wollen die Grünen das Thema in der Bezirksvertretung Köln-Innenstadt diskutieren. Und dabei auch die Verwaltung zur Rede stellen. Denn das Unverständnis über das Vorgehen zur Räumung des Eifelwalls in Köln ist groß. „Die Verwaltung hat versäumt, die Politik in ihr Vorhaben einzubeziehen“, bringt es Hupke auf den Punkt. Ein Gespräch, eine Zusammenarbeit und eine vorherige Information über die Räumung des Eifelwalls habe nicht stattgefunden. „Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, so Hupke weiter.

Die Räumung des Eifelwalls einfach so vorzunehmen, ohne die Politik zu informieren oder miteinzubeziehen, sei in seinen Augen ein Zeichen von „Arroganz“. Und schlimmer noch: „In Zeiten der Pandemie ist so ein Vorgehen Gift für unser gesellschaftliches Miteinander.“

Räumung des Eifelwalls in Köln: Anwohnerbeschwerden bei Stadt eingegangen

Die Räumung des Eifelwalls war aus Sicht der Stadt Köln jedoch aus zwei Gründen wichtig und richtig. Zum einen gab es dort keine genehmigte Sondernutzungserlaubnis für die abgestellten Gegenstände. Möbel durften also rein rechtlich nicht einfach auf der Straße abgestellt werden. Zudem würden die Gegenstände eine Gefahr der öffentlichen Sicherheit darstellen, so die Meinung der Stadt. Außerdem seien bei der Stadt auch Anwohnerbeschwerden eingegangen – wie sich der Eifelwall während Corona entwickelte, dürfte also nicht allen Kölnerinnen und Kölnern gefallen haben.

Köln: Kotze, Scherben, Alkohol – Anwohnerin verärgert über Situation am Eifelwall

So sieht dies auch eine verärgerte Anwohnerin, die sich per Mail an 24RHEIN gewendet hatte. Statt „grüner Oasen“ schilderte sie dort ein vollkommen anderes Bild. „Wer jemals an einem Samstag- oder Sonntagmorgen durch diese sogenannte Begegnungsstätte ging, fand folgendes vor: Circa 15 bis 20 abgestellte Flaschen, deren Inhalt eindeutig auf Hochprozentiges hinwies, sehr viele absichtlich zerschmissene Pfandflaschen, auf dem Gehweg mehrere große Haufen von Erbrochenem“.

Räumung des Eifelwalls in Köln: Das ist passiert

Bürgerinnen und Bürger haben den autofreien „Eifelwall“ seit mehreren Wochen mit Pflanzen, Möbeln und Girlanden dekoriert. Da keine Sondernutzungserlaubnis vorlag, brachte die Verwaltung auf den dort abgestellten Gegenständen vor der Räumung Aufkleber an, auf denen die Verursacher zur Entsorgung des Möbilars aufgefordert wurden. Doch dies geschah nicht – und so wurde die AWB beauftragt, die „Oasen“ am Eifelwall zu entfernen.

Möbel und Pflanzen am Eifelwall in Köln: „Toter Raum wurde wieder belebt“

Ob Kotze oder grüne Oase – die Meinungen zu der Situation am Eifelwall scheinen also stark auseinanderzugehen. Während manche erleichtert sind, dass die Stadt die Räumung angeordnet hat, sind andere darüber erzürnt. Kritik an der Räumung übt neben Andreas Hupke auch Sabine Pakulat, Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses und Liegenschaftspolitische Sprecherin der grünen Ratsfraktion. „In der Pandemie haben die Kölner sich dort in einer Notsituation etwas aufgebaut“, so Pakulat. „Toter Raum wurde wieder genutzt und belebt. Es wurde dort geskatet, gechillt, Jugendliche saßen zusammen, Väter übten mit ihren Kindern Zweiradfahren“, erzählt die Kölnerin. Bis das Kölner Ordnungsamt mit Fahrzeugen anrollte – und die Straße aufgrund von Anwohnerbeschwerden freiräumte. Auch darüber gab es kaum Informationen. Hupke fordert deshalb Akteneinsicht von der Kölner Verwaltung.

SPD zur Räumung am Eifelwall: „Ordnungsdezernentin lässt jedes Fingerspitzengefühl vermissen“

Gegenwind erhält die Verwaltung übrigens auch von der SPD. Denn auch die Sozialdemokraten befürworteten die Gestaltung des Eifelwalls und äußerten sich kritisch über dessen Räumung. „Dieses gesellschaftliche Engagement zum Wohle der Gemeinschaft kann man nur begrüßen. Umso unverständlicher ist es, dass die Ordnungsdezernentin nun jedes Fingerspitzengefühl vermissen lässt und diese kleine Oase lieber zerstören lässt, anstatt ins Gespräch zu gehen“, so Christian Joisten, Fraktionsvorsitzender der Kölner SPD.

Die SPD fordert nun, dass sich die Ordnungsdezernentin Andrea Blome mit Anwohnenden, die den Eifelwall gestaltet haben, zusammensetzt, um „eine Lösung im Sinne aller Beteiligten zu finden“.

Köln: Wie geht es am Eifelwall weiter? Grünen-Politikerin Pakulat sieht zwei Optionen

Eine Lösung finden – das wollen auch die Grünen und Vorschläge in der „aktuellen Stunde“ am 28. Oktober diskutieren. Es bei der Räumung belassen und die Diskussion begraben, kommt für sie nicht in Frage. Pakulat sieht nun zwei Optionen: „Zum Beispiel könnten Patenschaften mit lokalen Institutionen wie Kindergärten oder Schulen geschaffen werden“, so Pakulat. Ihre Idee: Eine Gruppe von Menschen könne sich dort um den Eifelwall kümmern, es könne ein Regelkatalog zur Nutzung des Eifelwalls aufgestellt werden.

Eine andere Option wäre, über den bürokratischen Weg eine Sondernutzung für die Aufstellung von Möbilar am Eifelwall zu beantragen. Das wäre allerdings ein ziemlicher Aufwand, der sich nicht schnell und nicht leicht umsetzen lässt, so Pakulat. Auch wenn eine Lösung zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gefunden ist – der Tatendrang der Politik, den Jugendlichen ihren kreativen Rückzugsort zurückzugeben, ist groß. Inwiefern es am Eifelwall weitergeht und ob sich dort bald wieder junge Kölnerinnen und Kölner auf Palettensofas tummeln, bleibt abzuwarten. Am 28. Oktober wird es dann hoffentlich Neuigkeiten geben – oder mit etwas Glück auch schon eine Lösung. (nb) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde am 19. Oktober aktualisiert. Neuerung: Zitat einer Anwohnerin eingefügt.

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