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Köln: Schaafenstraße darf gesperrt werden - Angst vor homophoben Attacken

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Von: Martin Henning

Kölner genießen im Außenbereich einer Gaststätte den Samstagabend.
Die Schaafenstraße darf zur Gefahrenabwehr am Wochenende abgesperrt werden. (Symbolfoto) © Henning Kaiser/dpa

Die Schaafenstraße in Köln darf am Wochenende gesperrt werden. Ein Mann wurde dort zuvor angefahren, ein homophober Hintergrund ist möglich.

Köln – Diese Nachricht schockte die LGBTIQ-Community in Köln: Am 11. Juli soll ein 34-jähriger Mann auf der Schaafenstraße vorsätzlich von einem Auto angefahren worden sein. Da das Opfer schwul ist, wird ein homophober Hintergrund vermutet.

Nach bisherigen Erkenntnissen ging der Attacke ein Wortgefecht zwischen dem Fahrer samt Beifahrer und dem Opfer voraus. „Im Streit soll der Fahrer laut Zeugenaussagen rückwärts gegen den 34-Jährigen gefahren sein, sodass dieser stürzte“, sagt eine Sprecherin der Kölner Polizei auf 24RHEIN-Nachfrage. Zeugen berichteten, dass der Fahrer seinen Kontrahenten bewusst angefahren habe und dann geflüchtet sei. Das Fahrzeug soll laut Zeugenaussagen ein Rüdesheimer Kennzeichen besitzen.

Köln: Mann auf Schaafenstraße angefahren – homophober Hintergrund?

Letzteres wollte die Polizeisprecherin nicht bestätigen. Gegen den mutmaßlichen Täter werde aber wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Gefährdung des Straßenverkehrs durch grob verkehrswidriges und rücksichtsloses Fahren ermittelt. Zu den Insassen des Autos ist bislang nur bekannt, dass sie zwischen 20 und 30 Jahre alt sein sollen und in einem grauen Auto fuhren. Dass der Fahrer sein Opfer homophob beleidigt haben soll, wie der Express berichtet, bestätigte die Sprecherin ebenfalls nicht.

Das erinnert an Amokfahrten von Überzeugungstätern und dem muss unverzüglich und rigoros Einhalt geboten werden, damit die Menschen sich dort wieder in Frieden und Sicherheit treffen können.

Kölner Gastronom (anonym)

Schaafenstraße in Köln gesperrt: Gastronomen dürfen Baken aufstellen

Die Schaafenstraße ist auch als „Bermuda-Dreieck“ bekannt und gilt als Feier-Hotspot und Rückzugsort für die LGBTIQ-Community. Nun geht die Angst um, es könnte zu weiteren Attacken kommen. Kölns Stadtdirektorin Andrea Blome hat deswegen veranlasst, dass die Schaafenstraße am Wochenende abgesperrt werden darf. Eine Maßnahme „zur Gefahrenabwehr“, wie Stadtsprecher Robert Baumanns auf 24RHEIN-Anfrage bestätigt.

Seit dem vergangenen Wochenende (16. bis 18. Juli) dürfen Gastronomen zwischen Habsburger Ring/Hohenstaufenring und Am Rinkenpfuhl Warnbaken aufstellen, um Gebiete abzusperren. „Da es sich um eine verkehrliche Maßnahme der Stadt Köln handelt, wird das Absperrmaterial zur Verfügung gestellt. Wenn die Lage es erfordert – und nur in Absprache mit dem Ordnungsamt – kann das Absperrmaterial von den Wirt*innen selbständig ausgebracht werden“, sagt Baumanns. Möglich sind die Absperrungen von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr morgens.

Die Regelung basiert momentan noch auf einer Dringlichkeitsentscheidung, die von Innenstadt-Bürgermeister Andreas Hupke und seinen drei Stellvertretungen unterzeichnet wurde. Die Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) muss als gesamtes Gremium am 2. September noch einmal über die Entscheidung abstimmen. Gibt es keine mehrheitliche Zustimmung der Gremiums-Mitglieder, wird die Wochenendsperrung der Schaafenstraße wieder untersagt.

Köln: Situation in Schaafenstraße – Gastronom mit Forderung

Den Fall ins Rollen gebracht hatte ein namentlich nicht genannter Gastronom. Er hatte sich mit einem Hilferuf an die Vertreter von Politik und Stadtverwaltung gewandt.

„Die Schaafenstraße war bisher ein Schutzraum für die LGBTIQ-Community. Sie entwickelt sich immer mehr zu einer No-Go-Area, weil Gäste aus der o. a. Community immer häufiger angegriffen werden“, heißt es in dem Schreiben. Immer häufiger würden Besucherinnen und Besucher mit Worten wie „Drecks-Schwulenpack“ beschimpft. Dabei würden auch Drohungen wie „Ich stech‘ dich dreckiges Homopack ab“ fallen.

„Das erinnert an Amokfahrten von Überzeugungstätern und dem muss unverzüglich und rigoros Einhalt geboten werden, damit die Menschen sich dort wieder in Frieden und Sicherheit treffen können“, forderte der Gastronom.

Ganz in der Nähe der Schaafenstraße war es Ende Juni ebenfalls zu einem Angriff gekommen. Auf den Kölner Ringen war ein 23-Jähriger schwer verletzt worden, der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. (mah)

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