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Kölner Ringe: Konzept zeigt, wie aus Chaos und Kriminalität eine Oase werden könnte

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Von: Johanna Werning

Ein Entwurf der autofreien Kölner Ringe. Statt Autos queren Fußgänger und Radfahrer die Strecke in Köln.
Studierende der TH Köln haben sich neue Konzepte für die Kölner Ringe überlegt. Ein Plan: Autofreie Ringe (Entwurf) © Elif Eler/Marie Kommander, Modul „Öffentlicher Raum“, Master Städtebau NRW

Verkehr, Chaos, Kriminalität: Die Kölner Ringe sind seit Jahrzehnten eine Herausforderung. Studierende aus Köln zeigen, wie eine Lösung aussehen könnte.

Köln – Die Kölner Ringe sind in Köln berühmt und berüchtigt. Bekannt sind sie vor allem für Partys, Verkehrs-Chaos und den ein oder anderen Polizeieinsatz. Sie ziehen sich vom Ubierring im Süden bis hinter den Ebertplatz zum Theodor-Heuss-Park im Norden im Halbkreis um die Kölner Innenstadt. „Dabei hat jeder Bereich seine ganz eigenen Herausforderungen“, erklärt Darleen Ertelt, Studentin der Technischen Hochschule Köln. Gemeinsam mit 25 weiteren Studentinnen und Studenten des Masterstudiengangs „Städtebau NRW“ hat die 28-Jährige im Rahmen eines Moduls zukunftsweisende Entwürfe für die Ringe erarbeitet. Das Vorhaben: „Die Kölner Ringe – sieben Kilometer für alle?“

Kölner Ringe
Länge:7,5 km
Gebaut:11. Juni 1886

„Die Kölner Ringe – sieben Kilometer für alle?“: Studierende mit Masterplan für die Innenstadt Köln

Die leitende Professorin Yasemin Utku von der Fakultät für Architektur der TH Köln erklärt: „Unser Ziel waren Konzepte, die die Aufenthaltsqualität und den Nutzen der Ringe verbessern und auf die Stärken sowie Schwächen der einzelnen Abschnitte eingehen.“ Dafür wurden die Kölner Ringe in mehrere Bereiche aufgeteilt. „Für jeden Bereich haben wir dann Handlungsempfehlungen erarbeitet“, so Masterstudentin Ertelt im Gespräch mit 24RHEIN.

Eine Luftaufnahme der Kölner Ringe mit den eingezeichneten Konzepten
Für die Kölner Ringe wurden mehrere Konzepte ausgearbeitet © TH Köln

Im Vordergrund stehen dabei unter anderem die Inklusion aller Gruppen, ein Sicherheitsgefühl rund um die Uhr, einen Beitrag zum Klimaschutz und ein Rückbau der Autoorientierung. So sollen die Ringe zum Beispiel größtenteils autofrei werden. Stattdessen sollen unter anderem Grün- und Sitzflächen für Kölnerinnen und Kölner ausgebaut werden.

Köln: Barbarossaplatz neu gedacht – vom Verkehrsknotenpunkt zur Freizeit-Oase

Was ist konkret geplant? Wie kann der Bereich besser genutzt werden? Welche Probleme gibt es und wie können sie künftig besser gelöst werden? Die 28-Jährige hat sich in ihrer Gruppe während des Projekts um den Barbarossaplatz gekümmert. Das Hauptproblem dort: „Der Barbarossaplatz ist einfach ein großer Verkehrsknoten.“ Neben zwei großen Kreuzungen gibt es auch noch die Ringbahnen der KVBKVB-Linie 12 und KVB-Linie 15 – die den Platz im Kwartier Latäng queren.

„Unser Ansatz war es dann, dass die Ringbahn unterirdisch verläuft.“ Statt des Rudolfplatzes sollen die Bahnen bereits am Barbarossaplatz unterirdisch fahren. Und auch für den Autoverkehr gibt es Pläne: „Aktuell ist es unübersichtlich und verkehrssunsicher“, so die Masterstudentin. Darum soll die Verkehrsführung entschlackt werden. Statt zwei großer Kreuzungen soll es nur noch eine geben – und zwar die südliche Kreuzung auf der Höhe der Rewe-Filiale und des McDonald‘s. Und die nördliche Kreuzung? „Die wird eine freie Fläche. Dort soll es dann Sitzflächen, Grünflächen und Wasserspiele geben.“

Die Entwürfe vom Barbarossaplatz. Einmal als Luftaufnahme und einmal eine Detailaufnahme der nörlichen Kreuzung.
Die Entwürfe vom Barbarossaplatz. Die nördliche Kreuzung wird eine freie Fläche © Entwürfe von Darleen Ertelt und Sarah Staiger

Konzept für Kölner Ringe: Grünes Klassenzimmer und Schlafkapseln für Wohnungslose

Ein komplettes Semester wurde an den Entwürfen gearbeitet. „Das fällt ja nicht einfach vom Himmel. Dahinter steckt immer auch eine Analyse“, erklärt Ertelt. Denn es mussten nicht nur die einzelnen Anforderungen des Bereichs erfüllt werden. „Die Kunst ist es, sich abzustimmen, damit am Ende alles zusammenpasst.“

Dabei sind die verschiedenen Ansätze für die Kölner Ringe vielfältig, wie Professorin Utku erklärt: „Am Hansaring entsteht mit der Bildungslandschaft Altstadt-Nord ein wichtiger Schulstandort, also wurde für dieses Areal ein ‚grünes Klassenzimmer‘ entworfen. Am Sachsenring leben viele Wohnungslose – daher haben die Studierenden sich Gedanken über Infrastruktur gemacht, die dieser Gruppe hilft.“ Der Plan: Schlafkapseln am Chlodwigplatz, sodass Wohnungslose nachts einen sicheren und warmen Schlafplatz finden.

„Die Kölner Ringe – sieben Kilometer für alle?“ – Ausstellung und Radtour

Die Pläne und Skizzen der Entwürfe können nun in einer Ausstellung der Studentinnen und Studenten angeschaut werden. Das Gesamtkonzept der Studierenden ist auf eine sechs mal acht Meter große, begehbare Plane gedruckt worden. Die Ausstellung läuft noch bis Freitag, 24. Juni in der Stiftung Findeisen für Kunst und Baukultur (Venloer Straße 19, 50672 Köln). Geöffnet ist die Ausstellung montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Außerdem gibt es am 4. und am 11. Juni eine geführte Radtour entlang der Ringe. „Dabei befahren wir die Ringe und erklären unsere jeweiligen Konzepte“, sagt Ertelt. Neben den anderen Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern ist dann auch die „Initiative #RingFrei“ dabei. Die Bürgerinitiative, die sich für sichere Mobilität für Fußgänger und Radfahrer sowie eine höhere Aufenthaltsqualität an den Kölner Ringen einsetzt, zeigt ebenfalls die Ergebnisse von „Die Kölner Ringe – sieben Kilometer für alle?“. Weitere Informationen und Anmeldung gibt es auf der Internetseite zum Projekt. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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