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Köln: Totes Baby in Flüchtlingsunterkunft war bereits „mehrere Tage versteckt“

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Von: Johanna Werning

Links: Zelte stehen vor der Messehalle 3 in Köln. Rechts: Auf einer ukrainischen Flagge steht „#StandWithUkraine“ über notdürftigen Schlafzellen in einer Messehalle in Köln.  (IDZRW-Montage).
In dem Fall des toten Säuglings in der Flüchtlingsunterkunft in der Messe in Köln sind noch viele Fragen offen (IDZRW-Montage). © Federico Gambarini/dpa & Federico Gambarini/dpa

In der Flüchtlingsunterkunft in der Messe in Köln wurde am Montag ein toter Säugling gefunden. Die Ermittlungen laufen. Viele Fragen sind noch offen.

Köln – Es war die Schocknachricht am Montagabend (9. Mai): In der Geflüchteten-Unterkunft auf dem Messegelände in Köln wurde ein toter Säugling gefunden. Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind, finden auf dem Gelände eine Unterkunft. „Reinigungspersonal hat am Montagmorgen in einer Toilettenkabine der Unterkunft für ukrainische Geflüchtete auf dem Gelände der Kölnmesse im Stadtteil Deutz einen versteckt abgelegten, toten Neugeborenen gefunden“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Köln am Montag mit.

Totes Baby in Flüchtlingsunterkunft: Mordkommission ermittelt

Doch viele Fragen sind offen. Die Polizei Köln hat bereits eine Mordkommission eingerichtet. Die Ermittlungen laufen. „Insbesondere dauern die rechtsmedizinischen Untersuchungen auch zu der Frage, ob der Säugling nach der Geburt gelebt hat, weiter an“, erklärt Ulrich Bremer, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Köln, am Dienstag auf Nachfrage von 24RHEIN.

„Aus diesem Grunde ließ sich nach der Obduktion kein eindeutiger Befund dazu erheben, ob das Kind nach der Geburt gelebt hat oder nicht. Die Staatsanwaltschaft hat daher beim Institut für Rechtsmedizin in Köln aufwändige ergänzende Untersuchungen in Auftrag gegeben, die jedoch einige Wochen in Anspruch nehmen werden“, sagt Bremer am Mittwochnachmittag. Aktuell bestehe der Verdacht eines vollendeten Tötungsdelikts.

Flüchtlingsunterkunft in der Kölnmesse

► Rund 1.100 Personen können in der Geflüchtetenunterkunft in der Messehalle 3 in Köln unterkommen. Bei Bedarf können weitere 400 Menschen in einer zusätzlichen Messehalle untergebracht werden.

► Ein Wohnbereich bietet Platz für vier Personen. Der Bereich ist rund 25 Quadratmeter groß und mit Feldbetten, einem Tisch, Stühlen und einem abschließbaren Schrank ausgestattet.

►Der Betrieb der Notunterkunft wird von der Stadt gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Caritasverband der Stadt Köln und der Diakonie Köln sichergestellt.

► Die Geflüchtetenunterkunft ist seit März 2021 geöffnet und ist aktuell bis zum 15. Juni. Danach soll es stattdessen in der Zeltstadt am Südstadion eine Unterkunft für Ukraine-Geflüchtete geben.

Köln: Totes Baby in Toilettenkabine gefunden – wie lange lag der Säugling dort?

„Der verstorbene Säugling lag bereits seit mehreren Tagen versteckt hinter einer Deckenplatte des Toilettenraums“, sagt Bremer am Mittwoch weiter. Wie lange genau, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass somit die Suche nach der Mutter nicht gerade leichter wird. Denn in der Notunterkunft herrsche eine hohe Fluktuation: Geflüchtete bleiben teilweise nur wenige Stunden und nur vereinzelt mehrere Tage.

Köln: Totes Baby in Toilettenkabine gefunden – viele Fragen noch offen

Außerdem sei noch immer nicht abschließend geklärt. Ob es sich bei der Mutter um eine Ukraine-Geflüchtete handelt. Immerhin hätten auch andere Personen Zutritt zur Unterkunft. Unklar ist jedoch nicht nur, wer die Mutter ist, sondern auch das Alter des Kindes und seine Todesursache. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Der Text wurde zuletzt am 11. Mai, um 17:49 Uhr aktualisiert. Neuerung: Fundort der Babyleiche aktualisiert. Ermittlungen dauern an.

 

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