1. 24RHEIN
  2. Köln
  3. Innenstadt

Köln: Müll soll aus dem Rhein raus – Metropole zeigt, wie es klappen kann

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Henning

Skyline von Köln, am Rhein, Blick von der Zoobrücke auf die Innenstadt, rechts, mit Dom und Ortsteil Deutz.
Wird der Rhein durch den Müllfänger bald deutlich sauberer? © Jochen Tack/Imago

Den Müll im Rhein automatisch rausfischen und ihn sauber machen? Dieser Traum könnte bald wahr werden. Der Kölner Verein K.R.A.K.E. will einen Müllfänger bauen.

Köln – Sauberkeit und Köln in einem Satz nennen? Schwierig. Die Millionen-Metropole gehört nicht gerade zu den Vorzeigestädten in Deutschland, was dieses Thema betrifft. Viel zu viel Müll landet dort, wo er nicht sein soll – auf dem Boden, in der Natur oder auch im Rhein. Doch nicht nur Abfall findet seinen Weg in das Gewässer. So sollen auch hunderte E-Scooter im Rhein liegen.

Ergebnis: Der Fluss wird zur Müllhalde. Der ehrenamtlichen Müllsammel-Gruppe K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) wird das langsam zu bunt. Sie planen den großen Wurf: Einen schwimmenden Müllfänger, der den Abfall automatisch aus dem Rhein zieht.

Vermüllter Rhein in Köln – diese schwimmende Konstruktion könnte helfen

Zehn Meter lang und fünf Meter breit – das sollen die Abmessungen des Fängers werden. „Er läuft trichterförmig zu und hat einen Fangkorb. Durch die Fließgeschwindigkeit des Rheins läuft der Müll 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche automatisch in den Korb“, erklärt K.R.A.K.E.-Chef Christian Stock im Gespräch mit 24RHEIN.

Entwürfe zur Kölner Müllfalle der KRAKE.
So sehen die Entwürfe zur Kölner Müllfalle aus. © K.R.A.K.E.

Damit sich Fische und andere Tiere nicht in der Apparatur verfangen, arbeitet der Müllsammler mit einem grobmaschigen und engmaschigen Netz. „Wir wollen ja verhindern, dass die Fische an Müll sterben – und die Fische nicht selbst töten“, sagt Christian Stock. Mit dem Konzept habe man auch die zuerst skeptischen Umweltverbände überzeugen können.

Müllfänger im Rhein bei Köln: Die Daten

Abmessungen:10x5 Meter
Ort:Zoobrücke
Kosten:80.000 Euro
Start:Voraussichtlich Anfang 2022

Rhein in Köln: „Müllfänger“ nach Vorbild in London

Auf die Idee zum Projekt ist vor ein paar Jahren Projektleiter Nicolas Schweigert gekommen. „Nico ist beruflich viel unterwegs, unter anderem in London. Da ist bereits ein solcher Müllsammler auf der Themse unterwegs. Er wollte diese Idee dann unbedingt auch in Deutschland umsetzen. Tatsächlich war das einer der Hauptgründe, warum wir die K.R.A.K.E. gegründet haben“, sagt Christian Stock.

Eine Müllfalle auf der Themse in London.
Auf der Themse in London ist bereits eine Müllfalle im Einsatz. © K.R.A.K.E.

Bevor die Initiatoren ihr Wunderwerk auf den Rhein bringen können, mussten sie noch einige bürokratische Hürden überwinden. Sowohl von der Bezirksregierung, als auch vom Wasserstraßenverkehrsamt und der Unteren Naturschutzbehörde brauchte es Genehmigungen. Die sind mittlerweile erteilt. Und es steht auch schon fest, wo der Müllfänger in Zukunft tätig werden soll: etwa 150 Meter von der Zoobrücke entfernt auf der linken Rheinseite, zehn Meter vom Ufer weg, wird er angeleint.

Rhein soll sauber werden – mit schwimmender Konstruktion

Die Apparatur den Rhein entlang treiben zu lassen, wäre weder erlaubt, noch wäre es ohne weiteres möglich, den massiven Fänger am einen Ende Kölns einzuholen und am anderen Ende wieder einzulassen. Mehrere solcher Müllfänger bauen zu lassen, ist für die K.R.A.K.E. als ehrenamtlicher Verein finanziell utopisch. Die Verantwortlichen rechnen mit Kosten von 80.000 Euro für das eine Exemplar. Etwas mehr als die Hälfte hat der Verein durch private und Firmenspenden sowie eigene Geldmittel eingesammelt. „Wir wehren uns nicht dagegen, wenn die Stadt uns finanziell unterstützt“, sagt Christian Stock im 24RHEIN-Gespräch verschmitzt.

Bisher existiert der Müllfänger nur auf Papier. Noch in diesem Jahr soll ein Ingenieur mit dem Bau beauftragt werden. „Im besten Fall kann der Müllfänger schon Anfang nächsten Jahres seine Arbeit aufnehmen“, so der K.R.A.K.E.-Chef.

Was ist die K.R.A.K.E.?

Die K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) wurde 2016 vom Schauspieler Christian Stock gegründet, um möglichst viele Kölnerinnen und Kölner für das Müllsammeln zu gewinnen. 2017 gründete er die gleichnamige Facebook-Gruppe mit einer Handvoll Helfenden. Am 15. September richtete die K.R.A.K.E. ihren ersten „Rhine CleanUp Day“ aus, 300 Teilnehmende sammelten über eine Tonne Müll im Stadtgebiet. Am 1. September 2019 verliehen Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Laudator Frank Schätzing der K.R.A.K.E. den Kölner Ehrenamtspreis. Seit Juni 2020 ist die K.R.A.K.E. ein eingetragener Verein.

Kölner Verein Krake arbeitet bei Rhein-Müllfänger mit Uni Bonn zusammen

Bis dahin müssen die Verantwortlichen geklärt haben, wie sie den gesammelten Abfall vom Müllfischer bekommen. „Womöglich bringen wir den Müll über ein motorisiertes Boot an Land. Wir sind aber derzeit noch dabei, eine Lösung zu finden“, sagt Christian Stock. Den gesammelten Unrat werden dann die AWB Köln entsorgen. Wie viel Tonnen pro Woche durch den Müllsammler aus dem Rhein gefischt werden, kann Stock noch nicht einschätzen. „Das wird ein großes Überraschungsei.“

Voraussetzung für die Umsetzung des Projekts war übrigens, dass die K.R.A.K.E. Buch führt, welchen Müll und welche Stoffe der Fänger aus dem Gewässer holt. Die gewonnenen Daten werden Forscher der Uni Bonn in wissenschaftliche Studien einfließen lassen. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant